Osama bin Laden

TODFEIND DES WESTENS

TITEL: Explodiert die Welt? - Warum ein Krieg Wahnsinn wäre / Reich geboren, fromm erzogen, hoch gebildet. Im Widerstand gegen die sowjetischen Besatzer Afghanistans wurde er zum islamischen Helden, im Kampf gegen Amerika zum fanatischen Prediger des Hasses. Osama bin Laden, Chefideologe eines weltweit operierenden Terrornetzwerks, gilt jetzt auch als Drahtzieher und Finanzier der Anschläge in New York und Washington

Alle Welt redet über den Mann, der hinter den Anschlägen von New York und Washington zu stecken scheint. Nur in seinem Heimatland Saudi-Arabien hüllt man sich in Schweigen. Keine Zeitung druckt ein Bild von Osama bin Laden. Alle reden nur mit vorgehaltener Hand über den superreichen Spross einer Unternehmerdynastie, die eng mit dem Königshaus verbunden ist. Und innerhalb der milliardenschweren Familie, einem Riesenclan mit Besitztümern in Dschidda ebenso wie Beirut, Kairo oder London, darf niemand seinen Vornamen nennen. "Das ist streng verboten", sagt eine Vertraute der Familie, "ich habe Angst, den Namen Osama auch nur auszusprechen."

Wenn saudische Medien denn mitunter doch nicht umhin können, bin Laden zu erwähnen, dann nur unter Berufung auf ausländische Quellen. Seine saudische Herkunft, die Familie und ihr Vermögen, bleiben unerwähnt. Zu groß wäre im reichsten Staat Arabiens das Gefühl der Schande für die herrschende Elite.

DIE WELTWEIT OPERIERENDE "Saudi Bin Laden Group", groß geworden im Baugeschäft und heute auch ein bedeutendes Handelshaus mit Hauptsitz in Dschidda, hat schon lange vor dem 11. September mit Osama, der schon früh zum religiösen Extremismus neigte, gebrochen. Vor etwa zehn Jahren verstießen ihn seine Brüder nach langen Querelen aus dem Firmenimperium, die saudische Staatsbürgerschaft wurde ihm aberkannt. Doch sein Vermögen - man spricht von immerhin 300 Millionen Dollar - behielt Osama bin Laden. Seither ist der Geächtete für das Firmenimperium ein echtes Imageproblem. So ließ Scheich Abdullah Awad bin Laden, derzeit das Oberhaupt der Familie, am vergangenen Freitag etwas hilflos eine Verlautbarung aufsetzen, in der den Angehörigen der Opfer kondoliert wurde.

Osama, geboren 1955, wuchs umgeben von Nannys, Chauffeuren und Reitlehrern auf. Sein Vater Mohammed stammte aus dem Hadramaut, der wildesten Provinz des Jemen, und stieg in Saudi-Arabien zum königlichen Hofbaumeister auf. Eine Karriere, die angeblich damit begann, dass Vater Mohammed seinem Herrn Abdul Aziz bin Abdul Rahman ibn Saud, dem Begründer der Wüstenmonarchie, eine Rampe anlegte, sodass dieser mit seinem Automobil bequem in seinen Palast rollen konnte. Eine Tat, die der König mit Großaufträgen belohnte, zu denen etwa der Ausbau der heiligen Stätten von Mekka und Medina zählt.

PAPA MOHAMMED hatte zehn Frauen, die ihm insgesamt 57 Kinder schenkten. Osama, der 17. Spross, erbte bereits im zarten Alter von 13 Jahren 80 Millionen Dollar, nachdem sein Vater 1968 beim Absturz eines Hubschraubers ums Leben gekommen war. Mit 17 heiratete Osama eine mit ihm verwandte Syrerin (heute hat er, wie es der Koran erlaubt, vier Frauen). Über seine Studentenzeit gibt es widersprüchliche Berichte. Manche Quellen behaupten, der Jungreiche habe sich - für reiche Saudi-Männer durchaus üblich - bevorzugt in den Lasterhöhlen des Beiruter Nachtlebens vergnügt. Wahrscheinlich ist die Version, die schon vor Jahren auf den Internetseiten der radikal-islamischen Londoner "Azzam Publications" zu lesen war. Der Unternehmersohn, hieß es da, sei "frommer als seine Brüder" gewesen. Nach einem Ingenieurstudium wollte er Karriere machen bei den "Mutawa", der saudischen Religionspolizei, die notfalls mit dem Knüppel dafür sorgt, dass die Bevölkerung fünfmal am Tag pünktlich zum Beten in die Moscheen geht. Doch selbst den überaus gestrengen Tugendwächtern war er angeblich zu radikal.

1979 hatte der junge Heißsporn, der bis dahin weder materielle Grenzen kannte noch eine echte Lebensaufgabe vor Augen hatte, ein einschneidendes Erlebnis: Die Sowjets marschierten in Afghanistan ein. "Ich bin sofort aufgebrochen", sagte bin Laden später. Zuerst ging er in die pakistanische Grenzstadt Peschawar, später nach Kabul. Mit Militärflugzeugen holte der damals 29-Jährige bald Bulldozer und Geländewagen aus dem elterlichen Baugeschäft herbei. Ließ Straßen für den Nachschub bauen, Krankenhäuser für die Verletzten und Bunker zum Schutz gegen die Fliegerbomben der gottlosen Kommunisten.

Die amerikanische Journalistin Mary Anne Weaver beobachtete damals, wie der bärtige Samariter in knielanger Hemdhose und feinen Beal-Brother-Stiefeletten englische Schokolade in den Hospitälern verteilte und sich sorgfältig Namen und Adressen der Verletzten notierte - "Wochen später erhielten die Angehörigen einen großzügigen Scheck". Unter dem Kriegsnamen "Abu Abdullah" kämpfte er später an der Seite der legendären "Mudschaheddin" - insgesamt 12500 "Arabi" (arabische Kämpfer) aus 12 Ländern, die großen Anteil an der Befreiung Afghanistans von den sowjetischen Besatzern hatten.

Mitte der 80er Jahre muss bin Laden sich vom islamischen Widerstandskämpfer zum totalen Gotteskrieger und zum weitsichtigen Organisator gewandelt haben. Plötzlich ließ er Tunnelverstecke bauen und kümmerte sich verstärkt um Waffenkäufe. Und er begann flammende Reden zu halten: nicht mehr nur gegen die "gottlosen Kommunisten", sondern auch gegen den "dekadenten Westen".

VIELE DER EINSTIGEN "ARABI" sind heute Schlüsselfiguren in bin Ladens Terrornetz - als Ausbilder, Elektronikexperten und Quartiermacher in den USA. Es sind Männer, die in den 80er Jahren in New York und Washington als "Freiheitskämpfer" gefeiert wurden, als der US-Geheimdienst CIA drei Milliarden Dollar in den afghanischen Widerstandskampf steckte. Viele der damals angelegten Bunker, Camps und Flughäfen werden heute von den Kommando-Einheiten bin Ladens und der Taliban-Armee genutzt.

Aus der internationalen "Arabi"-Truppe hat der saudische Chefideologe ein straff geführtes und global agierendes Konglomerat konspirativer Zellen namens "al Qaeda" (Der Stützpunkt) geformt. Diese 1988 gegründete Gruppe steht nach Ansicht zahlreicher westlicher Terrorismusexperten hinter den verheerenden Attentaten der vorigen Woche. Sie ist mindestens 3000 Mann stark und verfügt zwischen Algerien und Indonesien in mehr als 30 Ländern über geheime Operations-basen. Ihre kleinen Teams bestehen meist nur aus fünf Mitgliedern.

Im "Islamischen Emirat Afghanistan", wie die Taliban das 1989 befreite Land nennen, verfügt die Organisation über mehrere Trainingscamps. Dort erhalten junge Rekruten aus Casablanca oder Karatschi anhand der 1000-seitigen "Enzyklopädie des Gotteskrieges" eine spezielle Ausbildung, etwa als Sprengstoffexperte oder Funker, bevor sie irgendwo in der Welt zum Einsatz kommen. Manche von ihnen verstärken auch bin Ladens etwa 10000 Mann starke "Ausländer-Armee", die an der Seite der 25000 Taliban-Soldaten gegen die afghanische Nord-Allianz kämpft. Deren Kommandeur Ahmed Schah Massud starb vorige Woche nach einem Attenat von zwei algerischen Spezialisten, die sich als Fernsehjournalisten getarnt hatten.

Niemand, auch nicht der amerikanische Geheimdienst, kann derzeit mit Sicherheit sagen, ob der saudische Multimillionär die "al Qaeda"-Aktionen allein steuert oder ob er nur Zahlmeister und religiöser Mentor im Hintergrund ist. Womöglich wurden die Anschläge in New York und Washington von getreuen Kommandoleuten eingefädelt, ohne Absprache mit bin Laden und nicht von Afghanistan aus, sondern in Kairo, Miami, Jakarta oder Dubai.

Vollkommen überrascht mussten amerikanische Ermittler vorige Woche feststellen, dass ihr Land einer vollkommen neuen Form von Terrornetzwerk zum Opfer gefallen war. Die Täter waren nicht hirnlose, unreife Fanatiker, sondern hervorragend vorbereitete Männer mit Universitätsausbildung, die gut Englisch sprachen, seit Jahren gut situiert in Europa oder Amerika gelebt hatten, mit Computern umzugehen wussten und eine ungeahnte Gewaltbereitschaft an den Tag legten.

"Diese Typen wollen das Rad der Geschichte 1300 Jahre zurückdrehen", sagt Daniel Benjamin vom Institut für Internationale und Strategische Studien in Washington, "sie glauben, ihre Gewalt religiös legitimieren zu können, und scheuen nicht vor dramatischen Mitteln des Massenmords zurück." Auch Brian Jenkins, Terrorismusexperte des US-Forschungsinstituts Rand Cooperation sieht die Attentäter so: "Herkömmliche Moralvorstellungen sind ihnen fremd, sie sind vor allem bereit, bei ihren Aktionen zu sterben."

Genau diese Selbstaufopferung predigt bin Laden, wo er geht und steht. "Es ist mein sehnlichster Wunsch, mein Leben für die Sache Allahs zu opfern", sagte er dem Journalisten Adelbari Atwan, "die Amerikaner wollen mich töten, aber damit werden sie ihr Problem nicht lösen. Andere Osamas werden sich gegen sie erheben."

Atwan traf den fanatischen Gotteskrieger einmal in einer Bunkerhöhle nahe der afghanischen Stadt Jalalabad und wunderte sich über dessen spartanische Lebensweise. Über die dünnen Matrazen, den einfachen Generator, die islamischen Religionsbücher auf dem wackligen Regal. Schon damals war bin Laden auf der Flucht, bewegte sich mit einem Dutzend Schwerbewaffneter von einem Versteck zum nächsten, hatte zwei Laptops auf einem Tisch stehen, mit denen er über ein Satelliten-Telefon E-Mail-Kontakt zu seinen Getreuen in aller Welt hielt.

Sein Operationsgebiet im unwegsamen Afghanistan ist mit 650000 Quadratkilometern fast doppelt so groß wie Deutschland. Ausländer können sich dort nicht frei bewegen, die Aufpasser der Taliban sind überall. 1998, nach den Attentaten auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam mit 224 Toten, feuerte die US-Luftwaffe 75 Tomahawk-Raketen auf bin Ladens vermuteten Aufenthaltsort nahe der Stadt Chost - alles Fehlschläge.

Danach zog der "Liebling Gottes", wie ihn seine Getreuen nennen, in ein komfortables Anwesen in Kandahar, der Hauptstadt der Taliban. Dort sitzt auch ihr allmächtiger Emir, der einäugige Mullah Mohammed Omar, der sich "Herrscher der Gläubigen" nennt. Die beiden sind verschwägert (der Taliban-Boss hat eine Tochter bin Ladens zur Frau) und leben inzwischen außerhalb der Stadt an geheimem Ort, weil sie Luftschläge fürchten.

MULLAH OMAR regiert hinter Stahlbetonwänden in einem Neubau mit unterirdischen Bunkern. Sein betuchter Schwiegervater zieht wie ein Nomade mit großem Tross, chromblitzenden Jeeps und mobilen Raketenwerfern durch das Umland, wechselt ständig seine Bunkerverstecke in den Bergen. Dort experimentiert der 46-Jährige seit neuestem mit Chemiewaffen. Mehrfach seien Getreue - so ein lokaler Insider - bei Versuchen verunglückt und in ein Hospital eingeliefert worden. Auch an Atomwaffen ist der Fanatiker interessiert; Jamal Ahmed Al-Fadl, der früher al Qaeda angehörte und nun mit den US-Behörden kooperiert, berichtete unlängst von mehreren Versuchen der Gotteskrieger, waffenfähiges Uran zu kaufen.

Auf die Frage eines Journalisten, ob er den Erwerb von Atom- und Chemiewaffen anstrebe, antwortete bin Laden im Dezember 1998 eiskalt: "Es ist eine religiöse Aufgabe, Waffen zur Verteidigung der Muslime zu kaufen. Wenn ich sie besitze, dann danke ich Gott." Die USA könne nichts Gutes von ihm erwarten, erklärte er weiter: "Jeder Räuber, der ein anderes Land betritt, um zu stehlen, muss damit rechnen, jederzeit ermordet zu werden."

SEINEN ULTIMATIVEN HASS auf alles Amerikanische entwickelte der Frömmler, als die "ungläubigen" US-Soldaten im Zuge des Golfkrieges im Land der heiligen Städten von Mekka und Medina aufmarschierten (heute sind dort noch 5000 GIs stationiert). Der Afghanistan-Heimkehrer, zu jener Zeit wieder in Dschidda im Familienimperium tätig, war außer sich: "Ihr Amerikaner werdet unser Land in Holzsärgen verlassen." Er beschwor eine Koalition sämtlicher Muslim-Staaten, die kämpfen müsse, "bis der Adler mit gebrochenen Flügeln die Länder des Islam verlässt."

Noch im Jahr 1991 musste der unnachgiebige Kritiker das Königreich verlassen und zog mit einem Heer einstiger "Arabi"-Haudegen und seinem Vermögen in den von radikalen Islamisten beherrschten Sudan. Dort baute der Finanzier sein globales Terrornetzwerk weiter aus. In Khartum investierte er allein 50 Millionen Dollar in die Al-Shamal-Bank, in Albanien baute er Moscheen, und in Malaysia kontrollierte er eine Garnelenzucht.

Nach fünf Jahren musste bin Laden auf Druck der Amerikaner den Sudan verlassen, flog 1996 in seiner eigenen "Hercules"-Maschine zurück nach Afghanistan. Wenig später kam es überall auf der Welt zu blutigen Anschlägen, die alle eine ähnliche Handschrift aufwiesen. 19 US-Soldaten kamen 1996 im saudischen Dahran ums Leben, 1998 explodierten zeitgleich Bomben in den US-Botschaften von Nairobi und Daressalam, im Oktober 2000 starben 17 US-Matrosen nach einem Selbstmordattentat auf der "USS Cole" im Hafen der jemenitischen Stadt Aden.

Für jeden der Terroranschläge hatte Osama bin Laden nur hämische Kommentare parat. Zuletzt im Januar diesen Jahres. Da tönte er bei der Hochzeit seines Sohnes in der südafghanischen Stadt Kandahar: "Siege wie im Jemen wird es noch viele geben." Und im Stil eines Militär-strategen fügte er siegesgewiss hinzu: "Mit begrenzten Mitteln und unserem Glauben können wir die größte Militärmacht bezwingen, Amerika ist viel schwächer, als es scheint."

Auch nach dem Blutbad in New York und Washington fand der Terrorpate Mittel und Wege, seinen Getreuen eine Botschaft zukommen zu lassen. Er sei "zufrieden" mit den Anschlägen, ließ er das pakistanische Blatt "Ausaf" wissen, bestritt aber zugleich jede Verwicklung in die Flugzeugangriffe.

Seit Jahren treibt der schwerreiche Schattenkrieger dieses Spiel: Nie übernimmt er die Verantwortung für Kommandoaktionen; denn jedes Bekenntnis würde seinen Status als Gast des afghanischen Taliban-Regimes gefährden, das stets scheinheilig beteuert, ihn ausliefern zu wollen, sobald Beweise für seine Terroraktivitäten vorlägen.

Aufgrund seiner zahlreichen Fatwas - so genannte religiöse Gutachten, die wie Kriegserklärungen klingen - und Propagandavideos gilt "Amerikas Feind Nummer eins" (Ex-Präsident Bill Clinton) schon seit Jahren als der wichtigste Drahtzieher des islamistischen Terrors. Die Bundesbehörde FBI setzte für seine Ergreifung ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar aus. Bereits 1998 traute ihm der schottische Terrorismusexperte Bruce Hoffman zu, "aus religiösem Eifer Massenmorde zu legitimieren und Chemiewaffen einzusetzen". "Mit über 90-prozentiger Sicherheit", so ein FBI-Beamter, stecke bin Laden hinter den monströsen Anschlägen der vergangenen Woche.

NOCH HERRSCHT im Westen Unsicherheit, ob der Massenmord in der muslimischen Welt von der überwiegenden Mehrheit verurteilt wird. Wohl fiel dort der Beifall - er kam lediglich vom irakischen Diktator Saddam Hussein und aus einigen radikalen Palästinenserlagern - eher spärlich aus. Und gewiss wurde der Terror in den meisten arabischen Staaten als "bedauernswert" und "unmenschlich" abgelehnt, auch in Osama bin Ladens Heimatland Saudi-Arabien. Doch in diese Ablehnung mischt sich auch das Gefühl klammheimlicher Genugtuung. "Sollte sich herausstellen, dass bin Laden für die Anschläge verantwortlich ist, wäre dies eine Schande für die islamische Welt", sagt Ziad Al-Tash, Leiter der Wirtschaftsredaktion von Abu Dhabi TV, "aber zugleich betrachten ihn viele Menschen als starken Mann."

@ INFORMATIONEN IM INTERNET

www.fas.org/irp/threat/terror.htm Dokumente zum globalen Terrorismus

Bildunterschrift: Kalaschnikow und Koran: Kämpfer von Osama bin Laden recken in einem / Ausbildungslager in Afghanistan die Werkzeuge ihres Gotteskrieges. Das Bild stammt aus einem Propagandavideo, mit dem Nachwuchs rekrutiert wird / Sanfter Blick und gnadenlose Ziele: Osama bin Laden, 46, Sohn eines saudischen Bauunternehmers, verbirgt sich seit fünf Jahren in Afghanistan / Vermummte Anhänger von bin Ladens Terrorarmee "al Qaeda" ("Der Stützpunkt") machen sich mit Gewehrsalven Mut, robben unter Stacheldrahtsper ren durch die Wüste, marschieren fahnenschwingend im Gleichschritt und schießen mit Kalaschnikows / VERTEUFELT UND VEREHRT -In seiner Heimat Saudi-Arabien, die ihn längst ausgebürgert hat, dürfen die Medien keine Bilder von Osama bin Laden zeigen. Auch in seiner Familie, der er seinen Reichtum verdankt, wird er geächtet. Doch radikale Muslime verehren ihn wie einen Heiligen / JUBEL UND DEMENTI -Stets rühmt Osama bin Laden Anschläge auf amerikanische Einrichtungen. Auch die monströsen Angriffe vom 11. September hieß er gut. Doch wie immer bestritt er anschließend eine direkte Beteiligung - auch in diesem Fax vom 16. September, das er der Agentur Islamic Press in Pakistan zusandte / HAUPTSTADT DER TALIBAN -Kandahar im Süden Afghanistans, wo Osama bin Laden zurzeit vermutet wird, ist das Zentrum der im Lande herrschenden Taliban. Von hohen Mauern umgeben das riesige Gefängnis - fast das einzige instand gesetzte Gebäude der 400 000-Einwohner-Stadt / DEN GEGNER BESEITIGT -Im Pandschir-Tal nördlich von Kabul strömen Tausende zur Beerdigung von Ahmed Schah Massud. Der Führer der afghanischen Nord-Allianz kämpfte gegen die Taliban. Zwei Tage vor dem Anschlag in Manhattan wurde er Opfer eines Selbstmordattentats - offenbar auf Befehl seines schärfsten Kontrahenten Osama bin Laden / "KEIN PAKT MIT BUSH!" -In der pakistanischen Stadt Lahore demonstrieren Fundamentalisten, die mit den Taliban sympathisieren, gegen die Bereitschaft ihrer Regierung, den Amerikanern beim Kampf gegen Terroristen zu helfen /


Quelle: STE | Ausgabe: 39 A | Seite: 14
Autor/in: *Mario R Dederichs*
COUNTDOWN ZUM WAHNSINN
TITEL: Explodiert die Welt? - Warum ein Krieg Wahnsinn wäre / Die Vorbereitungen für Amerikas "Kreuzzug gegen das Böse" laufen auf vollen Touren. Dabei wissen die Militärs in den USA nicht einmal genau, wo sich der Hauptverdächtige für die Anschläge von New York und Washington aufhält. Tausende verängstigter Afghanen fliehen. Wenn auch die letzten diplomatischen Bemühungen scheitern, droht die Welt in einen großen Krieg zu schlittern.

"Wir befinden uns im Krieg."*

Die Szene ist gespenstisch. Vor den Fahnen der amerikanischen Streitkräfte sitzt George W. Bush, umgeben von der politisch-militärischen Führungsspitze der Vereinigten Staaten, in einem der Blockhäuser des Landsitzes Camp David. Der Präsident trägt eine Fliegerjacke und redet vom "Krieg". Nicht so wie an dieser Stelle einst ein Dwight D. Eisenhower während des Koreakriegs. Der Präsident und General wusste als "Befreier Europas", wovon er sprach. Bush hingegen spricht wie ein texanischer Freizeitjäger, der hinter Präriehörnchen her ist: "Wir werden sie in ihren Löchern ausräuchern und zur Strecke bringen." Wie ein verklemmter Sprechautomat wiederholt er ständig Sätze wie "Wir kriegen sie" und "Wir werden siegen".

Er lässt keinen Zweifel daran, dass die USA mit gewaltiger Macht und lang anhaltendem Zorn die Terrorkatastrophe von New York und Washington an jenem unseligen 11. September 2001 fürchterlich vergelten werden. Und er weiß die Nation hinter sich: 85 Prozent der Amerikaner wollen laut Umfragen diesen Krieg, drei Viertel sogar, wenn dabei Tausende von Unschuldigen sterben müssen. Schließlich sind die Menschen im World Trade Center auch unschuldige Opfer. "God's Own Country" ist sich vorerst noch einig in urzeitlichem Blutdurst: Auge um Auge, Zahn um Zahn . . .

"Terroristen haben Amerika den Krieg erklärt."

Noch bevor jemand genau weiß, welche Gruppen mit welchen Motiven hinter den Selbstmordattacken stecken - außer dass Osama bin Laden "der Hauptverdächtige" ist -, steht in den höchsten Entscheidungsgremien des mächtigsten Landes der Erde schon fest: Es muss Krieg geben. Egal, gegen wen, egal, was es kostet. Und die meisten Politiker, die meisten Medien überbieten einander in Hysterie: "Krieg gegen Amerika!" Bundeskanzler Gerhard Schröder assistiert: "Eine Kriegserklärung an die gesamte zivilisierte Welt!"

Die Fakten werden ignoriert: Dies ist kein Krieg, und dies war keine Kriegserklärung.

Die Terroranschläge waren, ungeachtet ihres entsetzlichen Ausmaßes, ein politisches Verbrechen; kein "Akt des Krieges", sondern ein krimineller Akt. Die Terroristen haben keine völkerrechtswidrigen Massenvernichtungswaffen benutzt, noch nicht einmal, so viel wir wissen, Bomben oder gar Schusswaffen. Sie haben keinen Angriff vom Territorium eines fremden Staates gestartet. Vielmehr entführten sie amerikanische Linienflugzeuge, die sie ungehindert auf US-Flughäfen betreten konnten, mit Messern und mörderischer Dreistigkeit.

Es ist Aufgabe von Polizei und Justiz, allenfalls noch der ob ihrer Ahnungslosigkeit total diskreditierten Geheimdienste, die Tat aufzuklären, die Täter ausfindig zu machen, vor Gericht zu stellen und zu bestrafen. Die Dimension der Schreckenstat allein ändert nicht ihren Charakter: Schon 1993 hatten islamische Terroristen versucht, das World Trade Center zu zerstören. Es gab sechs Tote und 1000 Verletzte, aber die Zwillingstürme blieben stehen, und keiner sah in dem Bombenterror etwas anderes als ein gemeines Verbrechen.

Oder will Amerika sich auf das Niveau von Wladimir Putin begeben? Der rechtfertigt den seit Jahren andauernden Krieg der russischen Armee gegen Tschetschenien mit "islamistischem Terror". Dieses Blutvergießen sollte den USA eine Warnung sein - grausam, wirkungslos, endlos.

"Die Botschaft für jeden, der eine Uniform trägt: Seid bereit!"

Die Welt hat Angst vor einem immer zerstörerischer zuschlagenden Terrorismus. Aber je mehr der unmittelbare Schock und die erste Wut Platz machen für klare Gedanken, fürchtet sie nicht minder die Reaktion Amerikas. Denn der "mächtige Riese", den die Terroristen laut Bush aufgescheucht haben, besitzt ein Vernichtungspotenzial wie keine andere Macht der Erde. Nur nutzen Atomwaffen, Fernbomber, Cruise Missiles, Flugzeugträger, Panzer und Raketen nichts gegen Terroristen, die als "Schläfer" unerkannt in unseren offenen demokratischen Gesellschaften leben, studieren und arbeiten, bis sie "geweckt" und zu (selbst-) mörderischen "Terminators" scharf gemacht werden.

Generäle tendieren immer dazu, den letzten Krieg noch einmal zu führen, nur besser. Aber trotz eines Billionen-Rüstungsetats sind Amerikas Streitkräfte denkbar schlecht auf den "Krieg des 21. Jahrhunderts", den globalen Kampf gegen den Terrorismus, vorbereitet. So sorgt sich der US-Rüstungsexperte Bill Arkin: "Während wir sagen, das ist eine völlig neue Art von Krieg gegen einen Feind, der im Schatten bleibt, fallen wir bei der Vorbereitung dieses neuen Krieges in alte Verhaltensweisen zurück."

Wieder bringen die Amerikaner Luft- und Seeverbände in Stellung, um Terroristen aus heiterem Himmel zu treffen, bevorzugt bei Nacht, wenn der Gegner irgendwo im kargen Bergland Südafghanistans schläft. Während F-14- und F-18-Jets von Flugzeugträgern im Indischen Ozean nur den Süden Afghanistans einschließlich des Taliban-Hauptsitzes in Kandahar erreichen können, sind Einsätze bis nach Kabul für Tarnkappen-Bomber des Typs F-117 oder die riesigen B-52 kein Problem, da sie in der Luft aufgetankt werden. Sie können lasergesteuerte 1000-Kilo-Bomben oder "Tomahawk"-Marschflugkörper in vorgegebene Zielgebiete jagen. Als Abschussplattform für Cruise Missiles dienen außerdem Unterseeboote und Aegis-Zerstörer der 5. US-Flotte.

Die Strategen des "Bush-Kriegs" wissen natürlich, dass sie nicht über Nacht das bekommen, wonach sie jahrelang vergebens gesucht haben: Informationen aus den innersten Geheimzirkeln der Terrororganisation "al Qaeda" (Der Stützpunkt), um auch nur den ungefähren Aufenthaltsort von bin Laden zu erfahren. Ihnen ist unbekannt, in welchen "Löchern" sich seine Fanatiker in den Bergen Afghanistans verstecken - oder in welchen Mietwohnungen mitten in den USA. Sie erinnern sich auch, dass die Luftschläge mit Cruise Missiles nach den verheerenden Bombenanschlägen auf die US-Botschaften in Nairobi und Daressalam 1998 in den Rebellencamps in Afghanistan wenig bewirkt haben. In der sudanesischen Hauptstadt Khartum wurde nicht eine Giftgas-, sondern eine Arzneimittelfabrik zerstört.

"Wir werden uns jene vorknöpfen, die sie beherbergen und versorgen."

Zum Programm der Gegenschläge gehören erstmals Mittel des "Informationskrieges": Militärische Hacker versuchen, sich aus Amerika in die elektronische Kommunikation der Terroristen einzuschalten und mit starken Impulsen oder Virenprogrammen deren Computeranlagen und Dateien zu vernichten. Solche Angriffe aus dem Cyberspace waren bisher verboten. Ebenso blieben die Finanzströme des millionenschweren Topterroristen bin Laden über internationale Banktransfers oder die elektronische Einbuchung in seine geheimen Schweizer Konten tabu - bis jetzt. Nun erscheint es ein lohnenswertes "Kriegsziel", den "Übeltätern" finanziell das Wasser abzugraben.

Mittelfristig rücken alle "Schurkenstaaten" mit Terrorismus-Verbindungen ins Visier der US-Militärs, so der Irak, Libyen oder der Sudan; wobei Syrien und der Iran sich in der gegenwärtigen Krise direkt als Helfer anbiedern. Im Fadenkreuz flimmert aber vor allem Afghanistan, das bin Laden seit Jahren Obhut gewährt - gegen Bezahlung und kleine "Dienstleistungen" wie jüngst den Mord am letzten militärischen Widersacher der Taliban, Ahmed Schah Massud (der jahrelang vergebens auf Unterstützung aus Amerika gehofft hatte).

Selbst wenn die Amerikaner vorhätten, Afghanistan - wie einst Nordvietnam - "in die Steinzeit zurück"-zubombardieren, wäre dies vergebliche Mühe: Nach Jahrzehnten innerer Kriege ist Afghanistan mit seinen Ruinenstädten, verminten Feldern, zerstörten Schulen und Krankenhäusern, seiner entwurzelten und verelendeten Bevölkerung längst dort angelangt.

"Wir reden nicht über unsere Pläne. Aber wir werden handeln."

Noch gewaltigere Anstrengungen der US-Militärmaschinerie sind in Planung. Erklärtes Ziel ist die Beseitigung der radikal-islamischen Taliban, die das Land seit sieben Jahren beherrschen. Dazu sollen dem Präsidenten verschiedene Varianten vorgelegt werden. Eine wäre eine Blitzaktion gegen die Taliban-Führungsspitze durch Elitesoldaten der "Special Forces" wie der "Navy Seals"-Truppe oder der "Delta Force" der Luftwaffe. Deren Erfolg aber hängt von genauer Aufklärung vor Ort ab. Das umfassendere Szenario wäre die Besetzung zumindest eines Teils von Afghanistan durch Luftlandeeinheiten oder Armee-Rangers. In jedem Fall müssten benachbarte Staaten wie Pakistan als Sprungbrett für solche Aktionen dienen.

Weil die Taliban durchaus Unterstützung in der Bevölkerung haben, stellt die "Vernichtung" ihrer Herrschaft die US-Militärplaner vor die größte Herausforderung. Ob vollständige oder teilweise - bisher hat kein fremder Eroberer Afghanistan unter Kontrolle bekommen, auch wenn seine Waffen noch so überlegen waren. Die Russen haben es als Letzte versucht - und damit den Untergang der Sowjetunion beschleunigt.

Die Art, wie Amerika seine Konflikte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bewältigte, verrät leider keine glückliche Hand. Selbst da, wo militärischer Erfolg greifbar gewesen wäre, haben auch erfahrenere Präsidenten als George W. Bush keine dauerhaften Lösungen erzielt.

Die Chronik des Scheiterns: Der Korea-krieg hinterließ 1953 ein bis heute tief gespaltenes Land. Vietnam wurde zum Trauma der amerikanischen Nation. Die Auseinandersetzung mit dem Iran der Mullahs um US-Diplomaten in Geiselhaft führte zu einer blutig fehlgeschlagenen Befreiungsmission. Die Unterstützung lateinamerikanischer Diktatoren förderte Menschenrechtsverletzungen und schürte die Stimmung gegen die Gringos. Im libanesischen Bürgerkrieg zogen die USA 1983 nach Bombenattentaten gegen Marineinfanteristen und Diplomaten (304 Tote) unverrichteter Dinge ab, zehn Jahre später in Somalia sogar nach einer missglückten Attacke, bei der 18 GIs fielen. Nach dem Golfkrieg blieb Saddam Hussein trotz Niederlage, Sanktionen und Nadelstich-Bombardierungen ständiger Dorn im Fleisch.

"Wir werden der Welt diese Übeltäter vom Hals schaffen."

Bush spricht von einem "lang andauernden Feldzug". Aber lässt er nach dem ersten Schlag Raum für eine besonnene Strategie? Wird er sich so moderat geben wie beim Streit mit China um das zur Landung auf Hainan gezwungene US-Spionageflugzeug Anfang des Jahres?

Dagegen spricht, dass sich die USA diesmal einen Sieg vorstellen können. Dagegen spricht die Rachelust des "wiedererweckten Christen" George W. Bush, der als Gouverneur Gnadenlos in Texas den Rekord an Hinrichtungen aufstellte. Und seine engsten Berater sind Hardliner wie Vizepräsident Dick Cheney, der ruppige Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, die Ordnungspolitikerin Condoleezza Rice, der ultrarechte Justizminister John Ashcroft und die Falken-Generäle Henry Shelton und Dick Myers.

Bleibt nur der als Held des Golfkriegs aufgestiegene Außenminister Colin Powell, mäßigend und auf Einbeziehung der Nato-Partner bedacht. Ihn konsultierte Bush erst zehn Stunden nach dem Anschlag von New York. Der Präsident liebt keine Leute, die oft seinen Vorstellungen widersprechen.

Wenn langfristiger Einsatz gefordert ist, beweist Amerika selten Durchhaltevermögen. Vielleicht ist der "Krieg gegen den Terrorismus" am ehesten vergleichbar mit der Bekämpfung des internationalen Rauschgifthandels, seit den Tagen Richard Nixons "Drogenkrieg" genannt. Die USA haben gegen südamerikanische, asiatische und heimische Drogengangster im Laufe der Zeit alle Kapazitäten eingesetzt, FBI, CIA, Küstenwache, Army, Navy und Air Force - und seit 1980 etwa 500 Milliarden Dollar. Das Ergebnis: Noch immer hat Amerika pro Jahr etwa 20 000 Drogentote zu beklagen, und die Betreiber des Geschäfts nehmen 63 Milliarden Dollar ein.

Je rücksichtsloser die USA und ihre Verbündeten nun zuschlagen, je weniger zwischen Schuldigen und Unschuldigen unterschieden wird, desto größer wird der Hass auf den "Satan Amerika", vor allem in der islamischen Welt, desto höher die Bereitschaft einzelner zum "Märtyrertod" bei einem Selbstmordattentat.

Als 1983 palästinensische Terroristen die US-Botschaft in Beirut und das Hauptquartier der Marineinfanterie in die Luft jagten, schickten die USA Kampfbomber gegen Terroristen im Bekaa-Tal; die US-Marine ließ sogar ein altes Schlachtschiff seine autogroßen Geschosse abfeuern. Der Urheber der Attentate, die zusammen 304 Menschenleben forderten, hieß Hussein Musawi. "Der Beschuss war willkürlich", erinnert sich der Politologe Martin Kramer. "Er brachte der Bewegung neue Rekruten und machte Musawi prominent." Die USA suchten ihn damals ebenso als Staatsfeind Nummer eins wie heute Osama bin Laden. Er wurde nie gefasst.

Der Kampf gegen den Terrorismus erscheint dem pensionierten US-Heeres-Oberst Robert Killebrew wie ein neuer Morast, in dem Amerikas Fortschritt stecken bleibt: "Ein endloser Zermürbungskrieg gegen einen unsichtbaren Feind - man stelle sich einen globalen Vietkong vor."

Das Beispiel Israels zeigt im Kleinen, wie wenig Panzer und Raketen gegen todesverachtende "menschliche Bomben" bewirken. Aber es erhellt auch, wie dem Terrorismus der Nährboden entzogen werden kann, wenn sich eine Perspektive auftut. Nie gab es so wenig Anschläge gegen Israel wie unmittelbar nach dem Abkommen von Oslo vor acht Jahren. Die Chance auf Frieden wurde vertan, auch weil die amerikanische Politik sich durch Israels Verhinderungstaktik ausbremsen ließ.

"Wir werden es der Welt zeigen."

Wie immer sich Amerika auch entscheidet, für seine Verbündeten in Europa entsteht ein großes Dilemma. In dieser emotional aufgeladenen Situation akzeptieren die USA nur Nibelungentreue: Führungsmacht befiehl, wir folgen! So wie Bush sich freut, dass Länder, mit denen man sich noch vor einigen Jahren eine enge Kooperation nicht habe vorstellen können - Russland, Pakistan, Indien, Iran - , nun ihre Unterstützung anbieten, so sehr würde der Präsident jede Kritik aus Freundeskreisen am Kern der amerikanischen Bedrohungsanalyse übel nehmen.

Dabei fürchten die Europäer insgeheim, an der Seite von Bush den wahren Absichten bin Ladens auf den Leim zu gehen: Er will den Westen in einen destabilisierenden Krieg gegen den Islam treiben. Wenn dieser Kampf auf lange Sicht mehr oder minder gezielt gegen muslimische Fanatiker geführt würde, könnte er labile Staaten wie Pakistan oder gar Saudi-Arabien in die islamische Revolution stürzen. Und wenn dort Muslim-Hitzköpfe vom Schlage der Taliban an die Macht kämen, erschiene das Afghanistan von heute wie ein Pickel im Vergleich zu einem Karzinom. Denn Saudi-Arabien hat ungeheuer viel Öl, und Pakistan hat Atombomben und Trägerraketen. Die mögliche Kettenreaktion ist kaum auszumalen.

Unter einer Destabilisierung des gesamten Nahen und Mittleren Ostens hätte Amerikas engster Freund in der Region am meisten zu leiden: Israel müsste damit rechnen, dass sich die Winde des Krieges gegen den Judenstaat drehen. Alles, was in diesem Raum positive Ansätze versprach, kann auf dem Spiel stehen, wenn Amerika falsch handelt.

Müssen Deutsche und Europäer nun wirklich alle Interessengegensätze zu Amerika - vom Kyoto-Umweltabkommen über den Raketenabwehrschirm bis zur Missachtung der Vereinten Nationen - begraben, um sich im Nato-Bund mit Washington für einen Terroranschlag zu rächen? Welcher europäische Politiker wird es wagen, aufzustehen und dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten: Dieser Krieg ist nicht unser Krieg. Denn sein Ergebnis kann nicht in unserem Interesse liegen - noch mehr Krieg, noch mehr Elend, noch mehr Chaos.

Terrorismus, das zeigt die deutsche Erfahrung mit der Baader-Meinhof-Gruppe, lässt sich nur durch beharrliche Aufklärung und besonnene Politik besiegen - und nicht, indem Demokratien ihre Friedensprinzipien und ihre bürgerlichen Freiheiten dem Kriegsgott opfern.

"Wir müssen uns endlich bewusst werden", mahnt der amerikanische Professor Norman Birnbaum, der jahrzehntelang Washingtoner Studenten Ethik vermittelte, "dass Hass und Gewalt sich selbst immer wieder erneuern. Es sei denn, jemand bricht den Teufelskreis."

* Zitate von US-Präsident Bush.

Karte: DIE TRUPPEN DER LETZTEN SUPERMACHT -Amerika hat ständig 1,3 Millio nen Soldaten unter Waffen und fast genauso viele Reservisten. 130 Kriegsschiffe, darunter 12 Flugzeugträger und 76 U-Boote, bilden das Rückgrat der Weltmacht zur See. Dazu kommen mehr als 4000 Kampfflugzeuge. Wegen ihrer Reichweite besonders wichtig sind die 45 Maschinen vom Typ F-117 (Stealth Fighter) und 70 B-52-Langstreckenbomber. Bei risikoreichen Einsätzen, vor allem in großer Ferne, können die US-Generäle auf 28 000 Mann Elitetruppen zurückgreifen

Karte: Bin Ladens Asyl

Bildunterschrift: Ein Marschflugkörper wird von Bord des US-Zerstörers "Arleigh Burke" abgeschossen. Mit solchen Waffen können die Amerikaner Ziele in mehr als 1500 Kilometer Entfernung treffen / EINEM STRENGEN GOTT ERGEBEN -Soldaten der Taliban-Milizen haben sich vor der berühmten Moschee von Mazar-e-Sharif zum Gebet niedergekniet. Die afghanischen Fundamentalisten knechten das ganze Land mit ihrer radikalen Auslegung des Korans / ZUM ANGRIFF BEREIT -Eine F-18 der amerikanischen Navy patrouilliert im Persischen Golf. So wie diese Kampfflugzeuge gegen Saddam Hussein Einsätze fliegen, sobald er gegen das Flugverbot der UN verstößt, sollen sie den Luftraum bei einem Angriff gegen Osama bin Laden kontrollieren / DEM SCHRECKEN ENTKOMMEN - Knapp hinter der Grenze zu Afghanistan haben 75 000 Flüchtlinge in Pakistan eine notdürftige Bleibe gefunden. Zu den vor Hunger und Bürgerkrieg Geflohenen kommen nun Tausende hinzu, die aus Angst vor einem amerikanischen Angriff das Weite suchen / ZUM LETZTEN ENTSCHLOSSEN -Als Präsident George W. Bush nach den Anschlägen der vergangenen Woche von einer Reise nach Florida zurückkehrte, sprach er vom "Krieg gegen Amerika" und schwor Rache für die Toten von New York und Washington - Rache auch an Ländern, die den Terroristen Unterschlupf gewähren / ARMEE-HACKER IM EINSATZ -Die Info-Krieger des amerikanischen Militärs versuchen, die Kontenverbindungen von bin Laden zu rekonstruieren, ihre Codes zu knacken und den Geldfluss zu stoppen / EIN SCHLAG INS LEERE -Mit Marschflugkörpern versuchte die amerikanische Regierung bereits einmal, Osama bin Laden zu töten. Der von Präsident Bill Clinton 1998 befohlene Angriff auf die Lager des Terrorpaten und seiner Kämpfer schlug jedoch fehl. Bin Laden hatte sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht /


P O L I T I K

Feind und Freund Amerikas
 

O sama bin Laden ist einer der widersprüchlichsten Personen der Zeitgeschichte. Sein Leben ist stark von Wandlungen geprägt, für seine Umwelt ist er unberechenbar.

Bin Laden soll um 1955 als Sohn eines saudi-arabischen Bauunternehmers und einer Palästinenserin in Dschidda zur Welt gekommen sein. Aufgewachsen ist er in äußerst wohlhabenden Verhältnissen. Er studierte bis 1979 an der Universität Dschidda und soll für seinen aufwendigen und ausschweifenden Lebens- und Partywandel bekannt gewesen sein.

Der Wandel zum Islamisten

Zwei Ereignisse machten den Lebemann zum fanatischen Islamisten: der Sturz des persischen Schah und die Errichtung eines Gottesstaates im Iran und der Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan. Gleicht nach Abschluss seines Studium ging er nach Afghanistan, um dort gegen die Sowjets zu kämpfen. Ideologisch hielt bin Laden den Kampf gegen die Besatzungsmacht für die Pflicht eines jeden Moslems. Wie viele Fundamentalisten galten für bin Laden die sowjetischen Soldaten als Ungläubige, die islamischen Boden entweihten.

Die USA, die die Aktion Moskaus misstrauisch beäugten, unterstützten verschiedene afghanische Mudschaheddin-Gruppen. Die Journalistin Mary Ann Weaver schrieb 1996 in der Zeitschrift „The Atlantic“, die CIA habe afghanischen Freischärlern seinerzeit mehr als drei Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Mark) zur Verfügung gestellt. Waever zufolge wurde auch bin Laden von der CIA unterstützt.

Die USA werden zum Feind

Als sich 1989 die sowjetischen Besatzer aus Afghanistan zurückzogen, verließ bin Laden das Land in Richtung Saudi-Arabien. Schon ein Jahr später wurde ihm das zuvor verbündete Amerika zum Feind. US-Truppen wurden in seinem Heimatland stationiert, damit sie von dort aus den Irak während des Golfkrieges angreifen konnten. Für den fundamentalistischen Moslem eine unvorstellbare Tat, liegen in Saudi-Arabien doch die Städte Mekka und Medina.

Für bin Laden war dies eine mit Afghanistan vergleichbare Situation: Amerikanische Ungläubige entweihten den islamischen Boden ebenso wie die sowjetischen Truppen. Doch nicht nur aus diesem Grund schlug die Freundschaft zu den USA in Hass um, auch die amerikanische Unterstützung Israels im Nahost-Konflikt empfand der Halbpalästinenser Bin Laden als Affront gegen die moslemische Welt. 1997 erklärte er in einem Interview mit dem amerikanischen Nachrichtensender CNN den USA öffentlich den „Heiligen Krieg“.

Auch mit saudi-arabischen Königshaus verstritt er sich, weil es ihm zu liberal war. Schließlich wurde er aus seinem Heimatland ausgewiesen. Der sudanesische Herrscher, der Fundamentalist Hasan, empfing ihn mit offenen Armen. Dort gründete bin Laden die Organisation El Kaida (Die Basis). Ideologisch orientierte sich die Gruppe stark an radikalislamischem Gedankengut aus nordafrikanischen Staaten und Ländern am Persischen Golf.

El Kaida und Afghanistan

Doch selbst der Sudan beugte sich dem wachsenden internationalen Druck und bat bin Laden, dass Land zu verlassen. Mit seinen drei Frauen und 180 islamistischen Anhängern siedelte er 1996 nach Afghanistan um. Dort konnte er El Kaida mit ehemaligen Kampfgenossen aus den Zeiten des Aufstandes gegen die Sowjetunion erheblich vergrößern. In seinen Terrorcamps wurden jedoch nicht nur Afghanen zu Gotteskriegern ausgebildet, auch Moslems aus Tschetschenien, Usbekistan, Pakistan, China und anderen arabischen Ländern folgten seiner antiamerikanischen Propaganda.

Sein Hass auf die USA

Sein Hass auf die USA scheint grenzenlos zu sein. Bei der Hochzeit seines Sohnes im Februar in Kandahar, lobte er vor großem Publikum den Anschlag auf das US-Kriegsschiff „Cole“, bei dem im vergangenen Jahr 17 Soldaten getötet wurden. „Die Leichenteile der Ungläubigen wirbelten wie Staubteilchen. Hättet ihr es mit eigenen Augen gesehen, wärt ihr sehr erfreut gewesen, und eure Herzen wären erfüllt mit Freude.“ Auch für die Attentäter, die 1995 und 1996 Anschläge auf US-Einrichtungen in Kenia und Tansania verübt hatten, empfand er Bewunderung. „Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die diese Tat begingen“, sagte er CNN. Eine Beteiligung stritt er allerdings ab.

Trotzdem gehen die USA davon aus, dass bin Ladens Gotteskrieger diese Anschläge verübt haben und er selbst geistiger Urheber war. Ebenso macht der US-Geheimdienst den Mann mit dem schmalen Gesicht für den ersten Anschlag auf das World Trade Center vor acht Jahren und die Terrorattacken auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington verantwortlich.
 
31.10.01, 18:00 Uhr

 

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Quelle: STE | Ausgabe: 42 | Seite: 14
Autor/in: *Mario R. Dederichs* *Christian Eisenberg*
BOMBEN GEGEN TERROR
TITEL: Der Krieg / Einen Monat nach den Angriffen auf New York und Washington schlägt Amerikas Militär gegen den Terroristen-Schlupfwinkel Afghanistan los. Präsident Bush verspricht Ausdauer bis zum Sieg. Terrorist bin Laden droht mit einer Spirale der Gewalt

Mattes Mondlicht erhellt die Ebene von Jamali. Auf dem Dach eines Lehmhauses im Bergdorf Tape Darna hocken Mudschaheddin und schauen gespannt nach Süden, in Richtung der afghanischen Hauptstadt Kabul. Plötzlich erhellen drei Blitze die Nacht. "Jetzt geht es endlich los", flüstert ein bärtiger alter Kämpfer, dessen Hände eine abgewetzte Kalaschnikow umklammern. Gewaltige Explosionen hallen durch die Stille. Ab und zu zischen Leuchtspuren der Artillerie über den Himmel, ohne ein Ziel zu finden. Gegen 1.30 Uhr Ortszeit in der Nacht zum Montag sehen die Mudschaheddin hinter dem Koh-i-Safi-Gebirge einen gewaltigen rötlichen Feuerkegel aufsteigen. "Die haben den Flughafen getroffen", jubeln sie. Vom Kabul International Airport, der zivil wie militärisch genutzt wurde, waren erst vor zwei Wochen MiG-Jäger gegen die Rebellen gestartet. Sie hatten zwei Splitterbomben ganz in der Nähe ihrer Stellungen abgeworfen.

Nun sind die verhassten Taliban und ihre gesamte militärische Infrastruktur Zielscheiben geworden: Amerika, durch die Terroranschläge in New York und Washington vor einem Monat erschüttert und erzürnt, schlägt mit der ganzen Macht seiner modernsten Kriegstechnologie gegen die Förderer der Terroristen zurück: Tomahawk-Marschflugkörper von Schiffen und Unterseebooten im Indischen Ozean, F-14-Jets mit 500-Kilo-Bomben von Flugzeugträgern im Arabischen Meer, computergesteuerte Geschosse von B-52-Langstreckenbombern aus dem Inselstützpunkt Diego Garcia und schattenhafte B-2-Tarnkappen-Bomber, nonstop angeflogen von der 10 000 Kilometer entfernten Luftwaffenbasis Whitman im US-Bundesstaat Missouri. Mit Freudenrufen quittieren die Kämpfer der Nord-Allianz in Tape Darna jeden Einschlag. Sie haben nicht erst seit den Angriffen auf World Trade Center und Pentagon Amerikas Hilfe ersehnt.

"Nach der Niederlage der Truppen der Sowjetunion hatten die USA unser Land völlig vergessen", klagte der 1996 von den Taliban aus Kabul vertriebene Präsident Burhanuddin Rabbani. Noch nicht einmal humanitäre Hilfe für das gepeinigte Volk im ruinierten Land hätten sie geleistet, während die Mudschaheddin im Nordosten auf fast verlorenem Posten ihren Widerstand gegen das fanatisch-islamische Taliban-Regime fortsetzten. Afghanistans Leid habe Amerika erst gerührt, als es selbst zum Leidtragenden wurde.

Mit unbewegter Miene verkündete US-Präsident George W. Bush noch am Sonntagabend, dass nach den diplomatischen, wirtschaftlichen und polizeilichen Gegenmaßnahmen nun der lang erwartete Militärschlag begonnen hat - und dass er keine Sache von wenigen Tagen sein wird: "Wir werden diesen Konflikt durch das geduldige Ansammeln von Erfolgen gewinnen... Wir werden nicht ermüden. Wir werden nicht einknicken. Und wir werden nicht versagen." Und während F-14- und F-18-Jets vor ihm aufstiegen, erklärte ein Offizier des Flugzeugträgers "Enterprise", warum die Amerikaner daran glauben: "Wir verteidigen diesmal unsere Familien und unsere Heimat."

Die Feinde, das hob Bush hervor, sind der Terroristenführer Osama bin Laden und seine Organisation al-Qaeda sowie deren Gönner, die Taliban, nicht das afghanische Volk. Deshalb fallen seit dem Wochenanfang gleichzeitig Bomben und Brot auf Afghanistan herab: Noch mit der ersten Angriffswelle flogen aus der deutschen US-Basis Ramstein zwei riesige C-17-Transporter los, um 37500 Tagesrationen Lebensmittel sowie Medikamente für die "armen Seelen"(Bush) abzuwerfen. Denn lange bevor der Konflikt heiß wurde, drohte Millionen Afghanen nach Missernten und Misswirtschaft der Hungertod, blieben Hunderttausende von Flüchtlingen hilfslos vor den geschlossenen Grenzen der Nachbarländer Pakistan, Iran und Tadschikistan hängen.

SCHON IM IRAK kämpften die Amerikaner unter George Bush senior nur gegen die Schreckensherrschaft Saddam Husseins, nicht gegen das Volk - und dennoch litten und starben bis heute Tausende irakischer Kinder. Deshalb dient die Mitleidsgeste der USA vor allem als Signal an die verbündete arabische und islamische Welt: "Seht, wir sind eure Freunde!" Die Feinde Amerikas seien, so der Präsident, nur jene "barbarischen Verbrecher, die eine große Religion durch Morde in ihrem Namen entweihen".

Die Antwort des "Feindes" kam prompt in einer vor den Angriffen dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera zugespielten Videobotschaft von al-Qaeda. Osama bin Laden und seine beiden Hauptleute Ayman al-Zawahiri und Suleiman Abu Gheit verkündeten den "Anfang der Zerstörung Amerikas". Die Spirale der Gewalt dreht sich höher: Das FBI rechnet "hundertprozentig" mit neuen Terroranschlägen, und bin Laden bestätigt das: "Ich schwöre bei Gott, dass Amerika nicht in Frieden leben wird, ehe Frieden in Palästina herrscht und die Heere der Ungläubigen das Land Mohammeds - Friede sei mit ihm - verlassen haben."

OBWOHL DIE LUFTSCHLÄGE der Amerikaner und Briten (sie schossen als bisher einzige Kampfgefährten der USA Cruise Missiles von zwei U-Booten ab) die bekannten Residenzen und Befehlszentren von Taliban und al-Qaeda vernichteten, entkamen die Anführer, Mullah Mohammed Omar und bin Laden, ohne einen Kratzer. Das erstaunte niemanden im Weißen Haus oder im Pentagon, hatten sie doch fast einen Monat Zeit, sich in Sicherheit zu bringen, angeblich in ein Geheimlager in den Bergen der Provinz Oruzgan. Die Preisfrage, die alle Geheimdienste der USA und alle Spionagesatelliten nicht beantworten können, bleibt: Wo versteckt sich der Pate des Terrors? Gerüchte in Pakistan sprechen auch von einer gewaltigen Bergfestung in den Höhlen des Wachan-Korridors im Pamir, die selbst gegen Atombomben gefeit sein sollen; andere vermuten, dass er, ohne Bart und Burnus, irgendwo unerkannt durch Kabul läuft - vielleicht sogar durch Kairo oder Köln.

"Dieses Versteckspiel können die Amerikaner nicht gewinnen", höhnt der ehemalige pakistanische Spionagechef General Hameed Gul, einst im Auftrag der CIA Führungsoffizier bin Ladens im Krieg gegen die Sowjets. "Während sie ihre Zeit damit vergeuden, in den Bergen Afghanistans nach bin Laden zu suchen, werden seine Leute bei ihnen zu Hause wieder zuschlagen." Männer wie Gul, islamische Eiferer in Pakistans Dienst Inter-Services Intelligence (ISI), hätten Amerika längst auf die Spur des Killers bringen können, den sie selbst aufgezogen haben. Aber sie verweigern sich wie die Mehrheit der pakistanischen Muslime der Zusammenarbeit und haben bin Laden längst gewarnt, auch wenn ihr Präsident General Pervez Musharraf den USA Beistand verspricht. Dem Atomwaffenstaat droht eine Zerreißprobe mit ungewissem Ausgang. Schon rufen Muslim-Führer die Massen zum "Heiligen Krieg" gegen die "Ungläubigen".

Amerikas Militärs und Politiker setzen nach langem Zögern auf andauernden Bombenkrieg in Afghanistan. Ihr Kalkül: Wenn die Befehlszentren, Flughäfen, Ausbildungslager und Versorgungsdepots erst restlos vernichtet seien, werde das Regime der Taliban zusammenbrechen, und eine amerikafreundliche neue Regierung werde die Terroristen "hinausspülen", direkt in die Armee der Häscher. Unterstützt wird diese Strategie durch Kommandounternehmen hinter den gegnerischen Linien. Die USA und Großbritannien haben dazu ihre besten "Schattenkrieger", die heimlich in Gruppen von vier bis zwölf Mann operieren, bereits nach Afghanistan eingeschleust: Special Forces Group Five und Special Air Service. Ihre erste Aufgabe war, für die Luftangriffe Ziele auszukundschaften und per Laserstrahl für die Steuercomputer der Cruise Missiles und "Smart Bombs" zu markieren.

Die nächste Mission, die Jagd auf al-Qaeda, ist ungleich schwieriger und langwieriger. Da die Nachbarstaaten Pakistan und Usbekistan bei aller öffentlich bekundeten Solidarität keine US-Offensivoperationen gegen Afghanistan von ihrem Territorium aus zulassen, brachte die Navy den Flugzeugträger "Kitty Hawk" aus Japan in die "rote Zone". Er dient als schwimmende Angriffsplattform vor der pakistanischen Küste: Statt "Tomcat"- und "Hornet"-Jets hat er Special-Forces-Gruppen und spezielle Kampf- und Transporthubschrauber an Bord. So den MH-53J "Pave Low", den Piloten mit Nachtsichtgeräten und automatischer Geländeflugsteuerung unbemerkt über Berge und durch Schluchten zum Zielobjekt steuern können, um Kommandos abzusetzen oder abzuholen. Für "Bergungseinsätze" (und mehr) stehen überdies 1000 Gebirgsjäger aus dem Bundesstaat New York seit der vergangenen Woche auf einer ehemaligen Sowjetbasis bei Taschkent bereit.

Auch wenn sich die Möglichkeiten von Kommandotrupps wie Stoff aus einem Action-Thriller anhören, bereiten die konkreten Erfahrungen mit ihnen Militärs wie Politikern eher Albträume. Präsident Bush geht hier ein hohes Risiko ein, denn bei der Terroristenhatz war, so Special-Forces-Experte Donald Snow, "der Preis bisher immer zu hoch". 1980 endete der Versuch, die amerikanischen Geiseln aus der US-Botschaft in Teheran zu befreien, in der iranischen Wüste mit selbst verschuldeten Hubschrauberexplosionen und acht Toten, was Präsident Jimmy Carter die Wiederwahl kostete. 1983 wurden Navy-Seal-Spezialtruppen bei der Invasion der Karibikinsel Grenada, auf der linke Putschisten US-Geiseln festhielten, zu weit vor der Küste abgesetzt, vier ertranken. Und 1993 liefen Army Rangers, die den somalischen Warlord Mohammed Farrah Aidid fassen wollten, in eine mörderische Falle: 18 GIs starben, 80 wurden verwundet - und die Bilder von einem somalischen Mob, der die halbnackte Leiche eines Rangers frohlockend durch den Dreck von Mogadischu schleifte, quälte die amerikanische Nation. Den Kampfgeist der Rambo-Truppe allerdings konnte das Trauma nicht dauerhaft belasten. "Jene, die sich vor solchem Einsatz fürchten", urteilt Mogadischu-Veteran General William Garrison, "werden sich als minderwertige Männer fühlen."

EINE RUSSISCHE GEHEIMSTUDIE geht von mindestens 55 Stützpunkten bin Ladens aus, der größte in der ehemaligen Armeekaserne Rishkor südlich von Kabul. Mehr als 13 000 Kämpfer folgen seinem Befehl, neben Arabern auch Uiguren, Tschetschenen und Filipinos. Sie würden, so schätzen Landeskenner, bis zum bitteren Ende kämpfen, im Gegensatz zu den auf etwa 30 000 Mann geschätzten Taliban-Truppen. Einen direkten Landkrieg in Asien, vor dem der legendäre US-General Douglas MacArthur sein Land schon vor Korea und Vietnam gewarnt hat, will das Pentagon aber nicht riskieren. Da setzt es vielmehr auf die Feinde der Taliban, - Vereinigte Front und Nord-Allianz.

Deren Kämpfer, in 22 Kriegsjahren gestählt, wollten noch in dieser Woche, gleich nach der ersten Bombenoffensive der USA, gegen Kabul und die nördliche Taliban-Hochburg Mazar-i-Sharif losschlagen. Schon wurden aus dem von den Rebellen nie preisgegebenen Pandschir-Tal etwa 4000 Mann mit Panzern und Feldartillerie an die Kabuler Front südlich des Salang-Passes verlegt, wurde bei der Provinzhauptstadt Gulbahar ein alter Hubschrauberlandeplatz wiederhergestellt, um den über Tadschikistan laufenden Nachschub an Waffen, Munition und Verpflegung zu gewährleisten. Der Nord-Allianz stehen etwa 5000 gut ausgebildete Taliban-Soldaten und fast ebenso viele Hilfstruppen gegenüber, die zwei Verteidigungsringe um Kabul mit Panzern und Geschützen gespickt haben. Doch dank amerikanischer Luftunterstützung fürchten die Rebellen den Gegner nicht mehr.

ABDULLAH ABDULLAH, Außenminister der Nord-Allianz, ist überzeugt: "Die Taliban-Herrschaft in großen Teilen Afghanistans wird in Kürze zusammenbrechen." Solche Hoffnungen auf raschen Sieg allerdings hatte auch die Nato, als sie 1999 daran ging, den jugoslawischen Diktator Slobodon Milozevi¦ mürbe zu bomben.

Weil "alle militärischen Optionen stinken", wie ein hoher Regierungsbeamter in Washington schnaubte, schlägt wohl bald wieder die Stunde der Diplomaten. Dann ist Außenminister Colin Powell wieder gefragt, der von militärischen Schlägen ohne klare politische Strategie noch nie etwas gehalten hat. Seit seiner Zeit als junger Offizier in Vietnam "widerte" ihn der US-Generalstab an, der es nicht wagte, den Politikern unangenehme Fakten vorzutragen. Er selbst stemmte sich als oberster General gegen den Golfkrieg (dessen Held er später wurde). Seine Skepsis war berechtigt: Militärisch hat der Westen zwar gewonnen, politisch nicht: Saddam tyrannisiert sein Volk noch immer.

Powell musste in seinen ersten Monaten als Außenminister so viele Nackenschläge einstecken, dass das "Time Magazine" ihn noch in der Woche vor dem 11. September als den "Odd Man Out", den Überzähligen im Kabinett, hinstellte. Weil er, wie Bill Clinton, mit Nordkorea weiterverhandeln wollte, wurde er vom Weißen Haus öffentlich bloßgestellt und musste widerrufen. Powell war auch dagegen, das Kyoto-Klimaschutzabkommen aufzukündigen, und er hatte vergebens versucht, Bush zu einer aktiveren Friedensvermittlung zwischen Israel und den Palästinensern zu drängen.

Auch jetzt steht Powell wieder auf der Bremse. Bei einer Krisensitzung in Camp David, dem Wochenendsitz des Präsidenten, geriet er sich mit seinem alten Widersacher Paul D. Wolfowitz in die Haare, mit dem er schon vor zehn Jahren über den Golfkrieg stritt. Der zweite Mann im Pentagon, ein "ungedienter" Politikprofessor, verlangte schnelle Schläge nicht nur gegen bin Laden und die Taliban, sondern auch gleich noch gegen den Irak. Furios forderte er gar, nicht nur dem Terrorismus ein Ende zu bereiten, sondern auch allen Staaten, die ihn unterstützen. Powell hielt ihm vor, damit zerbreche unweigerlich jene Anti-Terror-Koalition, die er von Berlin über Moskau bis Peking geschmiedet habe. Vor allem die arabischen Länder, passiv, solange Terrorgruppen wie Hisbollah und Hamas nur gegen Israel bomben, würden einen allgemeinen Feldzug gegen deren Förderer nie mittragen. Einige Regierungen in Nahost stehen selbst als Verdächtige am Pranger: Syrien, Libyen, Sudan, Iran.

Die Falken in der US-Regierung halten ohnehin nicht viel von dieser Koalition. "Es ist wunderschön, die Hilfe von Freunden zu haben", sagte Richard Perle, der politische Vordenker im Pentagon, "aber unsere erste Pflicht ist es, unser Land zu beschützen und nicht andere darüber abstimmen zu lassen, was wir tun sollen."

Der Riss in der Regierung Bush könnte bald schon ernste Konsequenzen haben. Was passiert, wenn das erste Kriegsziel erreicht ist, die Taliban gestürzt und bin Laden ausgeschaltet sind? In seiner Rede zu Kriegsbeginn war Präsident Bush eindeutig: "Heute konzentrieren wir uns auf Afghanistan, aber der Kampf ist umfassender. Jede Nation muss wählen. In diesem Konflikt gibt es keine neutrale Haltung. Jede Regierung, die Banditen und Killer von Unschuldigen unterstützt, macht sich selbst zu Banditen und Mördern."

WIRD DER ZORN Amerikas doch noch Staaten wie den Iran oder Nordkorea treffen, die das US-Außenministerium als "Förderer des Terrorismus" brandmarkt? Und jede Untergrundorganisation von der spanischen Eta über die ägyptische al-Gamaa al-Islamija bis zur philippinischen Abu Sayyaf - "bis diese Terrornetzwerke nicht mehr existieren", wie Verteidigungsminister Donald Rumsfeld es verlangt? Dann wäre der Auftaktfeldzug in Afghanistan nur ein Picknickausflug. Gibt es keine bessere Abwehr gegen neue Terroranschläge als ewigen Krieg? "Wir müssen sie töten, bevor sie etwas anrichten", sagt der Washingtoner Militärexperte Jeffrey Richelson. "Das ist die Lektion, die wir jetzt gelernt haben."

MITARBEIT: MARKUS BENSMANN, CLAUS LUTTERBECK

FOTOGRAFEN: GREG MESSIER / US NAVY / REUTERS , RUBEN SPRICH , CHARLIE ARCHAMBAULT / USN&WR, MIKHAIL METZEL / AP, JOCKEL FINCK / AP, SPACE IMAGING.COM/CYSAT, AMIR SHAH / AP, DPA ,AFP

Graphik: Gezielte Luftschläge gegen die Basen der Talibanmacht

Bildunterschrift: Nachtalarm im Arabischen Meer: Munitionslader rollen eine 500-Kilo-Bombe zu einer wartenden F-14 auf dem US-Flugzeugträger "Carl Vinson" / FEUERBEFEHL AM COMPUTER-MONITOR -Zwei Offiziere der US-Marine steuern aus der Feuerleitzentrale des Aegis-Zerstörers "John Paul Jones" den Abschuss eines "Tomahawk"-Marschflugkörpers. Er wird aus einem Schacht unterhalb des Decks gestartet. Mit Hilfe von Navigationssatelliten findet sie selbsttätig ihr vorbestimmtes Ziel in Kabul oder Kandahar / MIT ALTEN UND NEUEN WAFFEN GEGEN DIE TALIBAN - Aus dem Schacht eines Tarnkappenflugzeugs B-2 "Spirit" wird eine Bombe ausgeklinkt / Kämpfer der Nord-Allianz halten mit einem schweren Maschinengewehr die strategisch wichtige Zufahrt zum Salang-Pass nördlich von Kabul / Dank ihrer Nachtsichtgeräte, die alles mit grünlichem Licht erhellen, operieren US-Kommandotruppen unbemerkt bei einer Übung in North Carolina / Wolken steigen vom Deck des Flugzeugträgers "Enterprise" auf. Soeben hat das Dampfkatapult eine F-18 hochgeschleudert, deren Nachbrenner sie sekundenschnell auf Flugtempo bringt / UND WIEDER GERATEN ZIVILISTEN INS SCHUSSFELD -Aus den Trümmern eines Wohnhauses in Kabul versuchen Afghanen zu bergen, was noch zu retten ist. Das Gebäude wurde am Sonntagabend bei der ersten Angriffswelle der US-Luftwaffe völlig zerstört. Die afghanische Hauptstadt mit ihren Regierungsgebäuden und Kasernen war eines der Hauptziele der Luftschläge / DER DIPLOMAT IM HINTERGRUND -Mit ernster Miene verfolgt Colin Powell eine Ansprache von US-Präsident George W. Bush. Der Außenminister gehört zu den mäßigenden Kräften im Kriegskabinett: Er wehrte den Versuch der "Falken" ab, auch den Irak zur Zielscheibe im Terror-Krieg zu machen /

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Drehscheibe Saudi-Arabien 

Bin Laden verfügt offenbar über ein Netz von Konten im Golfstaat, doch die Regierung will davon nichts wissen

Von Evangelos Antonaros

Athen - Honig aus dem Jemen - davon schwärmt jeder Verbraucher im Nahen Osten. Für beste Qualität greifen die meisten Menschen gerne tief in Tasche. Honig wird als natürlicher hochwertiger Süßstoff benutzt, vor allem in Konditoreien. Der Konsum ist gewaltig, im Monatsdurchschnitt verbraucht jede saudi-arabische Familie 900 Gramm Honig.

Die kaum zu stillende Nachfrage weiß jemand zu nutzen, der nur beim ersten Blick solide Firmen missbraucht, um seine schmutzigen Geschäfte zu finanzieren: Zwei der wichtigsten Honigfirmen im Einzelhandel und eine Kette von Bäckereien im Jemen sollen nach Erkenntnissen der US-Fahnder Frontfirmen im internationalen Netz der Terrorgruppe Al Qaida von Osama Bin Laden sein. Der Besitzer der Al-Hamati-Bäckereien und der Al-Nur-Honigfirma, Mohammed Hamdi Sadik Al Ahdal, sitzt wegen der angeblichen Planung von Terrorakten in Saudi-Arabien im Gefängnis.

Osama Bin Laden hat sich auf Honig "spezialisiert", nicht nur weil der Handel damit ertragreich ist. Oft sollen Honigexporte für den Transport von Waffen, Sprengstoff und möglicherweise auch hohen Geldsummen missbraucht worden sein. Auch Rauschgift soll, wasserdicht verpackt, in großen Honigbehältern die Außenwelt erreicht haben. Nur selten, so amerikanische Ermittler, würden Zollbeamte - nicht nur im Nahen Osten - sich die Mühe machen, Honigexporte genau unter die Lupe zu nehmen. Ungern kommen sie mit der klebrigen Masse in Berührung.

Die Konten dieser Firmen in den USA, falls sie dort existieren sollten, wurden mit sofortiger Wirkung gesperrt. Solche Schritte sind jedoch wenig wirksam, solange die Länder, in denen diese Firmen zu Hause sind, nach Angaben eines Sprechers der US-Justizbehörde "wenig kooperativ" sind. Gemeint sind der Jemen, aber in erster Linie Saudi-Arabien. Zwar beschlossen die sechs Mitgliedsstaaten des Golfkooperationsrates (GCC), zu denen auch Saudi-Arabien gehört, am Wochenende, entsprechende Konten genauer unter die Lupe zu nehmen. Aber in Washington bleibt man skeptisch: "Vor allem das Netzwerk von vielen fragwürdigen wohltätigen Stiftungen bleibt unangetastet."

Gerade dahinter vermuten die Ermittler jedoch ein dichtes Geflecht von Frontfirmen Bin Ladens beziehungsweise seiner Sympathisanten, die in der Golfregion besonders zahlreich sein sollen. Die Ableger erreichen aber auch Europa. In Mailand, wo nach bisherigen Fahndungserkenntnissen die Al Qaida ihre europäische Operationszentrale haben soll, hat das obskure Islamische Kulturinstitut seinen Sitz. Einer der führenden Köpfe dahinter soll ein gewisser Mahmud Abu Al Fatuh Mohammed sein, der wiederum als Besitzer der im Hintergrund offenbar von Bin Laden kontrollierten Honigfirma Al Shifa firmiert. Wichtig sind solche grenzübergreifenden Geschäftsbeziehungen unter anderem deshalb, weil mit deren Empfehlung die Einreise von angeblichen Mitarbeitern nach Europa ermöglicht wird. Tatsächlich handelt es sich dabei um Angehörige von Al Qaida.

Bei zahlreichen Hilfsorganisationen und karitativen Stiftungen auch im Westen, vor allem aber im Nahen Osten und in Vorderasien - so die US-Ermittler -, handelt es sich um Firmen des Bin-Laden-Imperiums, mit denen Geldspenden gesammelt, Millionenbeträge hin- und hergeschoben und Geld gewaschen wird. Im Mittelpunkt soll die Muwafaq-Stiftung mit Hauptsitz im saudi-arabischen Djidda stehen. Die Saudi-Araber behaupten, sie sei seit Jahren "eingeschlafen". In Washington will man dagegen herausgefunden haben, dass sie zur Überweisung von Millionenspenden einflussreicher und islamistisch ausgerichteter Geschäftsleute in Saudi-Arabien an die Bin-Laden-Gruppe missbraucht wird.

Als Al-Qaida-Frontfirma wird ferner Human Concern International mit Sitz in Kanada betrachtet. Andere Stiftungen, im Hintergrund ebenfalls von den Saudi-Arabern kontrolliert und als Geldlieferanten für das Terrornetzwerk verdächtigt, haben ihren Sitz in Pakistan, eine sogar in Afghanistan. Die Gesellschaft für Islamische Kooperation hat ihren Sitz in Kandahar, wurde Anfang des Jahres von Bin Laden gegründet und wird mit saudi-arabischen Millionen finanziert. Die Rabita Trust wird von Wael Hamsa Dschalaidan kontrolliert, einem der Al-Qaida-Gründer. "Eine nach der anderen werden diese dubiosen Firmen und Stiftungen aufgedeckt", sagte ein Sprecher des US-Schatzamtes am Wochenende. "Aber solange manche Länder nicht aktiv mitwirken, kommen wir nicht weiter."

Auch diesmal war die Drehscheibe Saudi-Arabien gemeint. Dort, wo ein besonders subtiles Gleichgewicht zwischen der Herrscherfamilie und den Anhängern des Wahhabismus, einer besonders puritanischen, gegen den Westen gerichteten Auslegung des Islam, existiert, tut man so, als ob es kein Problem gäbe. "Uns liegen keine Beweise vor, dass Geldspenden, die im Islam als Pflicht jedes Einzelnen vorgesehen sind, Bin Laden erreicht haben", sagte in einem Fernsehinterview der saudi-arabische Botschafter in den USA, Prinz Bandar, dessen Vater Sultan Verteidigungsminister ist.

Keine Frage: Werden die Konten dieser Firmen und Stiftungen gesperrt, könnten manche Geldhähne zugedreht werden, vermutlich sogar ein paar wichtige. Ganz bestimmt aber nicht alle: Denn ursprüngliche Vermutungen, wonach Bin Laden ein in der islamischen Welt und in Südasien weit verbreitetes Geldüberweisungssystem benutzt habe, um den Transfer von großen und kleinen Beträgen vorzunehmen, sind nun auch von den USA bestätigt worden. Unter dem Begriff "hawala", was so viel wie Überweisung, aber auch Scheck bedeuten kann, werden Geldbeträge an herkömmlichen Banken vorbei, also von jeder Bankaufsicht unbemerkt überwiesen. Die Vorgehensweise ist denkbar einfach: Der Interessent zahlt in einer Hawala-Stelle seinen Betrag ein und gibt nur an, wohin das Geld überwiesen werden soll. Im Gegenzug bekommt er ein Kodewort oder eine Zahlenkombination, die er dem Empfänger mitzuteilen hat. Wer das richtige Kodewort hat, holt sein Geld ab, oft ohne eine Quittung unterschreiben zu müssen. Spuren werden also keine hinterlassen. So unkompliziert sollen die Selbstmordpiloten Bin Ladens zu ihrem Geld gekommen sein.

Bin Laden ist clever genug gewesen, sein Firmenimperium, wozu auch eine Hühnerzucht und eine Baufirma im Sudan zählen, dezentral geleitet zu haben. Mindestens vier voneinander unabhängig operierende Abteilungen sollen die Finanzen gemanagt und beaufsichtigt haben.

Die im Westen gesperrten Konten - etwa bei der Londoner Barclays Bank oder bei der Wiener Girocredit - machen nur einen kleinen Bruchteil des tatsächlich von Bin Laden und Al Qaida gemanagten Vermögens aus. Die niederländische ABN Amro Bank ist mit 40 Prozent an der Aaudi Hollandi Bank in Djidda beteiligt, die eine enge Geschäftsbeziehung zur sudanesischen Al Shamal Islamic Bank unterhält. Die soll wiederum von Bin Laden gegründet worden sein, als Finanzvehikel in dem Land, wo er bis 1996 gelebt hat. Den Sudan mag Bin Laden seit über fünf Jahren verlassen haben, seine Geschäftsaktivitäten dort hat er aber nie aufgegeben. Ein US-Ermittler: "Als Knotenpunkt ist der Sudan vermutlich neben dem Jemen das wichtigste Standbein Bin Ladens."

Der Schrecken von Oruzgan

Studien zu den Hintergründen von Usama bin Ladin

Nach den Terrorangriffen gegen Amerika zeichnet sich eine Flut von Literatur über die Hintergründe des weitverzweigten Terrorgeschäftsnetzes des Drahtziehers Usama bin Ladin ab. Eine französische Studie kommt zum Fazit, dass dem Islamfanatiker jemenitischen Ursprungs der Zusammenschluss einer islamistischen Terrorbruderschaft gelungen sei und er einen Krieg gegen die westliche Zivilisation führen wolle.

Ch. M. Vor bald einem Jahrtausend sandte Hasan bin Sabbah, Gründer und Oberhaupt der ismaelitischen Sekte der Assassinen, von seiner Bergfeste Alamut in Persien die Haschischi bis in ferne Gegenden zur Verübung politischer Mordtaten und ging als der schreckengebietende «Alte vom Berge» in die Legende ein. Usama bin Ladin ist daran, mit einem weltweit verzweigten Geflecht von Terroristengruppen die ihm verhasste westliche Zivilisation mit Tod und Verwüstung zu überziehen. In Afghanistan, das kaum jemals ein Staat im modernen Sinne war und heute nur noch eine geographische Bezeichnung darstellt, hat er sich seit längerem mehrere Verstecke eingerichtet.

Gut abgesicherter Zufluchtsort

Eines liegt etwa drei Autostunden nördlich von Jalalabad im weiteren Grenzraum zu Pakistan. Obwohl er sich dort öfters für längere Zeit mit starker arabischer Leibwache und viel Gefolge aufhielt und zuweilen auch an der Ostgrenze Unterschlupf in der Nähe von Khost gesucht hatte, dessen Guerilla-Ausbildungslager vor drei Jahren von den Amerikanern mit Cruise Missiles unter Feuer genommen wurden, wird nun sein Zufluchtsort im Süden des Landes nördlich von Kandahar in den Gebirgszügen von Oruzgan vermutet. In seiner Alamut-Kopie in den Parapamizad-Bergen, wohin er sich im vergangenen Herbst aus seinem damaligen Quartier beim Flughafen Kandahar zurückgezogen hatte, soll er von über zweitausend arabischen «Afghanen» umringt sein und zudem über ein reich dotiertes Fliegerabwehrdispositiv mit Schnellfeuergeschützen und Stinger-Missilen verfügen.

Wer ist dieser wahabitische Islamfanatiker, der sich wie der Rächer der Weltgeschichte aufführt und islamistische Selbstmordattentäter zu einer Reihe von Untaten verleitet hat, von denen die jüngsten Terrorangriffe die Weltmacht Amerika nun zum unerbittlichen Kampf gegen den Terrorismus herausgefordert hat? Eine Welle von Publikationen zur Erläuterung der Hintergründe dieser bisher endlosen Schreckensgeschichte ist im Anzug. «New Jackals» oder «Usama bin Laden's al-Qaida» heissen einige der ersten bereits erschienenen Titel. In Frankreich hat nun vor kurzem Roland Jacquard, der als Präsident des «Internationalen Observatoriums des Terrorismus» in Paris auftritt, ein schon vor den Terrorangriffen in Amerika abgeschlossenes Buchveröffentlicht, das zum Verständnis der Hintergründe des 11. September beitragen soll. 1 Das Werk ist mit unzähligen nicht weiter belegten Informationen von unterschiedlicher Zuverlässigkeit gespickt. Der Autor ist bekannt als ein teilweise aus französischen Geheimdienstquellen schöpfender, auf die Sachgebiete Spionage und Terrorismus spezialisierter Publizist. Bei seinem jüngstenBuch handelt es sich vor allem um einen verlegerischen Coup.

Aus dem überreichen Mosaik von Indizien und Informationen lässt sich nur schwer ein Gesamtbild gewinnen. Usama bin Ladin sei es gelungen,so lautet immerhin das Fazit, sämtliche islamistischen Bewegungen in einer über alle Grenzenhinweg operierenden Bruderschaft zusammenzuschliessen. Während die Vereinigten Staatenschon seit einiger Zeit eifrig Beweismaterial sammelten, um ihn auszuschalten, sei er in eine Sackgasse geraten, in der es ihn zu einem Krieg bis aufs Äusserste dränge, wozu er möglicherweise auch über die nötigen Mittel verfüge. Jacquard verweist als einzigen Ausweg für Amerika auf die Notwendigkeit der Entsendung eines Spezialtruppen-Kommandos mit dem Auftrag, sich des «Feindes Nr. 1» zu bemächtigen, da man sich eine Auslieferung bin Ladins durch Kabul nicht vorstellen könne.

Jemenitischer Hoflieferantenspross

Zur Herkunft und zum familiärem Umfeld Usama bin Ladins erbringt diese französische Darstellung nichts Neues. Auffällig ist auch hier, wie wenig Gewicht auf die jemenitische Abstammung gelegt wird. Der Vater zog einst im selbenJahr 1932, da der erste Saudi-Herrscher, Abdelaziz, in Riad sein Königtum proklamierte, aus Hadramaut nach Norden und wurde bald zum privilegierten Lieferanten und dann ab den fünfziger Jahren zum grössten Bauunternehmer der Dynastie. 1957 wurde Usama in Jidda geboren, als eines der mehr als fünfzig Kinder des Familienpatriarchen, dessen Harem beträchtlichen Umfang aufwies. Während der Vater dank den Bauaufträgen immensen Reichtum anhäufte und enge Beziehungen zum Hause Saud knüpfte, verbrachte der Sohn offenbar eine überaus verwöhnte Kindheit und Jugend. Als besondersstrenggläubiger Wahabit tat er sich dabei keineswegs hervor. Eine Reihe von Berichten bezeugen, dass er noch während seiner Studien als junger Mann sich beispielsweise, wie damals viele Sprösslinge von Ölarabien, in der Lasterhöhle Beirut tummelte, bevor diese sich dann in ein kriegerisches Sündeninferno verwandelte.

Usama bin Ladin sei eine von der CIA geschaffene Kreatur, die sich zum Monstrum entwickelt und gegen ihre Erfinder gerichtet habe, lautete eine nach der Apokalypse am World Trade Center um sich greifende Behauptung. Jacquard übernimmt sie nicht. In Wahrheit wurde der 23-jährige Millionenerbe, dessen Vater 1972 gestorben war und mit der Saudi bin Ladin Group seiner Nachkommenschaft ein Riesenvermögen hinterlassen hatte, im Jahre 1980 durch den PrinzenTurki bin Faisal, den langjährigen saudischen Geheimdienstchef, nach der Sowjetinvasion Afghanistans unter Mithilfe durch Hamid Gul, den führenden Kopf und späteren Chef des pakistanischen Armeegeheimdienstes ISI (Inter-Service-Intelligence), auf das Schachbrett der internationalen Politik gesetzt. Prinz Turki ist nun überraschend Ende August dieses Jahres aus seinem Amt geschieden, und Hamid Gul, prominenter Mitspieler der Taliban und graue Eminenz von deren Anführer Mohammed Omar, meldete sich nach dem 11. September mit wilden Ausfällen gegen Amerika im Stil der Islamistenpropaganda zu Wort.

Schachbrettfigur im «Great Game»

Bis 1984 hielt sich die geheime amerikanische Hilfe an die Mujahedin-Guerilla in Afghanistan in engen Grenzen von jährlich etwa 60 Millionen Dollar. Saudiarabien verpflichtete sich zur Unterstützung in jeweils gleicher Höhe. Der damalige pakistanische Staatschef Zia ul-Haq bestand aus Furcht vor sowjetischen Repressalien auf einer Begrenzung der Hilfe und verlangte zudem, dass alles über den pakistanischen Geheimdienst abgewickelt werden müsse, der dann die fundamentalistische Hezb-e Islami von Gulbuddin Hekmatyar bevorzugte. Teile des pakistanischen Offizierskorps steckten bei diesem Kurs mit der pakistanischen Partei Jamiat Islami unter einer Decke. Bin Ladin finanzierte und rekrutierte, zunehmend auch Freiwillige aus arabischen Staaten, unter der Ägide des ISI.

Erst ab 1984 wurde, auch unter dem Druck des Kongresses in Washington, die amerikanische Hilfe und mit ihr automatisch diejenige Saudiarabiens massiv auf 350 Millionen Dollar erhöht. Eine weitere, qualitative Steigerung zugunsten der Mujahedin brachte die Anfang 1986 einsetzende Lieferung von Stinger-Flabmissilen. Auch hier bestimmten indes Hamid Gul und der ISI die Empfänger, und es bedurfte erst einer Intervention des späteren CIA-Chefs Gates, damit schliesslich auch Masuds Anhänger in Panjshir einige dieser Waffen erhielten. Gates berichtet in seinen Memoiren «From the Shadows», dass Mitte der achtziger Jahre den Amerikanern das Auftauchen der arabischen Freischärlertruppe in Afghanistan aufgefallen sei. Die Aufgabe habe indes gelautet, die Sowjets aus Afghanistan herauszudrängen, und obgleich man sich schon damals das Land nach einem Sowjetabzug in einem schlimmen Zustand habe vorstellen können, sei niemals der Gedanke aufgekommen, dass Afghanistan ein Zufluchtsort für weltweit operierende Terroristen werden könnte.

Emanzipation im Zorn

Nach dem Rückzug der Sowjets 1989 büsste der Afghanistankonflikt seine weltpolitische Dimension ein. Während die Pakistaner ihre altenHerrschaftspläne am Hindukusch zwecks Gewinnung strategischer Tiefe im Dauerkonflikt mit Indien nach dem Sturz des kommunistischen Regimes Najibullah in Kabul und bei der Selbstzerfleischung der Mujahedin-Rivalengruppenweiterverfolgten, hatte sich eine Rolle für den arabischen Läufer bin Ladin auf dem Schachbrett des «Great Game» bereits erübrigt. 1990, als kein amerikanisches oder saudisches Geld mehr floss und der dann erst zwei Jahre später gestürzte Najibullah deshalb noch immer in Kabul im Sattel sass, war der Glaubenskrieger bin Ladin offenbar schon voller Enttäuschung, Zorn und Rachegefühle bezüglich Amerikas. Nach Saudiarabienzurückgekehrt, protestierte er gegen die «Entweihung» heiligen islamischen Bodens durch die gegen Saddam Husseins Kuwait-Annexion zu Hilfe gerufene amerikanische Golfkriegsstreitmacht.

Von nun an wurde der Wahabit jemenitischer Abstammung ein zunehmend rabiater Gegner der saudischen Dynastie, der er Verrat am Glauben und frevlerische Unterwürfigkeit gegenüber Amerika vorwarf. Die saudische Monarchie scheintnoch lange darauf gehofft zu haben, den Abtrünnigen wie schon früher radikale arabische Bewegungen, an ihrer Spitze die PLO, durch eine Artvon Schutzgeldzahlung und sonstige Gesten kaufen und damit neutralisieren zu können. Jedenfalls traf sich Prinz Turki im vergangenen Jahrzehnt noch öfters mit Usama bin Ladin, als dieser bereits an der afghanischen Ostgrenze eine eigene arabische Guerillabasis oder al-Kaida errichtet und sich dann 1992 für vier Jahre im Sudan unter dem Schutzschirm des dortigen Regimechefs Hassan al-Turabi niedergelassen hatte.

Internationale islamistischen Terrors

Wie eine Spinne wob bin Ladin von Omdurman aus in den folgenden Jahren an einem Geschäfts- und politischen Beziehungsnetz, das mit viel Geld die islamistische Frustration über die moderne Welt in einen beispiellosen Explosivstoff verwandelte. 1994 ging er seiner saudiarabischen Staatsangehörigkeit verlustig. Seine Guthaben wurden von den Saudi beschlagnahmt, und selbst der Familienclan verstiess offiziell das schwarze Schaf. Sein Anteil von 300 Millionen Dollar aus dem konservativ auf 5 Milliarden Dollar geschätzten Ladin-Vermögen war ihm indeslängst überwiesen worden. Umfangreiche Schutzgelder aus Saudiarabien und der gesamten Golfregion sollen ihm weiter zugeflossen sein. Das erste Attentat auf das World Trade Center von 1993 sowie die Anschläge in Riad und dann vor allem auf eine amerikanische Unterkunft in Dhahran hinterliessen auf bin Ladins islamistische Terrorinternationale zurückführende Gewaltspuren immer dramatischeren Ausmasses.

Spätestens im Jahre 1996 wurde selbst dem sudanesischen Regime der steinreiche islamistische Sensenmann unheimlich. Ganz anders als der internationale Linksterrorist Carlos, der zwei Jahre zuvor im Sudan dem Zugriff der Franzosen überlassen wurde, musste sich bin Ladin zwar nicht um die eigene Finanzierung Sorgen machen, sondern konnte sich im Gegenteil stets seine Gastgeber kaufen und dabei die bisher hauptsächlich in Spionageromanen bekannte Spezies desTerroristenmilliardärs verkörpern. Doch schliesslich musste bin Ladin wegen wachsender Bedrängnis vom Sudan wieder nach Afghanistan ausweichen.

Am Hindukusch hatte sich der Kriegs- und Geschäftsherr der al-Kaida bereits wieder fest eingenistet, als die von Pakistan manipulierten Taliban- Rebellen ihren von Kandahar 1994 begonnenen Eroberungszug zwei Jahre später mit dem Einmarsch in Kabul krönten. Über die engen Beziehungen bin Ladins zum Taliban-Oberhaupt Omarsind wie in vielen anderen Bereichen seines Terrorgeschäftes nur Bruchstücke bekannt. Nachdem 11. September empfiehlt sich dazu die Lektüre von Michael Griffins «Reaping the Whirlwind», 2 da Jacquards Buch zwar fast sämtlichen Verästelungen bis nach Bosnien, Albanien, Tschetschenien und den Philippinen nachzuspürensucht, bezüglich des afghanischen Manövrierfeldes bin Ladins jedoch zu wenige Aufschlüsse liefert. Immerhin wird gebührend an die Rolle desDrogenhandels und dabei an die Tatsache erinnert, dass drei Viertel der Weltproduktion von Opium jetzt aus dem Anbaugebiet am Helmand in Afghanistan stammen, worüber der Kaida-Chef von Kandahar und Oruzgan aus wachen kann.

Drahtzieher hinter dem Taliban-Schild

Als am 7. August 1998 der erste synchronisierte Terror-Doppelschlag mit den Attentaten in Kenya und Tansania verübt wurde, hielt sich bin Ladin bei Khost auf. Noch drei Stunden vor Clintons Vergeltungsschlag mit Cruise Missiles am 20. August soll sein Satellitentelefon im Lager Zhawar Kili al-Badr geortet und ein Gespräch mit einem pakistanischen Journalisten abgehört worden sein. Doch Usama befand sich dann nicht unter den Opfern des Raketenangriffs. Danach verlegte er seinen Sitz nach Kandahar in die unmittelbare Nähe Omars, mit dem ihn neben denengen geschäftlichen und ideologischen nun zusätzlich auch familiäre Beziehungen verbinden.

Usama bin Ladin und seine arabische Islamitenlegion wurden mittlerweile zu einem starken,eigenständigen Machtfaktor in Afghanistan. Zunehmend erhoben sich Zweifel, wieweit das Taliban-Regime ihn überhaupt noch unter Kontrolle halten könne. Hält sich der über alle modernen Kommunikationsmittel, eine eigene Truppe und viel Geld verfügende Kaida-Chef nicht eher die Taliban als pseudostaatlichen Schutzschild, hinter welchem er bisher ungeschoren weltweite Terroraktionen zu inspirieren und teilweise sogar zu dirigieren vermochte? Kurz nach dem Anschlag auf den amerikanischen Zerstörer «Cole» vom 12. Oktober letzten Jahres in Aden zog er sich offenbar in Erwartung eines weiteren Gegenschlages in seine Festung in Oruzgan zurück. Ein Jahrspäter droht ihm nach den beispiellosen Terrorangriffen gegen Amerika und angesichts vieler Anzeichen für weitere, vielleicht noch schlimmere Aktionen ein Straffeldzug bis zur Ausschaltung seines ganzen teuflischen Schreckensnetzes.

1  Roland Jacquard: Au nom d'Oussama ben Laden... Dossier secret sur le terroriste le plus recherché du monde. Jean Picollec, Paris 2001.

2  Michael Griffin: Reaping the Whirlwind. The Taliban Mouvement in Afghanistan. Pluto Press, London 2001.

Neue Zürcher Zeitung, 2. Oktober 2001

 

Begegnung mit Usama bin Ladin

Erinnerungen eines britischen Fernsehjournalisten an ein Gespräch in Afghanistan

Der britische Fernsehjournalist Gwynne Roberts hat im Zusammenhang mit einem Filmprojekt über die politische Opposition in Saudiarabien im November 1996 den Terroristenführer Usama bin Ladin - er stammt aus einer reichen saudischen Familie - unter konspirativen Umständen in Afghanistan zu einem längeren Gespräch getroffen. Nach den Terrorangriffen von New York und Washington hat er seine Erinnerung an diese Begegnung und die Umstände ihres Zustandekommens aufgezeichnet.

Von Gwynne Roberts

Spät nachts erreichte der Bote bin Ladins mich im Hotel am Stadtrand von Jalalabad im Osten Afghanistans - das war im November 1996. Es herrschte Ausgangssperre, kein Auto durfte auf der Strasse sein, ausser Patrouillen der Taliban. Die radikal-islamische Taliban-Bewegung hatte erst sechs Wochen zuvor Kabul eingenommen und hatte das Land noch lange nicht ganz im Griff. Da riskierte jeder, der nach Einbruch der Dunkelheit in den Strassen erwischt wurde, verhaftet oder erschossen zu werden.

Kassems Verbindungen

«Es ist Zeit, zu gehen», sagte mein Besucher. «Man erwartet Sie.» Mein Herzschlag stockte. Ein volles Jahr hatte ich gebraucht, um an diesen Punkt zu gelangen, und jetzt wusste ich nicht, ob ich das letzte Risiko auf mich nehmen wollte. Ich machte für das britische Fernsehen einen Film über die islamische Opposition in Saudiarabien, war quer durch die Golfregion gereist und hatte schattenhafte Angehörige dieser Jihad-Untergrundbewegung getroffen. Schon bald wurde mir sehr klar, dass Usama bin Ladin als ihr oberster Führer der Mann war, mit dem ich sprechen musste.

Kassem (nicht sein richtiger Name) hatte ich in jenem Sommer in London kennengelernt, nachdem ich vergeblich versucht hatte, eine Verbindung zu bin Ladin zu knüpfen. Als früheres Mitglied der radikal-islamischen Muslim-Bruderschaft wusste er sehr viel über bin Ladin und seine Bewegung, über die er, wie er sagte, ein Buch schrieb.

«Sie müssen die Ideologie verstehen», erklärte er mir. «Rund 15 000 Saudis gingen in den achtziger Jahren nach Afghanistan, um einen heiligen Krieg gegen die Russen zu führen. Wenn jeder von denen fünf Brüder hat, dann kommen Sie auf 75 000, die gar nicht in Afghanistan gewesen sind, aber ebenso denken wie ihre Brüder. Und alle stehen hinter bin Ladin. Bin Ladin selbst kommt aus einer sehr bedeutenden saudischen Familie. Sein ältester Bruder ist ein persönlicher Freund von König Fahd. Die Familie besitzt ein riesiges Bauunternehmen, das an den drei wichtigsten Moscheen der Welt - in Jerusalem, Mekka und Medina - gearbeitet hat. Sie sind sehr reich. Aber die Regierung hat seine Familie gezwungen, die kommerziellen und finanziellen Verbindungen zu ihm zu kappen. Bin Ladin entstammt einer Generation, die von einer durch den Islam vereinten arabischen Nation träumt.»

In drohendem Ton sprach Kassem von einem nahenden Krieg, «der jedermann erfassen wird». Wenn die Amerikaner sich nicht aus Saudiarabien zurückziehen, warnte Kassem, dann würde es innerhalb von zehn Jahren zu einem Massenkonflikt zwischen dem Westen und den Muslimen kommen - «Krieg in Nordafrika, Afghanistan, Saudiarabien, Bosnien, Tschetschenien und China».

Mir war durchaus bewusst, dass die Situation in Saudiarabien viel ernster war, als man dies allgemein im Westen realisiert. Bei meinen Besuchen in Qatar und Kuwait in jenem Jahr 1996 gaben mir die fundamentalistischen Anhänger bin Ladins Videobänder, die sie aus Saudiarabien herausgeschmuggelt hatten. Sie zeigten deutlich, wie verletzbar die Amerikaner waren, die dort arbeiteten. In geheimen Treffen übergaben sie mir Filmmaterial, das sichtbar macht, wie sie in abgeschlossene amerikanische Wohnsiedlungen eingedrungen waren und dort Kinder gefilmt hatten, die mit ihren Müttern auf Schaukeln spielten. Es waren auch Aufnahmen von Autobussen voller Kinder auf dem Schulweg dabei sowie Videos mit amerikanischen Soldaten auf der Fahrt auf saudischen Nationalstrassen. Die Botschaft war unheimlich und klar: Niemand aus dem Westen, schon gar kein Amerikaner, dürfe sich heute in Saudiarabien sicher fühlen.

Gegen die US-Präsenz in Saudiarabien

Die Bewegung bin Ladins war stärker geworden seit dem Golfkrieg 1991, als amerikanische Streitkräfte nach Saudiarabien kamen, ins heilige Land des Islams, und trotz zunehmender Feindseligkeit religiöser Eiferer auch dort blieben. Meine Nachforschungen hatten ergeben, dass auch die Opposition gegen die saudische Königsfamilie wegen deren Unterstützung für Amerika wuchs und dass bin Ladin rasch zum Brennpunkt für nationale Dissidenten wurde. Zudem breitete sich sein Ruf schnell über den ganzen Nahen und Mittleren Osten aus, als unversöhnlicher Gegner der Amerikaner und der Israeli.

Erdöl war eindeutig ein Schlüsselthema in bin Ladens heiligem Krieg gegen den Westen. «Ich kann Ihnen versichern, dass der Sieg der islamistischen Aktivisten in Saudiarabien nahe bevorsteht», beteuerte Kassem. «Der Westen wird allesverlieren, wenn er weiterhin die königliche Familie stützt. Natürlich werden wir das Öl nicht trinken, und wir werden auch nicht damit kochen. Wir werden es schliesslich verkaufen müssen. Aber wir werden dann in einer besseren Position sein, unsere Kunden auszusuchen.»

Kassem und ich trafen uns Ende November 1996 in Jalalabad. Wir waren mehrere Tage lang zusammen, dann verschwand er, und ich war gezwungen, mich allein auf die Suche nach bin Ladin zu begeben. Drei Wochen lang tourte ich durch Afghanistan, dann kehrte ich unverrichteter Dinge in das Hotel in Jalalabad zurück, wo ich Kassem zuletzt gesehen hatte, und wartete auf sein Wiedererscheinen. Als ich mich bereit machte, Afghanistan zu verlassen und den Heimweg anzutreten, tauchte er plötzlich aus demDunkel auf und sagte, bin Ladin habe endlich zugestimmt, mich zu sehen, aber wir müssten sofort abfahren.

Auf den Strassen ausserhalb des Hotels war es stockdunkel, und nichts regte sich. Kassem verhüllte sich mit einem Überwurf, während wir das staubige Pflaster entlang eilten. «Wo ist Ihr Wagen?» fragte ich. «Meine Freunde sind hinter uns und achten darauf, dass uns niemand folgt», antwortete er. Sekunden später überfluteten Scheinwerfer plötzlich das Pflaster, und ein Toyota Landcruiser brauste von hinten heran. Die Tür sprang auf, und ich wurde hineingezogen. Kassem kletterte mir nach. In dem Fahrzeug sassen fünf arabische Mujahedin in Kampfuniform und mit Maschinenpistolen. Mir wurde mulmig. Jetzt gab es kein Zurück mehr.

Zwei Stunden lang fuhren wir schweigend auf einer Wagenspur den Bergen östlich von Jalalabad entgegen und passierten unterwegs mehrere Kontrollposten der Taliban. Wir wurden herzlich gegrüsst und durchgewinkt. Dann bremste der Fahrer unvermittelt, und der Landcruiser hielt mitten im Nirgendwo. Im Mondschein stiegen meine Reisegefährten aus, knieten nieder und begannen zu beten.

Guter und schlechter Terror

Etwa eine halbe Stunde später gelangten wir schliesslich in ein temporäres Basislager. Talibanische Tanks waren rund um das Camp aufgereiht, und gegen 50 arabische Kämpfer standenWache. Meine Ausrüstung wurde mir weggenommen und elektronisch überprüft, ich selber durchsucht. Dann brachte man mich in ein Zelt, und da stand ich dem meistgesuchten Mann der Welt von Angesicht zu Angesicht gegenüber - Usama bin Ladin persönlich.

An jenem Abend verbrachten wir drei Stunden miteinander und teilten ein Abendessen aus kalten Chips und Hähnchen. Bin Ladin sprach sanft,fast scheu, und wirkte überraschend uncharismatisch. Seine Finger waren lang und fein, seine Augen klar und der Blick direkt. So immens reich er ist, Geld war offensichtlich nicht seine Triebfeder. Er lebte mit seinen vier Frauen und fünfzehn Kindern sehr bescheiden in Afghanistan. Sein persönliches Vermögen war dem Einsatz für seine Sache geweiht: die Amerikaner aus Saudiarabien zu vertreiben und die Überlegenheit des Islams über die kulturellen Werte des Westens durchzusetzen.

Unter seinen Anhängern hatte er - obwohl kein geistlicher Führer - bereits den Status des Ayatollah Khomeiny von Iran erreicht. Sein Ansehen alsKrieger wurde durch Geschichten über persönliche Tapferkeit im Kampf gegen die Sowjets inAfghanistan in den achtziger Jahren noch gehoben. Bin Ladin war klar überzeugt, dass Terror eine gerechtfertigte Waffe und Amerika und Israel die Hauptfeinde seien. «Terror kann etwas Gutes und etwas Schlechtes sein», belehrte er mich. «Unschuldige Menschen ohne Rechtfertigung in Schrecken zu versetzen, ist etwas Schlechtes und sollte nicht vorkommen. Doch Unterdrücker, Verbrecher und Diebe zu terrorisieren und zu erschrecken, ist etwas Gutes . . . daher ist der Terrorismus, den wir ausüben, etwas Gutes. Ich bekräftige, dass alle Jungen und die ganze Nation ihreAnstrengungen auf die Amerikaner und die Zionisten konzentrieren sollten, weil sie die Speerspitze sind, die auf das Herz unserer Nation gerichtet ist», sagte er.

«Wenn also jemand einen amerikanischen Soldaten töten kann, ist das besser, als seine Energie auf etwas anderes zu verschwenden. Der Prophet hat gesagt, das Volk der Halbinsel sei dazu verpflichtet, die Ungläubigen aus ihrem Land zu vertreiben, wenn sie aus der Fremde kommen und mit ihren Männern und Waffen in grosser Zahl und einer Macht, welche die der Einheimischen übertrifft. Man wird die Amerikaner so behandeln, wie man von ihnen behandelt wird. Man wird die Amerikaner nicht nur militärisch treffen, sondern auch die Ausweisung amerikanischer Zivilisten verlangen.» Er warnte, auch die europäischen Länder würden der Vergeltung nicht entkommen, sollten sie die Vereinigten Staaten weiterhin unterstützen.

Seine kalten, von Hass durchdrungenen Worte erfüllten mich mit Angst vor der Zukunft. Nach dem 11. September erscheint bin Ladins damalige Warnung vor einer bevorstehenden Apokalypse beinahe prophetisch. Die sorgfältige Manipulation seines Bildes via die Medien hat ihm unterseinen Anhängern einen fast göttlichen Status verliehen.

Und es besteht kein Zweifel, dass, sollte er je in Saudiarabien an die Macht kommen, der Westen es mit einem äusserst gefährlichen Feind zu tun hätte. Doch bin Ladins Bewegung läuft in ihrem Bemühen, die breiten Massen zu gewinnen und so die «islamische Nation» zu vereinen, grösste Gefahr, durch wahllosen Terror die muslimische öffentliche Meinung gegen sich aufzubringen. Das ist bin Ladins Achillesferse, die der Westen ausnützen muss, um gegenüber diesem Fanatiker und den von ihm mobilisierten Kräften den Spiess umzudrehen.

Neue Zürcher Zeitung, 12. Oktober 2001

Ausbildung für Islamisten in Afghanistan

Die territoriale Grösse als Trumpfkarte bin Ladins

Usama bin Ladin als Stratege und die Taliban als dessen Schutzmacht in Afghanistan gehören zu den Hauptverdächtigen der Terroranschläge vom Dienstag in New York und Washington. Was hat die Koranschüler dazu gebracht, einen Mann zum Ehrengast zu erklären, der ihnen internationale Ächtung gebracht hat?

By. Delhi, 13. September

«Wenn die USA einen einzelnen Menschen ins Visier nehmen wollen, werden sie ihn nicht finden», hat der Sprecher der Taliban am Mittwoch in Anspielung auf ihren prominenten Staatsgast Usama bin Ladin gesagt. Er nannte damit die wichtigste Trumpfkarte, die der mutmassliche Terrorist Usama bin Ladin in der Hand hat: Ihm steht ein Territorium zur Verfügung, das anderthalb Mal so gross ist wie Deutschland und das zu über 90 Prozent von Männern beherrscht wird, die mit bin Ladin die religiöse Ideologie, die weltpolitische Haltung und - zumindest bis heute - die militärische Strategie teilen. Wie schwierig es ist, in einem solchen Land einen Mann und dessen engste Gefährten dingfest zu machen, zeigten die Raketenangriffe der USA 1998 gegen bin Ladins Ausbildungslager. Sie verfehlten zwar ihr Ziel nicht, doch bin Ladin hatte sich bereits aus dem Staub gemacht. Seitdem hat ihn auch ein Kopfgeld von fünf Millionen Dollar nicht zur Strecke gebracht.

Identitätsstiftende Religion

Warum nehmen die Taliban internationale Ächtung und Marschflugkörper in Kauf, nur um einen einzigen Mann zu schützen, der unter dem dringenden Verdacht steht, hinter den Attentaten auf die beiden amerikanischen Botschaften in Kenya und Tansania im August 1998 zu stehen? Die Antwort liegt im Namen, den sich die jungen Afghanen aus den Flüchtlingslagern in Pakistan gaben, als sie sich 1994 in Lastwagen und Kleinbussen nach Afghanistan aufmachten. «Taliban» war auch Programm: Die «Koranschüler» der Medresen im Nachbarland waren aufgebrochen, um in ihrer Heimat einen Gottesstaat zu errichten. Die Vätergeneration der Mujahedin hatte Afghanistan von den gottlosen Sowjets befreit. Doch als sie sich an die Verteilung der Kriegsbeute machten, besudelten sie es mit ihren Machtkämpfen und ihrer Geldgier. In den 2 Jahren der Faktionskämpfe erlitt die Hauptstadt Kabul mehr Zerstörungen als in den 13 Jahren Krieg mit den Sowjets. Das Ein-Punkt-Programm der Taliban - die Einführung eines islamischen «Emirats» -, ihre Selbstgenügsamkeit und ihr Opferwille machten sie sofort populär. Des Kriegs und der Händel müde, lief das Volk zu ihnen über, und bereits 1996 waren sie die Herren in Kabul.

Doch der Islam, den die Taliban einführten, hatte wenig gemein mit der toleranten Interpretation, die für die afghanischen Könige charakteristisch war. Es war eine finstere und strenge Auslegung der heiligen Schriften und der Traditionen. In ihr schwang die bittere Erfahrung von Krieg, Gewalt und Flüchtlingselend mit, in welcher der fromme Muslim als Mensch erscheint, der sich von allen Seiten gefährdet und angegriffen sieht. Er kann sich vor der Versuchung des Bösen - sei es in Form von existenzieller Gefährdung, von lockerer Moral oder materiellen Verlockungen - nur schützen, indem er diese Übel mit dem Feuer bekämpft. Moralische Versuchung wird gebannt, indem man die Frauen von der Bildfläche verschwinden lässt, und der Gefahr von aussen, in Form von materiellen Gütern oder militärischer Unterjochung, wird der «heilige Krieg» erklärt. Von Geburt an durch den Krieg geprägt, die Familien auseinander gerissen und in Flüchtlingslagern gross geworden, finden die Taliban im Islam jene identitätsstiftende Gewissheit, die ihnen das Leben verweigert hat.

Jihad gegen den Imperialismus

Während viele ähnliche Gruppen in der islamischen Welt durch ihre Regierungen und Eliten zurückgebunden und in den Untergrund gedrängt werden, nennen die afghanischen Taliban ein staatliches Territorium von 600 000 Quadratkilometern ihr Eigen. In ihm können sie nicht nur ihre Version des Islams in die Tat umsetzen, sie können auch ideologisch verwandten Organisationen Unterkunft, Unterstützung und Ausbildung geben, ohne dass diese durch einen repressiven Staat ständig in die Illegalität gedrängt werden. Regierungsvertreter in Kabul machen zwar gelegentlich geltend, dass der Taliban-Staat die Souveränität anderer Länder respektiere. Doch im Konflikt zwischen dem klassischen Staat und der religiös definierten Gemeinschaft aller Gläubigen hat die «Uma» immer Vorrang. Die Taliban scheuen sich daher nicht, die Fahne des Islams nach aussen zu tragen, sei es nach Kaschmir oder Tschetschenien oder durch Unterstützung militanter Gruppen in islamischen Staaten.

Usama bin Ladin war wohl der Erste gewesen, der den Vorteil erkannte, den ein Territorium als Basis für den Kampf gegen den Feind bot. Sein Weg führte ihn von der Vermittlung nichtafghanischer Freiwilliger für den Krieg gegen die sowjetischen Besetzer bis zur Ausbildung und Bewaffnung dieser Religionssöldner. Nach der «Befreiung» Afghanistans durch die Taliban war die Einrichtung von Ausbildungslagern im Land selber der logische nächste Schritt. Gleichzeitig änderte sich die Zielsetzung. Es ging nicht mehr um die Befreiung eines nationalen Territoriums wie im Fall des Kriegs gegen die sowjetische Besetzung, sondern um den «heiligen Krieg» gegen die säkularen Feinde des Islams - den Imperialismus und den Zionismus.

Der Golfkrieg von 1991 war für viele Islamisten, unter ihnen auch Usama bin Ladin, der Augenblick der Wahrheit gewesen: Die USA und deren Erfüllungsgehilfe Israel sind die grössten Feinde des Islams. Nur ein Jahr nach der Machtübernahme der Taliban gründete bin Ladin in Afghanistan die «Internationale Front für den Jihad gegen die USA und Israel», einen Zusammenschluss von Gruppen aus Ägypten, dem Sudan, aus Palästina und Pakistan. In ihrem Manifest wurden erstmals nicht nur die beiden Länder USA und Israel sowie deren Institutionen, sondern auch deren Bürger zu legitimen Zielscheiben von Kriegshandlungen erklärt.

Die Stärke dieser Gruppe liegt nicht nur darin, dass bin Ladin unabhängig ist von arabischen Geldgebern und dass er aus den Jahren seiner Rekrutierungstätigkeit für die Mujahedin ein globales Beziehungsnetz hat. Er verfügt zudem über einen Trumpf, den keine andere islamistische Organisation besitzt - die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit den Geheimdiensten der USA, Pakistans und Saudiarabiens während des afghanischen Befreiungskriegs. Sie gaben ihm Einsicht in westliches Denken, in die technische Logistik und die militärische Organisation von Abwehrdiensten. Mit der Eroberung Afghanistans boten ihm die Taliban mit ihrem Schutz schliesslich das noch fehlende Element, um dem in seinen Augen mächtigen Feind des Islams den Krieg erklären zu können.

Die Drohungen von Präsident Bush und Aussenminister Powell nach den Terrorangriffen vom 11. September machen allerdings deutlich, dass nun auch das Taliban-Regime zum Ziel von Vergeltungsschlägen werden wird, falls sich der Verdacht einer Täterschaft bin Ladins erhärten sollte.Doch was können solche Vergeltungsschläge erreichen? Die Taliban haben in den fünf Jahren ihrer Herrschaft das kriegsversehrte Land weiter zerstört, und sie haben das Volk vollends von den Brosamen internationaler Hilfsorganisationen abhängig gemacht. Als der Taliban-Sprecher am Mittwoch auf die Möglichkeit von Nato-Angriffen zu sprechen kam, meinte er zu Recht: «Die Nato kann keine wichtigen militärischen oder wirtschaftlichen Installationen treffen, weil es solche gar nicht gibt.»

Neue Zürcher Zeitung, 14. September 2001

 

Terrorstaat Afghanistan?

Die USA lange Zeit der wichtigste Geldgeber der Islamisten

Die USA haben in den achtziger Jahren afghanische Islamistengruppen finanziert und bewaffnet, um die Sowjets aus dem Land zu drängen. Extremisten wie der Saudiaraber bin Laden beteiligten sich am Heiligen Krieg, wandten sich dann aber nach dem Abzug der Sowjets gegen die Regierungen ihrer Heimatstaaten und den Westen. Die Saat der Gewalt ging nicht nur in Ägypten, Algerien oder Kaschmir auf, sondern nun auch in Ostafrika.

By.* Delhi, 21. August

Die USA waren aktiv daran beteiligt, als im Verlauf der letzten 20 Jahre in Afghanistan eine islamistische Guerilla-Infrastruktur entstand. Als es darum ging, die Sowjetunion von den Häfen im Indischen Ozean fernzuhalten, finanzierten sie mit Hunderten von Millionen Dollar die Mujahedin-Gruppen und nahmen es in Kauf, dass diese auch anti-amerikanisch und islamistisch waren. Und als die Taliban vor vier Jahren damit begannen, die zerstrittenen Mujahedin beiseite zu fegen, waren es wiederum die USA, die zuschauten und ihre Allianzpartner Saudiarabien und Pakistan gewähren liessen, wenn diese die Taliban mit Geld, Waffen und Nachschub versorgten und damit die ersten militärischen Erfolge der kriegsunerfahrenen Religionsstudenten ermöglichten. Auch die Taliban waren anti-amerikanisch und islamistisch - doch sie waren nützlich als Rivalen des «Terrorstaats» Iran und als Wächter des Zugangs nach Zentralasien.

Jihad in Kaschmir

Die Rechnung gegenüber der Sowjetunion ging auf, aber auch die Saat des islamistischen Terrors - in Algerien, Ägypten, Kaschmir und nun in Ostafrika. Der Krieg der Afghanen gegen die Kommunisten war gleichzeitig eine Trainingsgelegenheit für radikale Islamisten aus vielen Ländern. Sie fanden in Afghanistan ein Land vor, das von Waffen strotzte und in dem es praktisch keine staatliche Autorität gab, die ihren Gebrauch unter Kontrolle hielt. Die ersten Wirkungen zeigten sich kurz nach dem Abzug der Sowjets 1989 im indischen Teil Kaschmirs. Dort begann plötzlich ein Jihad, und man konnte feststellen, dass unter den gefangengenommenen Gotteskriegern die Zahl der Nicht-Kaschmiri zunahm: Pakistaner, Afghanen, aber auch Sudanesen, Ägypter, Jemeniten, Türken und Araber gehörten dazu. Die kaschmirischen Untergrundkämpfer in Srinagar hatten keine Hemmung, stolz von ihrer Ausbildung in den afghanischen Provinzen Khost oder Kandahar zu erzählen, die oft einherging mit aktiver Teilnahme an Feldzügen der Taliban.

Osama bin Laden, die Zielscheibe des amerikanischen Luftwaffeneinsatzes, unterscheidet sich von vielen Muslimen, die Afghanistan als Basis gewählt haben, nur dadurch, dass er sich als Stratege versteht, der diesen Kampf ideologisch untermauert, ihn finanziert und möglicherweise koordiniert. Kenner Afghanistans vermuten, dass er im Mai 1996 mit diesem Ziel nach Afghanistan zurückging und dass die Taliban sehr wohl wussten, mit wem sie es zu tun hatten. Schon damals verbreitete er die Vision eines weltweiten Kriegs gegen die amerikanisch-christlich-jüdische Weltherrschaft. Die Amerikaner liessen die Taliban gewähren, und wenn sie diese kritisierten, dann wegen ihrer barbarischen Menschenrechtspolitik.

Grossdemonstration in Kandahar

Dennoch kommen den Taliban die jüngsten Ereignisse ungelegen. Sie sind daran, mit Hilfe des amerikanischen Verbündeten Pakistan die letzten Bastionen ihrer Gegner zu stürmen, und wollen endlich als legitime Vertreter Afghanistans international anerkannt werden. Ihre Reaktionen zu den Attentaten in Ostafrika und zu den immer klareren Spuren zu ihrem Gast Osama bin Laden waren daher voller Widersprüche. Sie missbilligten den Anschlag von Nairobi, liessen auch einmal die Bereitschaft zur Zusammenarbeit durchblicken, verteidigten dann aber bin Laden, als sich der Verdacht gegen ihn verdichtete und sich ein amerikanischer Militäreinsatz abzuzeichnen begann. Nach dem Angriff auf sechs Stützpunkte am Donnerstag sagte der Taliban-Chef Mullah Omar, bin Laden sei rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden und die Taliban würden ihn nie ausliefern. Am Freitag morgen fand in der Taliban-Hochburg Kandahar eine Grossdemonstration gegen die USA statt. Amerika wurde nicht nur eines Kriegsaktes beschuldigt, sondern auch, wieder einmal, als Feind des Islams identifiziert. In Kabul wurden währenddessen ein italienischer und ein französischer Uno-Soldat durch Schüsse verletzt - ein Zeichen, dass für die Taliban der Krieg der Zivilisationen begonnen hat?

Neue Zürcher Zeitung vom 22./23. August 1998
*Bernard Imhasly ist NZZ-Korrespondent in Delhi.

 

Gratwanderung zwischen Kabul und Srinagar

Der selbsternannte Präsident Pakistans, General Musharraf, hat seit Beginn der Luftangriffe der USA auf Afghanistan vieles richtig und kaum etwas wirklich falsch gemacht.Er hat den Taliban die Unterstützung entzogen und sich auf die Seite Washingtons geschlagen, ohne in den Kasernen von Rawalpindi und beim einflussreichen Geheimdienst ISI einen offenen Loyalitätsbruch zu provozieren. Unsichere Kommandanten schickte er in Pension - zuletzt denISI-Chef Mahmud Ahmed, eine der Schlüsselfiguren bei der klandestinen Unterstützung Pakistans für die Taliban und den kaschmirischen Separatismus. Und in den grenznahen Garnisonen wurden Truppen unter neuem Kommando in erhöhte Bereitschaft versetzt, um allfälligen Infiltrationsversuchen der Taliban oder einer paschtunischen Verbrüderung in den Stammesgebieten des Nordens frühzeitig einen Riegel schieben zu können.

Der Bevölkerung wurde die atemberaubende Kehrtwendung in der Afghanistanpolitik mit Verweis auf den Erzfeind Indienschmackhaft gemacht. Der Staatschef gestand seinen Bürgern erstaunlich ehrlich dieökonomischen und aussenpolitischen Sachzwänge ein, denen Pakistan nicht mehr ausweichen kann. Dafür erhält der General zwar keine guten Noten, doch offen kritisiert wird seine Politik von den Massen bisher nicht. Die Amerikaner mögen in Pakistan unbeliebt sein, Usama bin Ladin mag für viele in den Basaren von Quetta, Peshawar oder Karachi einen Helden darstellen - das aber heisst noch lange nicht, dass Afghanen oder Islamisten eine Welle der Sympathie entgegenbrandet. Dazu sind Erstere, vor allem als Flüchtlinge, eine zu grosse Bürde. Und in den religiösen Fanatikern erblicken nicht wenige Bürger eine echte Gefahr für die innere Stabilität des Landes. Die endemische Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten in Karachi hat ihnen vor Augen geführt, welche Abgründe sich auftun könnten, sollten solche Kräfte an Macht und Einfluss gewinnen.

Ruhig schlafen kann Musharraf dennoch nicht. Jeder Tag, an dem weitere Bomben auf Afghanistan fallen und die Zahl auch ziviler Opfer steigt, ohne dass die Taliban aus ihren Hochburgen verjagt würden, ist ein Tag mehr, an dem der Zorn auf die USA wächst. Diese Wut ist nicht nur politisch begründet, sie hat auch konkrete soziale Ursachen. Pakistan hat sich zwar aus seiner Isolation herauslösen können, die meistenSanktionen sind aufgehoben. Doch Investitionen, die der Bevölkerung Hoffnung aufeinen bescheidenen wirtschaftlichen Aufschwung geben könnten, bleiben so lange aus, als im Norden ein Krieg mit unsicherem Ausgang tobt.

Hinzu kommt das seit Jahren bestehende Flüchtlingsproblem. Bereits jetzt leben rund zwei Millionen Afghanen in notdürftigen Lagern und bei Verwandten, eine Zahl, die bei Wintereinbruch im Hindukusch in den kommenden Wochen vor allem in den ohnehin unruhigen paschtunisch besiedelten Nordprovinzen sehr rasch anwachsen dürfte.

Fast gefährlicher jedoch als das Szenario eines breiten Aufstandes in der Bevölkerung gegen die Afghanistan-Politik Musharrafs ist jenes einer offenen Rebellion in Armee und Geheimdienst, sollte der General auch im Kaschmir-Konflikt eine Kehrtwendung vollziehen. Auch hier hat sich Musharraf bereitsweit vorgewagt: Extremistische kaschmirische Untergrundorganisationen, die ohne Zweifel vom ISI unterstützt werden, sind nach dem verheerenden Selbstmordanschlag auf das Parlament in Srinagar vor zehn Tagen an die Kette gelegt worden.

Sollte Delhi aber seine in jüngster Zeit an den Tag gelegte Zurückhaltung aufgeben und - wie am Montag - verstärkt auf militärische Vergeltungsschläge setzen, dürfte der General sehr bald in Zugzwang geraten. Indien verlangt von der Staatenwelt, Attentate wie in Srinagar mit jenen von New York gleichzusetzen. Was Islamabad stets als Befreiungskampf und legitimen Widerstand gegen die indische Besetzung bezeichnet, nennt Delhi Terror. Washington bemüht sich derzeit zwar intensiv darum, dieses Feuer auf kleiner Flamme zu halten, wie die Südasien- Reise Colin Powells zeigt. Doch die Zauberformel «Entspannung» kann nicht aufgehen, weil sie von beiden Seiten schmerzhafte Konzessionen verlangt, die innenpolitisch derzeit kaum akzeptiert würden.

Solange beim Kaschmir-Konflikt der diplomatische Weg verschüttet ist, wird inPakistan - mit oder ohne Billigung Musharrafs - die Versuchung gross bleiben, dem auf konventionellem Gebiet militärisch weit überlegenen Indien Nadelstiche zuzufügen. Sollte der General den Forderungen Delhis, dies zu unterbinden, nachkommen, droht er die Unterstützung seiner Offiziere und der Bevölkerung zu verspielen. Denn ganz anders als Afghanistan bringt diese «historische Ungerechtigkeit» das Blut der meisten Pakistaner rasch in Wallung. In Kaschmir kann Musharraf kaum etwas richtig, dafür sehr vieles falsch machen.

msn.

Neue Zürcher Zeitung, 17. Oktober 2001

 

Jagd auf Kaida-Gelder am Golf

Schärfere Aufsicht über Wohltätigkeitsorganisationen

Die arabischen Golfstaaten haben unter dem Druck der amerikanischen Anti-Terror- Kampagne die genauere Überprüfung muslimischer Wohltätigkeitsspenden und ihrer Empfänger angeordnet. Sie suchen auch tendenziell gewalttätige Aktivisten in den islamischen Hilfswerken zu identifizieren und sie am Reisen zu hindern.

vk. Limassol, 9. Oktober

Mancher Kuwaiter hat wohl am Sonntagabend vor dem Fernseher einen Schock erlebt, als er bei der Ausstrahlung von Usama bin Ladins Jihad- Aufruf den im Emirat bekannten Prediger Sleiman abu Gheith an der Seite des Kaida-Oberhaupts erblickte. Der amtierende Regierungschef Sabah al-Ahmed fühlte sich am Montag zu der Erklärung veranlasst, abu Gheith habe Kuwait damit in verbrecherischer Weise verraten und werde deshalb gerichtlich verfolgt. Denn der Mann, der in den afghanischen Bergen als Wortführer des Kaida-Terrornetzes auftrat und Amerika den baldigen Untergang prophezeite, war kein anderer als der frühere amtliche Imam der Moschee des Stadtteils Bayan von Kuwait. Abu Gheit hatte während der irakischen Besetzung als Mitglied der Muslimbruderschaft geheime Hilfsorganisationen geleitet, war aber 1992 aus der Bruderschaft ausgetreten. 1994 kämpfte er für zweiMonate als Freiwilliger in Bosnien, später besuchte er mehrfach Afghanistan. Doch niemand, insbesondere nicht sein Arbeitgeber im Wakf- Ministerium von Kuwait, ahnte etwas von seiner hohen Position in der Kaida.

Reiseverbot für Mitarbeiter der Hilfswerke

Mit Beispielen dieser Art dürften amerikanische Emissäre in den Golf-Monarchien die Herrscher und das Establishment dazu drängen, denbreiten Komplex islamischer Spenden und Wohltätigkeit sowie die Geldflüsse lokaler Bankhäuser genauer zu durchleuchten. Präsident Bush hatte am 24. September mit einer schwarzen Liste von 27 Organisationen und Individuen den Startschuss zu einem weltweiten Vorgehen gegen die Finanzströme terroristischer Netzwerke gegeben.

Kuwait bietet dank seinem aktiven parlamentarischen System mehr politischen Spielraum als diearabischen Nachbarn; es ist sich seiner Exponiertheit als regionales Asyl für Aktivisten und Oppositionelle auch bewusst. Nach den Anschlägen vom 11. September setzte die Polizei Dutzende von islamischen Aktivisten, insbesondere die Mitarbeiter religiöser Afghanistan-Hilfswerke, auf eine Sperrliste, um allfällige Agenten der Kaida an der Aus- und Einreise zu hindern. Letzte Woche wurden vier Aktivisten unmittelbar vor dem Flug nach Mashhad im Osten Irans abgefangen, von wo sie nach Afghanistan weiterreisen wollten. Die kuwaitische Regierung hat laut Presseberichten unter dem Druck Amerikas und einer entsprechenden Resolution des Uno-Sicherheitsrats Kontrollen über die islamischen Wohltätigkeitsorganisationen eingeführt. Jede Spende für eine ausländische Partei wird nun durch das Aussenministerium und die kuwaitische Botschaft im Bestimmungsland überprüft. Allein in Kuwait finden sich über 100 wohltätige Organisationen islamischen Charakters, die Spenden in muslimische Gegenden in Arabien, Asien oder Afrika lenken. Gemäss dem islamischen Recht auferlegen sich viele wohlhabende Muslime eine Zakat oder Almosensteuer, die sie nach Gutdünken einer Moschee oder irgendeiner religiös untermalten Stiftung überweisen, meist ohne genau nach der Bestimmung der Hilfsaktionen zu fragen.

Überwachte Banken

Im benachbarten Saudiarabien unterstehen alle nicht regierungsgebundenen Organisationen (NGO) der Kontrolle des Innenministeriums. Der Leiter eines grossen Hilfswerks namens «al-Haramain» erklärte denn auch, eine Finanzierung von Terrorgruppen durch saudische NGOs sei völlig undenkbar. Dieser Ansicht ist auch ein prominenter saudischer Dissident in London, auch weil, wie er bemerkt, islamische Oppositionelle wie Usama bin Ladin diesen Stiftungen keinen Schaden zufügen wollten. In Katar wurden bisherkeine neuen Restriktionen eingeführt, doch werden die lokalen Spendenzentren diskret untersucht; der Präsident der katarischen WelfareAssociation ist dieser Tage möglicherweise in diesem Zusammenhang zurückgetreten.

Auch die Zentralbanken der Golfmonarchien haben die lokalen Finanzhäuser angewiesen, sämtliche verdächtigen Konten oder Transaktionen genau zu beobachten und sofort zu blockieren. Die Aufsichtskriterien dieser Institute genügen nach Ansicht westlicher Kenner den höchsten Anforderungen europäischer Bankenpraxis und werden vielerorts auch von beigezogenen westlichen Kadern durchgesetzt. Deshalb konnte am 24. September der Präsident des Dachverbands islamischer Banken und Finanzhäuser in Manama verkünden, diese Institute seien alle frei von irgendwelcher Verwicklung in die Terrorfinanzierung. Er unterstrich, dass die Finanzinstitute, die sich in ihrer Geschäftspraxis an dieRegeln des islamischen Rechts halten, den gleichen inneren und äusseren Kontrollen wie alleandern Banken unterstehen. Wie einzelne Kadermitglieder im Gewissenskonflikt zwischen demBankreglement und einer «Aktion für gute islamische Zwecke» entscheiden, kann aber auch er nicht wissen. In der ganzen Welt finden sich gegen 200 islamische Finanzinstitute. Im Finanzzentrum des Golfs, der bahrainischen HauptstadtManama, sind allein über 100 Banken angesiedelt, wovon 18 islamische.

Usama bin Ladin über seine Geldquellen

Usama bin Ladin machte sich in seinem neusten Zeitungsinterview im pakistanischen Wochenblatt «Takbir» über die Jagd auf sein Geld lustig.Er gab an, al-Kaida verfüge über drei voneinander unabhängige und redundante Netze der Geldversorgung. Diese Institutionen würden von bestens ausgebildeten Fachkräften verwaltet, welche mit den Techniken des westlichen Finanzmarktes vertraut seien. Westliche Experten nehmen an, dass bin Ladin nicht nur aus seinem Familienerbe im Umfang von angeblich 300 Millionen Dollar Nutzen zieht, sondern auch aus dem Erlös des gemeinsamen Opiumhandels mit den Taliban sowie aus Schutzgeldern gewisser Herrscherfamilien am Persischen Golf.

Neue Zürcher Zeitung, 10. Oktober 2001

 

Die Golf-Araber und ihr Renegat bin Ladin

Verzweigtes Netzwerk antiwestlicher Terrorzellen

Zahlreiche Hinweise deuten darauf hin, dass die Organisation al-Kaida des aus Saudiarabien stammenden Millionärs Usama bin Ladin hinter den Terrorangriffen auf dieUSA steckt. Es handelt sich um ein Netzwerk, das aus Gruppen verschiedener Herkunft besteht und das sich wohl auch auf Spenden vieler gutgläubiger Muslime stützt.

vk. Limassol, 13. September

Gestützt auf vertrauliche Informationen aus dem FBI und andern westlichen Geheimdiensten haben verschiedene westliche Politiker erklärt, die Ermittlungen gegen die Urheber der Terrorangriffe auf die USA zielten auf die Organisation al-Kaida des Exilsaudi Usama bin Ladin ab. Falls diese Indizien solide sind, so bieten sie nach allem, was über die Kaida bekannt ist, eine Erklärung für die kombinierten und von langer Handgeplanten Angriffe vom Dienstag an. Die ideologische Ausrichtung der Kaida, ihre Struktur eines weit verzweigten Netzes autonomer Zellen, die minuziöse technische Vorbereitung und Planung der Operationen sowie der Wille der Täter zur Selbstaufopferung passen alle auf die Täterschaft vom Dienstag.

Fatwa für eine «Islamische Weltfront»

Wenn einer wohl ohne Gewissensbisse frohlocken konnte, als er am Fernseher die verhasstenAmerikaner erniedrigt sah, die zu Tausenden zermalmt oder von Todesangst durch die Strassen der reichsten Stadt der Welt getrieben wurden, so war es «Scheich Usama». Im Februar 1998 hatte er von Afghanistan aus eine Fatwa veröffentlicht, die eine «Islamische Weltfront» für den Jihad gegen die Juden und die neuen Kreuzfahrer begründete. Zusammen mit den Anführern der ehemals ägyptischen Jihad- und Gamaat-Gruppensowie mit drei weiteren sunnitischen Islamistenorganisationen aus Pakistan und Bangladesh verpflichtete er sich auf einen bewaffneten politischen Kampf, um die moderne Welt nach eigenem Verständnis zu reislamisieren, «unislamische Regime» in muslimischen Ländern zu stürzen und alle Vorkämpfer westlicher Demokratie, vor allem Amerikaner und Juden, daraus zurückzuschlagen.

Dieses Programm kann kaum gründlicher und symbolträchtiger erfüllt werden als mit der Zerstörung des World Trade Center und des Pentagons, der beiden Wahrzeichen amerikanischen Reichtums und der Durchsetzung amerikanischer Macht. Nach einem Bericht des State Department hat bin Ladins Kaida schon die blutigen Bombenanschläge von 1998 gegen die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Dar-es-Salam verübt. Mögliche Verbindungen werden auch zu den Bombenanschlägen gegen den amerikanischen Zerstörer «Cole» in Aden im Oktober 2000 genannt, manchmal auch zu den Anschlägen auf US-Wohnquartiere im saudischen Riad und al-Khobar 1995 und 1996.

Scheich Usama und mindestens ein Teil seiner Aktivisten sind Veteranen des Befreiungskriegs der afghanischen Mujahedin gegen die sowjetischen Besetzer. Ein idealistischer Sohn aus einer der reichsten saudischen Unternehmerfamilien, zog Usama 1979 als blutjunger Mann in den «Heiligen Krieg» nach Afghanistan. Im Feuer der Sowjetbesetzer und in den Entbehrungen des Mujahedin-Lebens gelangte er zu einer radikalen Form des wahhabitischen islamischen Purismus, den die Herrscher Saudiarabiens mit ihrer Genusssucht und ihrem Bündnis mit Amerika längstverraten hatten. Bin Ladin eröffnete ein Auffanglager für die zahlreichen Kriegsfreiwilligen aus arabischen und anderen muslimischen Ländern, die er vom pakistanischen Peshawar aus ins Kriegsland schleuste, ausbildete und den Mujahedin-Kommandanten zuführte. Dafür wandte er einen Teil seines ererbten Millionenvermögens auf. Da die Amerikaner damals die Freiheitskämpfer unterstützten, bewiesen sie auch binLadin Sympathien. Nach dem sowjetischen Abzug von 1989 kehrte Scheich Usama seine Waffen gegen den anderen Verderber der islamischen Welt: Amerika. In der Zeit sprach er erstmals von der Kaida. Zurück in Saudiarabien, eckte er durch seine Aktivität gegen die prowestliche Königsfamilie an und wurde 1991 verbannt, später ausgebürgert. Nach einigen Jahren im Sudan musste er unter amerikanischem Druck wieder die Flucht nach Afghanistan antreten, diesmal ins Hoheitsgebiet der Taliban, deren Fundamentalismus mit dem seinen harmonierte.

Die heimatlosen Mujahedin

Durch all die Jahre blieb die Kaida (arabisch für «Grundlage») ein Auffangbecken für islamische Aktivisten, Kämpfer und Erleuchtete allerArt. Sie unterhielt einerseits gewöhnliche Geschäftsaktivitäten, zum Beispiel im Sudan, anderseits aber auch Sozialeinrichtungen, und sie sammelte wie andere Islamistengruppen Geld. Hunderte, wenn nicht Tausende von arabischen Afghanistanveteranen trieben heimatlos durch immer neue Kriegsschauplätze, wo eine bedrängte muslimische Bevölkerung die Motivation füreinen Jihad liefern konnte, wie in Kaschmir, Bosnien, Tschetschenien oder Albanien. Manche betrieben auch den Umsturz eines «unislamischen Regimes» in ihrer arabischen Heimat.

Wer von den Kämpfern nicht irgendwo eine Fremde heiratete und eine Familie gründete, stiess zu bin Ladins Reservoir an entwurzelten Mujahedin, viele im Zivilleben unbrauchbare Söldner mit jahrelanger Kriegserfahrung. Scheich Usamas Kaida bot ihnen allen einen sozialen und spirituellen Rahmen, fügte sie zu Gruppen zusammen und nutzte ihre Erfahrung zur militärischen Ausbildung junger Kämpfer für den Islam. Spuren solcher Aktivisten tauchten in Arabien auf, in Afrika, im Fernen Osten und auch im Westen. Nach den neusten Erkenntnissen muss man annehmen, dass einige von ihnen an technische Hochschulen gingen oder nützliche Künste wie das Fliegen erlernten.

Saudiarabien und seine Nachbaremirate trugen seit langem schwer an dieser permanenten Herausforderung durch Scheich Usamas Gruppierung der «echten Muslime». Die Herrscher, die auf eine islamische Legitimation angewiesen zu sein glauben, verlieren gegenüber der eigenen Bevölkerung an Ansehen, weil das Amtsgeschäft ihnen weltliche Kompromisse aufzwingt. Diese werden am augenfälligsten in der Abhängigkeit vom Sicherheitspakt mit den USA, der die physische Präsenz Tausender von amerikanischen Soldaten mit sich bringt und in der totalen wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Westen, die sich aus der vitalen Funktion des Erdölverkaufs und den Zwängen des Weltmarkts ergibt. Junge Geistliche undIntellektuelle machen nur allzu gern den westlichen Einfluss dafür verantwortlich, dass die eigenen Herrscher derart korrupt sind und die Interessen des Volks mit mässiger Effizienz verwalten.

Spenden für islamische Wohltätigkeit

Da die Bevölkerung weitgehend gläubig ist, wird sie hin und her gerissen zwischen den vermeintlichen Anforderungen eines muslimischen Gewissens und der Einsicht in die Zwänge der Realität. Spendensammlungen islamischer Wohltätigkeitsorganisationen mit vage gefassten Zielen haben in den Golfstaaten immer viel Erfolg; ein Teil des Geldes fliesst nach amerikanischen Erkenntnissen auch an Gruppierungen wie die Hamas-Bewegung mit einem bewaffneten Arm. Auch die Kaida ist in diesem Bereich wohl nicht untätig. Die Behörden unterstützen die amerikanische Suche nach gewalttätigen Gruppen so gut, und zugleich so diskret, wie möglich. Doch die fast schrankenlose Unterstützung Washingtons für Israel, welches in arabischen Augen allein für den Fehlschlag des Nahost-Friedensprozesses verantwortlich ist, und weiter das Irak-Embargo mit seinen katastrophalen Folgen für das irakische Volk machen die Herrscher verletzlicher für Kritik von islamistischer Seite. Diese Spannungen befand Usama bin Ladin, falls wirklich er es war, nun für gross genug, um zum totalen Schlag gegen Amerika auszuholen.

Neue Zürcher Zeitung, 14. September 2001

 

Kasten: Wie man in den USA Pilot wird
Kasten: «Wir werden etwas unternehmen»

Elemente des islamistischen Terrornetzwerks

Wurzeln in Afghanistan und in den Vereinigten Staaten

Die erstaunlichen logistischen Fähigkeiten der Terroristen dürften sich damit erklären lassen, dass in den USA extremistische islamistische Organisationen Fuss gefasst haben. Ihre Verwicklung in terroristische Aktivitäten ist gut belegt. Eine Serie von Prozessen hat in letzter Zeit Einblicke in die Funktionsweise dieses Netzwerks ermöglicht.

fem. In den ersten Kommentaren zu den Anschlägen in New York und Washington war immer wieder mit schaudernder Verwunderung die Rede von der grossen logistischen Leistung, welche die Terroristen erbracht hätten. In der Tat lässt sich ein derartig komplexer Angriff nur auf Grund langer Vorbereitungen bewerkstelligen. Einzeltäter oder kleine fanatisierte Splittergruppen fallen da mit grosser Wahrscheinlichkeit ausser Betracht. Dies spricht klar dagegen, die Urheberschaft etwa in rechtsextremistischen Kreisen der USA zu suchen: Hier dominiert als Tatideal der individuelle, desperate Abwehrakt des Einzelnen gegen den kollektivistischen Staat. Dagegenrückt, auch nach den ersten Fahndungsergebnissen, eine Täterschaft mit islamistischen Wurzeln zunehmend in den Vordergrund.

Der Schock von 1993

Dieser Verdacht wird unterstützt durch die Tatsache, dass der extremistische Islamismus in denUSA mittlerweile über ein aktives Netzwerk verfügt. Der Kenntnisstand über diese Zusammenhänge ist, mit Ausnahme der Geheimdienste in Washington, wohl an keinem Ort grösser als im Federal-Court-Haus von Manhattan - paradoxerweise nur wenige Schritte vom zerstörten WorldTrade Center entfernt. In den letzten sieben Jahren hat eine Reihe von Prozessen, die hier stattfanden, einen vertieften Einblick in die Mechanismen des islamistischen Terrors ermöglicht und dabei offengelegt, in welchem Ausmass heute die Vereinigten Staaten selbst zum Aufmarschgebiet ihrer Feinde geworden sind.

Es war das Attentat auf das World Trade Center von 1993, das die Strafverfolgungsbehördenerstmals auf dieses Phänomen aufmerksam machte. Damals scheiterte der Versuch allerdings,einen der beiden Zwillingstürme mit einer Autobombe zum Einsturz zu bringen. Erste Untersuchungen ergaben, dass es sich beim lokalen «Einsatzleiter» um einen Taxifahrer ägyptischer Abstammung aus Brooklyn handelte, der Ende der achtziger Jahre als Freiwilliger gegen die sowjetischen Invasoren in Afghanistan gekämpft hatte. Weitere Recherchen erbrachten dann die Erkenntnis, dass der gleiche Täterkreis bereits die Ermordung des jüdischen Rabbis Meir Kahane im Jahre November 1990 sowie des prominenten Islamisten Mustapha Shalabi drei Jahre später zu verantworten hatte. Intellektuelles Zentrum dieser Gruppe war der blinde ägyptische Scheich Omar Abderrahman, der sich dank einem vom CIA vermittelten Visum völlig legal in New York aufhielt; organisatorischer Mittelpunkt war das Al-Kifah- Zentrum in Brooklyn, das sich nach aussen als Wohlfahrtsinstitution präsentierte.

Was hatte den amerikanischen Geheimdienst dazu bewogen, einem Exponenten des islamistischen Gedankenguts den Aufenthalt in den USAzu ermöglichen? Das Stichwort lautet Afghanistan. Ende der achtziger Jahre stellte die Vertreibung der sowjetischen Armee aus diesem Landein zentrales Ziel der amerikanischen Aussenpolitik dar. In diesem Kampf verbündete man sich,gemäss dem Motto, dass der Feind meines Feindes mein Freund sei, auch mit radikalen islamistischen Kreisen. Diese sollten weltweit, also auch in den USA, Freiwillige für den Kampf gegen die Sowjets mobilisieren.

Aus diesem Grund hatten die Behörden nichts einzuwenden, als in den achtziger Jahren das Al- Kifah-Zentrum in Brooklyn gegründet wurde, und auch gegen die Ausbreitung dieser Institution auf andere Grossstädte der USA gab es keine Bedenken, obwohl diese Expansion von einem gewissen Usama bin Ladin finanziert wurde. Dietraditionell grosszügig interpretierte Meinungsfreiheit in den USA erwies sich in der Folge als ideale Voraussetzung, um den «Kampf gegen die Ungläubigen» zu organisieren. Erst mit dem Attentat auf das World Trade Center von 1993 wurde Politikern und Polizei bewusst, dass sich dieser Slogan nicht nur auf den sowjetischen Kommunismus bezog, sondern in gleichem Ausmass auf den amerikanischen Kapitalismus.

Doppelagenten und Einwanderer

Diese Untersuchungen ergaben unter anderem, dass das Al-Kifah-Zentrum in Brooklyn Ausbildungskurse in Nahkampf und Schiessen durchgeführt hatte. Und es tauchten erstmals zwei Namen auf, die sich fortan wie ein roter Faden durch die Geschichte des islamistischen Extremismus in den USA ziehen: Ali A. Mohammed undWadih al-Hage. Sie beide dienten als Informanten der amerikanischen Untersuchungsbehörden, die den Prozess gegen die Urheber des Attentats von 1993 vorbereiteten.

Dieser Prozess endete zwei Jahre später mit der Verurteilung von zehn Angeklagten. Der Hauptverantwortliche, der Iraker Ramzi Yousef, wurde kurz darauf von der CIA in Pakistan verhaftet und in die USA zurückgebracht, wo er Anfang 1998 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde. Er enthüllte im Rahmen seines Prozesses, dass er eine Zeit lang die Idee verfolgte, innerhalb von 24 Stunden zwölf amerikanische Verkehrsflugzeuge über dem Pazifik in die Luft zu sprengen. Aber auch der spiritus rector der Tat, Scheich Omar Abderrahman, gelangte hinter Schloss und Riegel, was dessen Anhänger bewog, den USA Rache zu schwören.

Die Pläne dafür gediehen rasch. 1995 gelang der Polizei jedoch die Zerschlagung einer Zelle, die sich mit der Planung von Terrorakten gegen exakt die «grossen» Ziele beschäftigte, welche eine weltweite Schockwirkung haben und das Leben in Manhattan lahmlegen würden. Der Prozess gegen den Haupttäter Siddig Ibrahim Siddig Ali fand erst 1999 statt; der reumütige Angeklagte berichtete vor dem Gericht, dass sich auf der Liste möglicher Ziele das Hauptgebäude der Uno, der Lincoln- und der Holland-Tunnel, die George- Washington-Brücke und Gebäude der Bundesregierung im südlichen Manhattan befanden. Nach dem ersten Anschlag auf das World Trade Center war diese Liste die definitive Bestätigung, in welchen Dimensionen der Zerstörung und des Schreckens man in diesen Kreisen dachte.

Verbesserte Abwehrmassnahmen in den USA zwangen die Extremisten, vorerst auf amerikanische Ziele im Ausland auszuweichen. So kosteteeine gegen den amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Dharan in Saudiarabien gerichtete Autobombe im Jahre 1996 19 Soldaten das Leben.Eine neue Eskalationsstufe erreichte das mörderische Treiben dann 1998 mit den zeitlich koordinierten Anschlägen auf die Botschaften der USA in Kenya und Tansania; sie brachten insgesamt 257 Menschen den Tod. Die Hintergründe dieser Taten wurden erstaunlich rasch aufgeklärt. Eine zentrale Rolle spielten dabei die bereits erwähnten Ali A. Mohammed und Wadih al-Hage, die bereits im Rahmen der Untersuchungen über das Attentat von 1993 aktenkundig geworden waren. Erst jetzt stellte sich heraus, dass die beiden im Umfeld von Usama bin Ladin wichtige Positionen besetzt hatten.

Rückzug der USA aus Nahost erzwingen

Der gebürtige Libanese al-Hage war als Student in die USA gekommen und in Tucson (Arizona) in den Einflussbereich des dortigen Al-Kifah-Zentrums geraten. Dies stellte aber offenkundig kein Hindernis für den Erwerb der amerikanischen Staatsbürgerschaft dar. Fortan war esal-Hage möglich, nach Belieben ein- und auszureisen, was seinen Nutzen für Bin Ladin enormerhöhte. Al-Hage legte 1995 in Kenya das Fundament der Terroristengruppe, die drei Jahre späterdie Autobombe vor der US-Botschaft zur Detonation brachte. Ali A. Mohammed wiederum war, als ägyptischer Offizier, im Zusammenhang mit Afghanistan zu einer militärischen Zusatzausbildung in die USA eingeladen worden. Seine Kontakte mit islamistischen Kreisen blieben der CIA nicht verborgen, doch da er als Doppelagent wirkte, durfte auch er weiterhin unbehelligt reisen. Umgekehrt gab Mohammed sein in Amerika erworbenes militärisches Wissen in sudanesischen und afghanischen Ausbildungslagern an die «heiligen Krieger» weiter; seine Reisetätigkeit garantierte überdies, dass der Kontakt der islamistischen Institutionen in den USA mit den geistigen Anführern im Ausland nicht abbrach.

Im Frühjahr des Jahres 2001 wurde Mohammed, zusammen mit Wadih al-Hage und drei weiteren Angeklagten, in Manhattan vor Gericht gebracht. Befragt über seine Motive, gab er zu Protokoll, die Attentate sollten den Westen dazubringen, sich aus dem Nahen Osten und der Golfregion zurückzuziehen. Die islamistischen Extremisten würden sich dabei das Attentat von 1984 auf die Marines in Libanon zum Vorbild nehmen, das zum raschen Rückzug der amerikanischen Armee aus Beirut geführt habe. «Unsere Gruppe verfolgt dieselbe Methode, um die Vereinigten Staaten zum Rückzug aus Saudiarabien zu bewegen», erklärte er. Die vier Hauptangeklagten wurden Ende Mai zu lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt; Ali A. Mohammed erhandelte sich eine etwas geringere Strafe durch ein «plea bargaining» mit der Anklagebehörde.

Doch diese Erfolge der Justiz täuschten darüber hinweg, dass Umfang und Organisationsgrad der islamistischen Netzwerke in den USA eher zu- als abnahmen. Ein Hinweis auf diese Entwicklung erfolgte zwei Monate vor dem Prozess gegen die Botschafts-Attentäter in Manhattan: Mitte Dezember versuchte ein Mann algerischer Abstammung, von Kanada in die USA einzureisen. Nur dank der Aufmerksamkeit eines Zöllners wurden in seinem Auto grosse Mengen von Sprengstoff entdeckt. Nach seiner Verhaftung sagte der Algerier aus, man habe beabsichtigt, in verschiedenen amerikanischen Grossstädten während der «Millenniums»-Feiern des Silvesters 1999 Attentate durchzuführen. Involviert in diese Pläne waren Gruppen von algerischen Einwanderern in Brooklyn und in Montreal.

Der Traum vom «grossen Schlag»

Dieses Beispiel illustrierte erneut, dass eine fanatische Gruppe von Extremisten weiterhin von einem «grossen Schlag» gegen die USA träumte. Dabei bot ihnen eine wachsende Zahl lose miteinander verbundener islamistischer Gruppen und sozialer Institutionen in den USA Deckung, was es erst möglich machte, den Kampf gegen Amerika in den USA selbst zu führen. Die Vorstellung, dass dieses Netzwerk straff von Usama bin Ladin geführt werde, dürfte jedoch falsch sein. Bin Ladin wird als Financier und als Exponent eines antiamerikanischen Kreuzzuges die generelle Richtung dieser Aktivitäten beeinflussen, sich dann jedoch auf die lokale Organisationskraft einzelner Zellen verlassen. Gegenwärtig gehen die amerikanischen Behörden davon aus, dass eine Kerngruppe von rund 50 Personen für den jüngsten und schrecklichsten Terrorakt verantwortlich ist. Ohne ein organisatorisches Fundament in den USA selbst ist es schlicht unvorstellbar, wie ein derartiges Vorhaben, das eine mindestens monatelange Vorbereitungszeit erfordert, bis zum furchtbaren Ende unentdeckt bleiben konnte.

Wie man in den USA Pilot wird

(ap) Wo bekommt ein Terrorist eine Pilotenausbildung? Auf diese Frage gibt es eine klare Antwort: nirgendwo leichter als in den USA. Mindestens einer der Entführer von vier Verkehrsflugzeugen am Dienstag wurde an einer amerikanischen Flugschule ausgebildet, wie das Justizministerium mitteilte. Auf der Suche nach einer möglichst billigen und schnellen Flugschule kommen Interessenten aus aller Welt nach Amerika. Wichtigste Voraussetzung für die Zulassung ist Geld. «Solange jemand genug Geld in der Tasche hat, kann jeder zugelassen werden», erklärt Victor Richard von der Flugschule Alpha Tango in San Antonio. Richard und seine Kollegen bilden dort Flugschüler aus Mexiko, Pakistan, Saudiarabien und Deutschland aus. Man kann schon für 5000 Dollar die Lizenz erwerben, um eine einmotorige Privatmaschine zu fliegen. Nur etwa 25 Flugschulen bieten auch einen Unterricht an, wie grosse Verkehrsmaschinen zu steuern sind. Für die Einschreibung in einer Flugschule brauchen Ausländer nur dassogenannte M-Visum, das die Konsulate ausgeben. Erfahrungsgemäss gebe es keine grossen Probleme, dieses Visum zu bekommen, heisst es in den Flugschulen.

In Richmor und Alpha Tango liess sich auch der Kuwaiter Abdul Hakim Murad ausbilden, der 1996 mit zwei Komplizen wegen eines gescheiterten Komplotts verurteilt wurde, elf amerikanische Verkehrsflugzeuge in die Luft zu sprengen. Einer der Komplizen wurde wegen Beteiligung am ersten Anschlag auf das World Trade Center im Jahr 1993 verurteilt.

«Wir werden etwas unternehmen»

(ap) Thomas Burnett jr. rief seine Frau viermal aus dem entführten Flugzeug an. Beim letzten Anruf sagte er ihr, dass er und die anderen Passagiere an Bord etwas unternehmen würden. Wenige Minuten später stürzte die United-Airlines-Maschine auf ein Feld im Südwesten Pennsylvanias. Offenbar hatten die Passagiere vordem Absturz noch versucht, die Luftpiraten zu überwältigen, und so verhindert, dass das Flugzeug auf dasWeisse Haus stürzte, wie die Behörden vermuten. Burnett hat sich nicht mehr von seiner Frau verabschiedet. Deena Burnett erzählte ihrem Mann von den Angriffen auf das World Trade Center. Sie glaubt, dass ihr Mann und die anderen Passagiere daraufhin beschlossen hätten, die Entführer zu überwältigen. Ein anderer Passagier, Jeremy Glick, rief ebenfalls seine Frau an. Nach Angaben eines Verwandten stellte die Frau den Anruf an eine Notrufstelle durch. Dort wurde Glick über die Terrorangriffe auf das World Trade Center informiert. «Jeremy und die Leute um ihn herum haben von den Flügen ins World Trade Center erfahren und beschlossen, wenigstens zu kämpfen, wenn sie schon sterben müssen», erklärte der Verwandte.

Das Flugzeug war gegen acht Uhr am Flughafen Newark in New Jersey gestartet. Bei Cleveland drehte es abrupt nach Osten. Die Maschine verlor an Höhe und flog im Schlingerkurs in Richtung der Hauptstadt Washington. Der Fernsehsender CNN berichtete vom teilweisen Mitschnitt eines Gespräches im Cockpit durch die Flugsicherung in Cleveland. Darauf wurden die Worte «Raus hier» gerufen. Man höre Geräusche eines Handgemenges und erneut die Worte «Raus hier». Dann sage eine Stimme: «Wir haben eine Bombe an Bord. Hier spricht Ihr Kapitän. Bleiben Sie auf ihren Plätzen. Wir haben eine Bombe an Bord. Bleiben Sie ruhig. Wir erfüllen die Forderungen. Wir kehren zum Flughafen zurück.» Laut CNN soll der Mann in gebrochenem Englisch gesprochen haben.

Deena Burnett sah gerade fassungslos im Fernsehen die Bilder von den Flugzeugen, die in die beiden Türme des World Trade Center gerast waren, als ihr Mann das erste Mal anrief. «Ich fragte ihn, ob alles in Ordnung sei. Er sagte Nein, da wusste ich, dass er mittendrin war.» Er habe ihr von der Entführung berichtet, davon, dass ein Mann niedergestochen worden sei und dass die Entführer gesagt hätten, sie hätten eine Bombe. Dann beauftragte er sie, die Behörden zu verständigen. Sie verständigte die Polizei, die sie direkt zum FBI durchstellte. Beim nächsten Anruf habe sie ihm vom World Trade Center berichtet, und er habe alles wissen wollen. «Beim letzten Anruf bat ich ihn, sich hinzusetzen und keine Aufmerksamkeit zu erregen. Er hat Nein gesagt.»

Neue Zürcher Zeitung, 14. September 2001

 

 

Wer applaudiert Usama bin Ladin?

Viele Muslime hassen Amerika

Arabische Politiker sehen in den Terrorangriffen gegen Amerika den Ausdruck eines verbreiteten Unrechtempfindens. Die Supermacht wird wegen ihrer Politik im Nahen Osten auf diese monströse Art zur Verantwortung gezogen.

vk. Limassol, 25. September

In der arabischen und muslimischen Welt findet sich ausser hartgesottenen Ideologen und Verblendeten kaum einer, der sich über den Tod Tausender von Amerikanern bei den jüngsten Terroranschlägen freut. Trotzdem denken nicht wenigeim Stillen, dass es einmal an der Zeit war, das allzu selbstbewusste Amerika auf seine eigene Verwundbarkeit aufmerksam zu machen: Schluss mit den militärischen Hightech-Interventionen per Knopfdruck, bei denen kaum ein Amerikaner umkam. Und niemand ist bereit, Amerika freie Hand zur wahllosen Bestrafung Schuldiger - oder zu Schuldigen Erklärter - im Nahen Osten zu gewähren. Wenn Karikaturen in arabischen Blätternals Ausdruck der Volksseele gelten dürfen, so wittert diese bereits ein neues Komplott: Die arabische Welt beklagt gebührlich die Toten im Massengrab des World Trade Center, während im Zeichen der Vergeltung die israelische Armee noch mehr Palästinenser als zuvor umbringt.

Die ewigen Zweiten

Der ägyptische Präsident Mubarak, ein alter Verbündeter der USA, sagt unumwunden, die Wurzel der Terroranschläge sei in der Verletzung zu suchen, die Muslime durch grosses Unrecht erlitten hätten. Araber sehen sich - auf Grund jahrzehntelanger bitterer Erfahrungen - als zweitklassig und benachteiligt; sie nehmen an, sie würden von Amerika in Krieg und Frieden hintangestellt und ausgenutzt, was immer sie auch täten. In der für alle zentralen Palästina-Frage haben sie ihren vollen völkerrechtlichen Zuschlag nach Massgabe der Uno-Resolutionen nie erhalten - von der verlorenen historischen Grösse des goldenen islamischen Zeitalters ganz zu schweigen. «Usama bin Ladin, falls wirklich er die Anschläge auf New York und Manhattan organisierte, war nichts als das natürliche Produkt der Umstände», heisst es in einer Schrift saudischer Dissidenten. Ein mahnender Rächer, der die einzige Supermacht plötzlich aufs Schmerzlichste herausfordert, habe ja einmal kommen müssen.

Nichts konnte in arabischen Augen die Arroganz Amerikas, das tiefer als jede andere Macht in die Gestaltung des Vorderen Orients verwickelt ist, besser illustrieren als die totale Verweigerung einer Diskussion über die Ursachen des Terrors. Es hiess: «Wir wurden einzig wegen dessen angegriffen, was wir sind, nicht wegen dessen, was wir tun.» Muslime sehen es gerade umgekehrt: Für sie ist Amerika, um nur das Auffälligste herauszugreifen, der Veranstalter des sogenannten Nahostfriedensprozesses, der schliesslich am Ende derÄra Clinton/Barak beim monströsen Versuch stecken blieb, Ostjerusalem mit seinen islamischen und christlichen heiligen Stätten dem jüdischen Staat zuzuschlagen. Der damalige israelische Ministerpräsident Barak forderte, wie man heute weiss, im Tausch für seine Territorialangebote den Bau einer Synagoge auf der Moscheen-Terrasse al-Aksas. Die politischen Vertreter von 200 Millionen Arabern und einer Milliarde Muslimen hatten damals den völkerrechtlich gestützten Anspruch des Palästinenserführers Arafat bekräftigt - und Amerika stand im Endeffekt auf der Gegenseite.

All das ist in orientalischen Augen das Ende einer langen Kette amerikanischer Eingriffe zugunsten Israels, von der Geburtshilfe für den jüdischen Staat, dem immer neuen Gewährenlassen bei den extensiven Besetzungen von 1967 und der systematischen widerrechtlichen Besiedlung Cisjordaniens, des Gazastreifens und des syrischen Golans über den Einmarsch in Libanon 1982 und die Besetzung der Hauptstadt Beirut entgegen allen amerikanischen Zusicherungen bis hin zu den wochenlangen Bombardierungen Südlibanons 1996. Dass es in wesentlichen Dingen auch anders gegangen wäre, bewies 1992 der damalige Präsident Bush mit der Blockierung von Kreditgarantien für Israel als Massnahme gegen die Siedlungspolitik. Mubarak warnte kürzlich: «Die Muslime in der ganzen Welt sehen, dass Amerika den Israeli gratis und ohne Auflagen Waffen gibt, mit denen sie (palästinensische) Muslime töten. Amerika unterstützt weiterhin Israel, obwohl Sharons Politik die Palästinenser an der Ausrufung ihres Staats hindern will. Auch die Herrscher der gemässigten arabischen Staaten vertrauen mir an, dass in Jordanien, Kuwait, Saudiarabien, Katar oder Oman die öffentliche Meinung gegen die USA am Überkochen ist.»

Kein Ende der Bedrohung durch Saddam

Die Araber der Golfregion werfen den Amerikanern eine Strategie zur Schaffung langfristiger Abhängigkeiten vor. Die nunmehr elfjährigen Leiden der Iraker unter dem Embargo prägen das negative Urteil der Völker und auch ihrer pragmatischen Herrscher. Das Regime Saddam Hussein wurde weder im Kuwait-Krieg noch nachher je ernsthaft vom Sturz bedroht, sondern in seiner durch die Würgeschlinge gezähmten Form stabilisiert, um grössere politische Erdbeben im Zweistromland auszuschliessen. Damit perpetuierte sich aber auch die latente Bedrohung für die Golfmonarchien. Das schloss auch das Heranwachsen eines neuen, freundlichen Irak aus, mit dessen Hilfe ein arabisches Gegengewicht gegen das erstarkte Iran aufgebaut werden könnte. Viele nennen das ein Komplott, nüchterne Politiker bloss das geringere Übel: Das kostspielige Sicherheitsbündnis mit Amerika samt all seinen unliebsamen Nebenerscheinungen bleibt die einzige Option. Islamisten stossen sich an der physischen Präsenz amerikanischer Truppenkontingente auf dem «heiligen Boden» Saudiarabiens. Andere Oppositionelle legen die Finger auf die kolossalen Rüstungskontrakte mit Amerika, welche ja nur die Verlängerung der noch gewaltigeren Infrastrukturaufträge bei der Modernisierung des Königreichs in den siebziger und achtziger Jahren sind.

Die Begehren der Abhängigen und Unterdrückten sind von Natur aus übertrieben, und die Supermacht tröstet sich mit der Annahme, sie könne es ohnehin keinem recht machen. Doch welches mittelöstliche Volk sieht heute eine gangbare Möglichkeit, sich in nützlicher Frist und ohne grössere Schäden aus dieser Abhängigkeit von der Supermacht zu befreien? Der letzte Versuch war 1979 der iranische Bruch mit dem «Grossen Satan» in der islamischen Revolution. Dieser Bruch wurde mit derart brutalen Mitteln durchgesetzt, dass noch heute beide Seiten spürbar darunter leiden. Auch die beiden Intifada-Kampagnen der Palästinenser, diejenige vor Beginn des Verhandlungsprozesses und die nach seinem Versanden, zielen in diese Richtung, doch ihre Schäden sind bisher viel deutlicher zu erkennen als der Nutzen. Wenn überdies Amerika sich sofort hinter das israelische Verlangen nach einem Ende der Gewalt stellt, so kommt dies für die Palästinenser einem Verbot jeglichen Widerstands gleich, obwohl doch der Weg friedlicher Verhandlungen allein offensichtlich nicht zum Ziel führt.

«Tapfere Kämpfer für die rechte Sache»

In dieser arabischen Atmosphäre allgemeiner Ausweglosigkeit und unaufhaltbaren Rückgangs finden irrationale, religiöse Rezepte und mythologisierte Figuren umso mehr Anklang. Die islamistischen Tendenzen sind längst als Reaktion auf den Fehlschlag aller anderen politischen Theorien erkannt, des Nationalismus, Sozialismus, Panarabismus, Militarismus. Mit dem Fehlschlag desFriedensprozesses ist dieser Katalog um eine Illusion reicher. Usama bin Ladin verkörpert genau die erforderliche Wundermischung von ferner Grösse, religiösem Purismus und scheinbarer Durchschlagskraft.

Der arabische Mann von der Strasse weiss von ihm nur, dass er auf ein garantiertes Luxusleben in einer reichen saudischen Familie verzichtete, um sich und sein Vermögen im steinigen Afghanistan dem Jihad gegen die sowjetischen Ungläubigen zu widmen - und dass Amerika ihn schon 1998 zum Staatsfeind Nummer eins erklärt hat. Im Kampf gegen die kommunistische Supermacht hatte bin Ladin nachweislich Erfolg, denn er trug zu ihrem Abzug aus Afghanistan bei, dem ersten Symptom ihres Zerfalls. Und nun hat er am 11. September auch Amerika in die Weichteile getroffen, was den ganzen Nahen Osten verändern könnte. Weil «Scheich Usama» den langen Bart und den Turban eines guten Gläubigen trägt und seine Äusserungen mit religiösen Formeln und Geboten verbrämt, gestehen ihm Muslime leicht die Ehrenwertigkeit eines Mujahid, eines Kämpfers für die gute Sache, zu, welche unmenschlichen Teufeleien auch immer er aushecken mag.

Neue Zürcher Zeitung, 26. September 2001

 

Terroranschläge
Afghanistans Herrscher in der Zange der Araber
Von Kathy Gannon, AP

 
14. Sep. 2001 Wie sie es auch drehen oder wenden: Die Taliban können nicht gewinnen. Liefern sie Usama bin Ladin an Amerika aus, werden sie ihr Ansehen bei den islamischen Fundamentalisten verlieren. Gewähren sie dem mutmaßlich Verantwortlichen der Anschläge von New York und Washington weiter Schutz, wird der Preis vermutlich noch höher: Es könnte ein militärischer Selbstmord im Kampf gegen Amerika werden.

Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar hat vor nicht allzu langer Zeit eine Auslieferung Ibn Ladins ausgeschlossen. Dies wäre ein Verrat am Islam, sagte Omar. Würden die international weitgehend isolierten Taliban den aus Saudi-Arabien stammenden Ibn Ladin in die Hände der Vereinigten Staaten geben, wäre dies ein Schlag ins Gesicht aller islamischen Fundamentalisten, auf deren Hilfe sie stärker denn je angewiesen sind.

Einfluss der Araber wächst

Sie kommen aus Tschetschenien, Usbekistan, Pakistan, Saudi-Arabien, Ägypten, Algerien und Jemen. Beobachter schätzen die Zahl der selbst ernannten ausländischen Gotteskrieger in Afghanistan auf etwa 6000. Die Taliban bezeichnen sie euphemistisch als Gäste, doch längst bilden sie das Rückgrat der eigenen Herrschaft: Der Einfluss der zumeist arabischen Eiferer auf die Geschicke des von zwei Jahrzehnten Krieg zerstörten Landes ist in den letzten Jahren immer größer geworden. Im Kampf der Taliban gegen die Opposition der Nordallianz stellen sie Tausende von Kämpfern an vorderster Front. Ihre schiere Zahl und ihr Geld sichern den Kämpfern aus dem Ausland ihren Einfluss.

Ausländische Wohltäter

Die ausländischen Krieger haben in Afghanistan Dutzende neue Moscheen gebaut, darunter auch eine große im Taliban-Hauptquartier in Kandahar. Sie finanzierten auch den Wiederaufbau des Militärhospitals in Kandahar. In der Hauptstadt Kabul haben sie etwa fünfzig Bäckereien eröffnet, um die Armen mit Brot zu versorgen. All dies geschah innerhalb der letzten zwölf Monate.

Sollten die Taliban Ibn Ladin an Amerika ausliefern, wäre all dies jäh beendet: die ausländischen Kämpfer würden der afghanischen Führung die militärische Gefolgschaft verweigern und ihr Geld abziehen. Die Taliban hätten sich im fundamentalistischen Lager isoliert und blieben auch in der internationalen Staatengemeinschaft ein Paria.

Ungeliebte Gäste

Was die Lage für die Taliban noch komplizierter macht ist der Umstand, dass viele einfache Bürger und auch Nationalisten in der Führung den wachsenden Einfluss der Araber auf ihr Land mit Missfallen betrachten. Sie verspüren wenig Bereitschaft, für einen Fremden den Kopf hinzuhalten. „Die Leute haben die Nase von den Gästen gestrichen voll“, sagt ein Ladenbesitzer aus Kabul. „Unser gesamtes Leben ist schon in den Flammen des Kriegs aufgegangen, und jetzt kriegen wir noch mehr ab.“

Die Nationalisten innerhalb der Taliban, die die Guerillakämpfer aus dem Ausland am liebsten los würden, fühlen sich zunehmend frustriert. Sie fürchten sich jedoch, offen aufzubegehren. „Die islamischen Krieger sind mächtig, und wenn wir etwas sagen oder tun, landen wir im Gefängnis“, sagt ein Taliban-Nationalist. „Diese Araber stehen nicht auf der Seite unserer Nation. Die verfolgen hier ihre eigenen Ziele. Ich habe Angst um unsere Zukunft.“

INTERVIEW MIT HENNING MANKELL

"Das ist genau das, was Bin Laden wollte"

Mit seinen sozialkritischen Kriminalromanen feiert der schwedische Schriftsteller Henning Mankell weltweit Erfolge. Mit SPIEGEL ONLINE sprach der auch in Afrika lebende Bestseller-Autor über die seiner Meinung nach arrogante Haltung der USA im Kampf gegen den Terrorismus und die Zukunft seines Kultkommissars Kurt Wallander.

Bestseller-Autor Mankell: ''Die meisten Leute hören nicht zu''
ZDF
Bestseller-Autor Mankell: "Die meisten Leute hören nicht zu"
SPIEGEL ONLINE: Herr Mankell, was halten Sie von dem Wallander-Boom in Deutschland?

Henning Mankell: Ich bin dankbar und glücklich, dass ich so viele Leser habe. Das ist der Grund, weshalb ich schreibe. Aber der Erfolg ändert nicht sehr viel in meinem Leben, allenfalls, dass ich häufig auf Reisen gehe und viel Zeit in Deutschland und der Schweiz verbringe.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrem gerade veröffentlichten Wallander-Roman "Die Brandmauer" haben Sie neue Dimensionen des Terrors beschrieben. Eine kleine Gruppe von Menschen versucht, durch Computermanipulationen die Weltherrschaft an sich zu reißen. Waren Sie eigentlich überrascht von den Terrorattacken auf die USA?

Mankell: Das Erste, was ich dachte, war nur: Was für eine fürchterliche Geschichte, das ist der Horror. Der nächste Gedanke war aber: Ich bin nicht überrascht, ich habe darauf gewartet und es kommen sehen. Die Kluft zwischen Armen und Reichen wird seit vielen Jahren immer größer. Die Armen haben nichts zu verlieren. Die Vereinigten Staaten haben sich, so fürchte ich, in vieler Hinsicht ziemlich arrogant verhalten. Die einzige Möglichkeit ist, den riesigen Problemen ins Auge zu sehen. Wir müssen den Palästinensern einen eigenen Staat geben. Wir müssen das Problem der Armut lösen. Wir müssen das Aids-Problem anpacken. Und wir müssen die Emanzipation der Frauen stärken. Das sind die einzigen Möglichkeiten, die wir haben.

SPIEGEL ONLINE: Woher hatten Sie die detaillierten Computerkenntnisse für "Die Brandmauer"?

Henning Mankell

Deutschland im Mankell-Fieber: Drei Romane des schwedischen Schriftstellers sind in diesem Jahr erschienen: "Die rote Antilope" und die Wallander-Krimis "Der Mann, der lächelte" und "Die Brandmauer". Der letzte Fall des beliebten schwedischen Kommissars, "Die Brandmauer", ist eine Woche nach Verkaufsstart schon 200.000-mal verkauft worden. Am 28., 29. und 30. Dezember zeigt das ZDF den Dreiteiler "Die falsche Fährte", in dem Kurt Wallander einen Serientäter jagt.

In Schweden ist der kauzige Kommissar ein Kultstar, und auch in Deutschland sind fast fünf Millionen Wallander-Krimis verkauft worden. Verkörpert wird er im Film von dem schwedischen Schauspieler Robert Lasgaard.

Mankell selbst scheint von all dem ziemlich ungerührt zu sein: Der 53-Jährige kämpft in Schweden und in seiner Wahlheimat Mosambik, wo er ein Theater leitet, für eine bessere Welt.

Mankell: Ich habe die Informationen von einem Hacker. Er ist gerade erst 19 Jahre alt, und es war sehr lustig, mit ihm zusammenzuarbeiten, weil er so clever ist. Heute arbeitet er längst in den USA.

SPIEGEL ONLINE: In "Die Brandmauer" beschreiben Sie einen schwedischen Computerspezialisten, der sich so wie die arabischen "Schläfer" in Hamburg auf seinen Einsatz in aller Stille vorbereitet. Durch die aktuellen Ereignisse wurde Ihr Buch, das schon 1996 entstand, in beunruhigender Weise bestätigt. Fühlen Sie sich wie ein Prophet?

Mankell: Ein bisschen schon. Ich versuche in meinen Geschichten Dinge aufzugreifen, bevor sie passieren, so dass sich die Leute darauf vorbereiten können. Das Schwierige ist nur: Die meisten Leute hören nicht zu.

SPIEGEL ONLINE: Es gibt eigentümlicherweise wenig Protest gegen den Afghanistan-Krieg, während es nach den Terroranschlägen in den USA viele Kundgebungen und Demonstrationen gegeben hat ...

Mankell: In Schweden gibt es Proteste. Auch ich bin gegen diesen Krieg. Es bringt überhaupt nichts. Es muss andere Wege geben, um die Taliban zu stürzen. Wir müssen meiner Ansicht nach die Armut dort bekämpfen. Dann werden die Leute nämlich aufstehen und gegen ihre Unterdrückung durch die Taliban kämpfen. Vielleicht dauert das fünf oder auch zehn Jahre. Aber die Bomben werden gar nichts lösen. Was jetzt in Afghanistan passiert, ist Terror. Das ist genau das, was Bin Laden wollte.

SPIEGEL ONLINE: In Deutschland wird über ein umfassendes Sicherheitspaket gegen den Terror diskutiert. Brauchen wir effektivere Gesetze?

Mankell: Wir müssen verschiedene Dinge anpacken. Unsere Gesellschaft soll geschützt werden. Dazu gehört es auch, dass wir zum Teil unsere Gesetze ändern. Doch das eigentliche Problem, das wir lösen müssen, ist die Kluft zwischen Arm und Reich. Wir können Bin Laden finden und ihn töten. Aber wir werden 50 andere Bin Ladens haben, wenn wir die Armut nicht in den Griff bekommen können.

Wir werden Billionen investieren müssen, um das furchtbare Leid der Leute stoppen zu können. Die USA müssen sich dieser Verantwortung endlich stellen. Die USA sind für die Armen in der Welt das Synonym für Reichtum, nicht die Europäer. Auf CNN gibt es eine Menge Propaganda für den amerikanischen Lebensstil. Täglich wird den Leuten in aller Welt deutlich gemacht: "Wir Amerikaner sind die Reichsten und Größten in der Welt." Dafür werden die Amerikaner gehasst.

"Das ist genau das, was Bin Laden wollte" (2)

Zurück zum 1. Teil

SPIEGEL ONLINE: Nach "Die Brandmauer" wird es keine weiteren Wallander-Romane geben. Warum lassen Sie so eine erfolgreiche Figur in den Ruhestand gehen?

Schauspieler Rolf Lassgard in ''Die falsche Fährte'': ''So muss Wallander aussehen''
DPA
Schauspieler Rolf Lassgard in "Die falsche Fährte": "So muss Wallander aussehen"
Mankell: Ich wollte so lange an dem Stoff arbeiten, wie er für mich interessant war. Jetzt gibt es andere Projekte.

SPIEGEL ONLINE: Kurt Wallanders Tochter Linda wird in die Fußstapfen des Vaters treten ...

Mankell: Ja, das wird sie. Aber ich kann dazu nichts sagen, bevor das Buch nicht da ist. Ich spreche nie über einen Roman, den ich noch nicht geschrieben habe. Wallander wird weiterhin existieren, aber im Hintergrund.

SPIEGEL ONLINE: Wie haben die schwedischen Fans reagiert, als sie hörten, dass die letzte Folge der Wallander-Romane erscheinen sollte?

Mankell: Es gab unwahrscheinlich viele Reaktionen. In vielen Briefen wurde ich gebeten, doch weiterzumachen. Als ich dann aber in der Öffentlichkeit sagte, dass ich darüber nachdenke, über die Tochter zu schreiben, waren sie zufrieden.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind am 19. November bei einer Lesung in Berlin. Lesen Sie gerne vor?

Mankell: Ich lese niemals vor. Ich diskutiere mit den Leuten. Ich mag nicht gerne vorlesen, denn die Leute können meine Bücher selbst lesen.

SPIEGEL ONLINE: Sie sagten einmal in einem Interview, dass die Europäer zu viel fernsehen. Wie passt denn das mit der Verfilmung ihrer Bücher zusammen?

Mankell: Habe ich das gesagt? Ja, ich glaube schon. Das Problem ist, dass viele Leute sehr unkritisch fernsehen. Sie denken überhaupt nicht darüber nach, was sie da machen. Manchmal verhalten sich diese Leute so, als würden sie ewig leben, wenn man sie da vor der Glotze sitzen sieht, eine Stunde nach der anderen. Ich schaue gerne Fernsehen, aber genauso gerne schalte ich es ab.

SPIEGEL ONLINE: Mit dem Film erreichen Sie aber mehr Menschen.

Mankell: Das ist richtig und ein bisschen schwierig für mich als Autor. In Schweden haben 1,7 Millionen Zuschauer den ersten Teil von "Die falsche Fährte" gesehen. Das ist eine verrückte Quote bei acht Millionen Einwohnern. Etwa so, als hätten 20 Millionen Leute in Europa zugeschaut.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben das Drehbuch für "Die falsche Fährte" selbst geschrieben. Wollten Sie alles unter Kontrolle haben?

Bestseller: Wallander-Roman ''Die Brandmauer''
Bestseller: Wallander-Roman "Die Brandmauer"
Mankell: Ich wollte die Drehbücher zu dem geplanten Film gar nicht schreiben. Ich fand es erst ziemlich langweilig, schon wieder damit anzufangen. Aber dann habe ich mit den Filmleuten gesprochen und mich dann für dieses Buch entschieden. Nur so zum Spaß. Ich habe schon viele Drehbücher geschrieben, die nicht auf Bücher von mir zurückgingen.

SPIEGEL ONLINE: Finden Sie, dass der schwedische Schauspieler Rolf Lassgård der ideale Darsteller Ihres Romanhelden Kurt Wallander ist, der ja mittlerweile eine Kultfigur ist?

Mankell: Ich habe ihn ausgewählt. Ich wollte nur ihn haben, keinen anderen.

SPIEGEL ONLINE: Warum nur ihn?

Mankell: Wallander sollte immer von ein und demselben Schauspieler gespielt werden. Und wenn Rolf Lassgård ihn nicht mehr spielen will, dann gibt es eben keine Filme mit Kurt Wallander mehr. Ich kenne Rolf gut, ich habe ihn viele Male im Film und auf der Bühne gesehen. Wir stammen aus der gleichen Generation, haben uns oft getroffen und sind Freunde. Das andere ist seine Physiognomie: So muss Wallander aussehen, habe ich selbst immer gedacht. Es gibt niemanden in Schweden, der nicht festgestellt hat, dass er der perfekte Wallander ist.

SPIEGEL ONLINE: Mit dem Geld, das Sie für den Verkauf der Filmrechte erhalten, unterstützen Sie das Theater in Mosambik, dessen künstlerischer Leiter Sie sind.

Mankell: Ich rede nicht gerne darüber. Das Theater ist natürlich sehr arm, und ich freue mich, dass ich den Leuten dort unter die Arme greifen kann.

SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet Ihnen das Theater?

Mankell: Es ist sehr wichtig für mein Leben. Einige meiner engsten Freunde gehören dort zu den Darstellern.

SPIEGEL ONLINE: Was können wir von den Menschen in Afrika lernen?

Mankell: In unserer westlichen Welt sprechen wir immer nur über die Zukunft. Was kommt dann und was ist jetzt. Wir haben keine Zeit für die Vergangenheit. Wir müssen uns immer nach vorne orientieren. Und wir verlieren gleichzeitig den Bezug zur Geschichte. Die Afrikaner legen großen Wert auf ihre Geschichte und auf ihre Traditionen.

SPIEGEL ONLINE: Kinder spielen in Ihren Bücher eine sehr wichtige Rolle, manchmal verkörpern sie sogar das absolut Böse wie in dem Roman "Die falsche Fährte"?

Mankell: Eines der absolut wichtigsten Dinge in unserem Leben ist es, uns mit der nächsten Generation auseinander zu setzen und vor allem mit ihnen zu sprechen. Es gibt so viele junge Menschen in Europa, die fühlen, dass sie niemals willkommen sein werden, und sie reagieren mit Aggressivität. Deshalb schreibe ich über Kinder und Jugendliche, um zu zeigen, wie es ihnen heute geht, was für große Probleme sie haben.

SPIEGEL ONLINE: Was geben Sie Ihren eigenen vier Kindern für einen Rat, um im Leben klarzukommen?

Mankell: Das Wichtigste ist doch, dass die Eltern mit ihnen zusammen sind, dass sie für sie da sind und ihnen Sicherheit geben. Trotzdem müssen sie ihren eigenen Weg finden.

Das Interview führte Kerstin Schneider

 

KOMMENTAR

Volk oder Gefolge?

Von Markus Deggerich

Der Bundeskanzler will mit der Beteiligung am Anti-Terror-Krieg der USA die deutsche Nachkriegsphase beenden. Der Bundestag soll ihn zu Militäreinsätzen ermächtigen, ohne dass die Öffentlichkeit über Ziel und Verhältnismäßigkeit der Mittel diskutieren kann.

Es wird offenbar ernst mit der uneingeschränkten Solidarität: Kanzler Schröder mit US-Präsident Bush
REUTERS
Es wird offenbar ernst mit der uneingeschränkten Solidarität: Kanzler Schröder mit US-Präsident Bush
Wir sind bereit, uns an militärischen Aktionen zu beteiligen, an Abenteuern nicht. Das hatte der Bundeskanzler dem Bundestag und den Deutschen versprochen. Gemessen daran ist sein Drängen, der Bundestag solle nun der Bereitstellung von deutschem Militär zustimmen und alle weiteren Entscheidungen über Einsatz-Mittel, Ziele und Orte der Bundesregierung (und den USA) überlassen, ein Wortbruch.

Die Bundeswehr ist eine Parlamentsarmee, und das aus gutem Grund. Doch Schröders Plan gleicht einer Ermächtigung, auch wenn sie als demokratisches Feigenblatt auf ein Jahr beschränkt werden sollte. Die Volksvertreter sollen Ja und Amen sagen zur Bereitstellung von Waffen und Menschen für den Kampf unter Führung der USA, ohne zu wissen, wo, wie und zu welchem Zweck sie eingesetzt werden. Das ist abenteuerlich, ebenso wie ein Feldzug durch die afghanischen Berge, die zumindest in der Neuzeit noch nie eine Armee siegreich verlassen hat.

Wir sprechen hier nicht von den hundert Mann Spezialkräften, bei denen Schröder zu Recht darauf hinweist, dass eine öffentliche Diskussion über Operationen von Sonderkommandos unsinnig ist. (Aber auch die muss nachträglich möglich sein). Wir sprechen von schwerem Kriegsgerät und fast 4000 Menschen, die unter deutscher Flagge zur Verfügungsmasse einer Allianz werden, in der die Deutschen, das haben die vergangenen Wochen gezeigt, kaum Einfluss auf Militärstrategie und politische Ziele haben.

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Mit einem Krieg die Nachkriegszeit beenden

Schröder behauptet zwar, das sei anders, aber auch er spricht nur davon, dass die USA ihn bisher und auch weiterhin selbstredend informieren. Doch (nachträgliche) Information ist nicht Diskussion, Beteiligung oder gar Einflussnahme. Ein echter, solidarischer Freund und Partner muss auch unangenehmes sagen dürfen, sonst ist er nur ein Knecht. Schröders Kalkül ist ein anderes und das hat er in den vergangenen Wochen hart durchgesetzt: Wir machen mit und gehören dann zu den Großen, vielleicht auch irgendwann mal mit Mitspracherecht. Deutschland befreit sich aus seiner bequemen Sonderolle der Nachkriegszeit mit der Beteiligung an einem zweifelhaften Krieg.

Der Bundeskanzler offenbart dabei ein seltsames Demokratieverständnis. Noch nie war sein Machtbewusstsein so deutlich ausgeprägt wie in jüngster Zeit. Kritiker werden abgekanzelt, jeder Schuster solle bei seinen Leisten bleiben, Außenpolitik sei seine Sache. So spricht der Basta-Kanzler. Nur dass er damit die Söhne der Schuster in einen Krieg schickt und gleichzeitig beiden abspricht, darüber mitzureden, wohin dieser Krieg eigentlich führen soll und ob er verhältnismäßig ist. Sie könnten es auch gar nicht: Niemand weiß derzeit genau, was die Militärs unternehmen und für die Zukunft planen.

Zu viele Fragen sind offen für einen Blankoscheck

In einem bislang für Demokratie und Öffentlichkeit unbekannten und damit auch gefährlichen Ausmaß bleibt die Debatte über das existenziellste politische Thema der Gegenwart im Spekulativen hängen. Es sind zu viele Fragen offen für einen Blankoscheck der Volksvertretung an die Bundesregierung (die diesen dann vermutlich auch nur weiterreicht).

  
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Wo bleiben die versprochenen Maßnahmen auf wirtschaftlicher, kultureller, politischer, religiöser Ebene zur Terrorbekämpfung und für den Dialog der Kulturen? Ist der Sturz der Taliban tatsächlich das einzige Kriegsziel? Greifen die Amerikaner vielleicht demnächst ersatzweise den Irak an und provozieren damit einen weltweiten Nord-Süd-Krieg? Welche Nachkriegsordnung schwebt der Allianz vor? Was heißt das alles für die Sicherheitslage in Deutschland, von der Schröder behauptet, dass sie sich auch jetzt, nach Bereitstellung von deutschem Militär, nicht verändert habe? Natürlich darf der Regierungschef nicht unnötig Angst schüren. Aber es gehört auch zur Führungsverantwortung, klar zu sagen, dass Deutschland nun erst recht sehr wohl Ziel von Anschlägen sein kann.

Gewohnte Denkmuster und Loyalitäten

Gerade weil die Wahrnehmung zwischen unsicherem Verdacht und realer Gefahr verschwimmt, dürfen sich Öffentlichkeit und Politik nicht ausklinken aus demokratischem Diskurs und in bequem vertraute Denkmuster und Loyalitäten fliehen. Die einen versammeln sich kritiklos hinter dem Kanzler und einem starken Staat, die anderen sehen ihr sorgsam gepflegtes Misstrauen gegenüber Uncle Sam erst recht bestätigt.

Wenn die Diskussion im Bombennebel verschwindet, fühlen viele sich in ihrer antrainierten Parteilogik erst recht wohl. Mit nervösem Blick werden nur noch Aggressionen statt Argumente ausgetauscht. Auf Fragen nach dem Erfolg der seit Wochen andauernden Luftangriffe der USA gegen Afghanistan sagte Schröder am Dienstag schlicht, er habe die Strategie nicht zu kritisieren. Und auf die Nachfrage, ob die Amerikaner außerhalb der Kritik stünden, antwortete der Kanzler: "Was soll das denn?" So ist das, wenn Politik sich dem Glauben ausgeliefert sieht, dass alles gut wird.

Keine Denk- und Diskursverbote

Das zeigt, was eine demokratische Öffentlichkeit in diesen Zeiten dringend leisten müsste. Eine Debatte über Ziele und Mittel der Terrorbekämpfung, die in Berlin mit Macht vermieden wird, kann nur der als Unterminierung der Solidarität mit den USA werten, der selber nicht mehr bereit oder in der Lage ist, nach Antworten zu suchen. Aber es darf jetzt erst recht keine Denk- und Diskursverbote geben. Sie sind das letzte Mittel der Selbstvergewisserung auf niedrigster Informationsgrundlage, der wir nun mal, von unseren Staatslenkern gewollt, ausgesetzt sind. Aber was sonst, wenn nicht die Beteiligung an einem Krieg, ultima ratio jeder demokratischen Politik, bräuchte die permanente Selbstvergewisserung und Überprüfung durch den Austausch von Argumenten?

Historisch nennt Schröder die Entscheidung deutscher Militärbeteiligung zu Recht und dass es dabei nicht um seine persönlichen Befindlichkeiten, sondern das staatspolitisch Notwendige gehe. Aber wenn das so ist, dann muss er erst recht Zweifel und Unsicherheiten ansprechen und zulassen. Der Bundeskanzler muss die Risiken benennen, mehr Information und Beteiligung verlangen und auch bereit sein, selbst zu geben. Er muss neben der militärischen auf eine politische Strategie drängen, statt Loyalitäts-Formeln zu predigen, die den Menschen das Gefühl von Ohmmacht geben.

Dies vom Kanzler einzufordern, obliegt jetzt dem Parlament. Ob es seiner Aufgabe nachkommt, ist zweifelhaft. Eine Zustimmung zum Einsatz, bedeutet Zustimmung zum Krieg. Auch wenn der Kanzler ersteinmal von Bereitstellung redet.

Wenn die freien Gesellschaften jetzt konstituierende Grundlagen wie den offenen Diskurs aushebeln, haben die Terroristen schon etwas gewonnen. Die Deutschen sollen sich an einem Krieg beteiligen. Wir sind das Volk. Oder sind wir nur Gefolge?


MILITÄRSCHULE FORT BENNING

Terrortraining im Auftrag der US-Regierung

Von Christoph Schult

Für die einen sind es Terroristen, für die anderen Freiheitskämpfer. Die USA haben über Jahrzehnte Offiziere und Guerilleros aus Lateinamerika in Folter und Erpressung geschult. Die Militärschule in Fort Benning im Bundesstaat Georgia existiert noch heute - ein Beispiel für die Widersprüchlichkeit US-amerikanischer Außenpolitik.

Einsatztraining in Fort Benning
AFP/DPA
Einsatztraining in Fort Benning
Berlin - Es war der erste Tag der Luftangriffe auf Afghanistan, und George Bush zeigte Entschlossenheit. "Wenn irgendeine Regierung die Gesetzlosen und die Mörder von Unschuldigen sponsert, ist sie selbst gesetzlos und zum Mörder geworden. Und sie wird diesen einsamen Weg auf eigene Gefahr nehmen", drohte der US-Präsident am Tag der ersten Luftangriffe auf Afghanistan.

Ein Ausbildungscamp für Terroristen liegt freilich auch vor Bushs eigener Haustür, im US-Bundesstaat Georgia.

"Western Hemisphere Institut for Security Cooperation" heißt die Militärschule im Fort Benning. Nach Mitteilung auf der schuleigenen Homepage wurde sie im Januar 2001 gegründet. Tatsächlich aber existiert die Militärakademie bereits seit 1946 und hieß vor der Umbenennung "School of the Americas" (SOA).

Zuchtanstalt für Staatsfeinde: Die ''School of the Americas''
AP
Zuchtanstalt für Staatsfeinde: Die "School of the Americas"
In Lateinamerika ist sie besser bekannt unter dem Spitznamen "Schule der Diktatoren". Fast 60.000 Soldaten und Offiziere aus Mittel- und Südamerika kamen über Jahrzehnte in den Genuss des Unterrichts bis 1984 in Panama, danach in Fort Benning, Georgia.

Die Liste der Absolventen liest sich wie das "Who's who" der lateinamerikanischen Diktatorengeschichte: Leopoldo Galtieri, Anfang der Achtziger Chef der argentinischen Militärjunta, die über 30.000 Menschen ermorden oder "verschwinden" ließ. Oder Roberto D'Aubuisson, Anführer von El Salvadors Todesschwadronen. Ein anderer Ex-Schüler wurde erst im Juni dieses Jahres in Guatemala verurteilt: Colonel Byron Lima Estrada ermordete 1998 den Bischof Juan Gerardi. In Chile befehligten Ex-SOA-Schüler die Geheimpolizei von Augusto Pinochet, und auch Panamas General Manuel Noriega rekrutierte fleißig aus der Eliteschule.

Rekrutierte von der Militärakademie seine Schergen: Panamas Diktator General Manuel Noriega
AP
Rekrutierte von der Militärakademie seine Schergen: Panamas Diktator General Manuel Noriega
"Zu ihren Absolventen zählen die meisten der schlimmsten Folterknechte in Lateinamerika", sagte der ehemalige CIA-Agent Philip Agee im Jahr 1999. "Schule der Mörder" nennt sie Pater Roy Bourgeois, Vietnam-Veteran und Gründer der Menschenrechtsbewegung "SOA Watch". Die Schule habe "einige der brutalsten Mörder, einige der grausamsten Diktatoren und einige der schlimmsten Verletzer von Menschenrechten" hervorgebracht, die die westliche Hemisphäre je gesehen habe, so der demokratische Kongressabgeordnete Joe Moakley aus Massachusetts.

Nach offiziellen Angaben sollten die Soldaten und Offiziere den Umgang mit amerikanischen Waffen und Respekt für amerikanische Werte erlernen, zum Beispiel die Achtung der Menschenrechte. Doch sieben Lehrbücher, die das Pentagon 1996 auf öffentlichen Druck veröffentlichen musste, sprechen eine andere Sprache. Sie empfahlen unter anderem Erpressung, Folter, Hinrichtungen und die Verhaftung von Verwandten von Zeugen. Mindestens zwei Dutzend Textpassagen monierte eine interne Kommission des US-Verteidigungsministeriums.

Präsent, aber nicht transparent: Die Internetseite des ''Western Hemisphere Institute''
Präsent, aber nicht transparent: Die Internetseite des "Western Hemisphere Institute"
Dieses "Problem", sagte damals ein Pentagon-Sprecher, sei "1992 entdeckt, ordnungsgemäß gemeldet und gelöst" worden. Daraufhin sei der Stundenplan um ein "Pflichttraining zu Menschenrechten" erweitert worden. Die Methoden seien "Folge eines bürokratischen Versehens" gewesen, so das US-Verteidigungsministerium. Die Lehrbücher seien vernichtet worden, teilten die Militärs mit. Für die US-Regierung war damit dieses dunkle Kapitel ihrer Geschichte abgeschlossen.

Aber noch immer sind SOA-Absolventen mit US-Unterstützung in schmutzige Kriege verwickelt. Noch vergangenes Jahr ermittelte die Organisation "Human Rights Watch", dass sieben ehemalige SOA-Studenten in Kolumbien paramilitärische Gruppen im so genannten Krieg gegen die Drogen leiten und dabei Entführungen und gezielte Morde begingen. Im Februar dieses Jahres wurde einer von ihnen wegen Beteiligung an der Folterung und Tötung von 30 Bauern verurteilt.

Doch als Kongressabgeordnete im vergangenen Jahr versuchten, die Terroristenschule schließen zu lassen, unterlagen sie knapp mit zehn Stimmen. Das Repräsentantenhaus beschloss stattdessen, die Schule unter anderem Namen zu führen. Seit Januar 2001 also heißt sie "Western Hemisphere Institut for Security Cooperation" (WHISC).

KEIN BILD EINGEFÜGT WEIL NIX GEFUNDEN ART:165751/NUM:6-->"Der Ruf der School of the Americas ist so schlecht, selbst wenn sie diese Änderungen umsetzen, bin ich nicht sicher, dass sie weit genug gehen", sagte Demokrat Moakley. "Das ist, als sprühe man Parfum auf eine Müllkippe."

Selbst ein Verteidiger der Militärakademie wie Senator Paul Coverdell aus Georgia gab später zu, dass die Neugründung nichts anderes ist als die Fortsetzung der alten Tradition unter neuem Namen: Die Änderungen seien "grundsätzlich kosmetisch", so der Senator.



IM INTERNET
·  Western Hemisphere Institiute (früher "School of the Americas")
·  School of the Americas Watch (Protestorganisation)

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LUFTKRIEG

USA setzen die Riesenbombe ein

Eine Fläche von über einem Kilometer Durchmesser kann die amerikanische Riesenbombe "Daisy Cutter" in Brand setzen. Mit der Waffe wollen die Amerikaner jetzt gegen die Taliban in Afghanistan vorgehen.

Die größte konventionelle Bombe der Welt: ''Daisy Cutter'' wurden bereits im Golfkrieg abgeworfen
REUTERS
Die größte konventionelle Bombe der Welt: "Daisy Cutter" wurden bereits im Golfkrieg abgeworfen
Islamabad/Washington - Gestärkt von den heftigen Luftangriffen der Amerikaner verzeichnete die Nordallianz am Dienstag offenbar einen strategischen Erfolg im Kampf gegen das Talibanregime. Nach Angaben der privaten afghanischen Agentur AIP verloren die Taliban den wichtigen Bezirk Sari westlich von Masar-i-Scharif im Norden des Landes. Die USA bombardieren seit Tagen die Taliban-Stellungen besonders in dieser Region, um der Opposition die Eroberung der strategisch wichtigen Stadt zu ermöglichen. Nach Angaben von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld wurde die Zahl der US-Spezialtrupps inzwischen verdreifacht, soll aber nach Worten von Pentagonbeamten immer noch unter 100 liegen.

Die US-Luftwaffe griff nach Meldungen von AIP Ziele in insgesamt zehn der 30 afghanischen Provinzen an. Washington sprach von "substanziellen Verlusten" bei den Taliban-Truppen durch die verstärkten Bombenattacken an den Frontlinien. Erstmals setzten die USA dabei nach Medienberichten die Benzinbombe vom Typ "Daisy Cutter" in Afghanistan ein.

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Nach Angaben des Talibansprechers Mullah Amir Khan Mutaki bauen die USA angeblich nördlich von Kabul in einem von der Nordallianz gehaltenen Gebiet einen Flughafen. Dieser werde von den Taliban angegriffen werden. Es gebe "haufenweise Waffen" in Afghanistan, und die USA könnten es nicht wagen, eigene Bodentruppen einzusetzen.

  
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Die Taliban erschweren nach amerikanischen Angaben die US-Militäraktion in zunehmendem Maß, indem sie ihre Unterkünfte verlassen und in Wohngebiete, Kulturzentren oder Moscheen ziehen. Ganze Dörfer würden als "menschliche Schutzschilde" benutzt, zitierte die "Washington Post" am Dienstag einen hohen Regierungsbeamten. Der Zeitung zufolge wächst die Frustration beim US-Militär über die Taliban-Taktik von Tag zu Tag.

In den ersten vier Wochen der Luftangriffe sollen nach einer eigenen Statistik von AIP 633 Zivilisten getötet worden sein. AIP listete Zahlen für 12 der 30 afghanischen Provinzen auf, die auf den Angaben von Informanten beruhten. Da die Taliban bis auf gelegentliche Ausnahmen keine Journalisten ins Land lassen, gibt es keine Möglichkeit, die Zahlen von AIP zu überprüfen. Die Taliban hatten bereits vor einer Woche von 1500 Toten gesprochen.

Ein US-Hubschrauber oder Kampfflugzeug soll nach Angaben der in Pakistan ansässigen Agentur, die sich auf Augenzeugenberichte beruft, in Pakistan abgestürzt sein. Dabei seien in der Nacht zum Montag vier US-Soldaten getötet worden. Das pakistanische Präsidentenamt konnte die Angaben nicht bestätigen. Das Pentagon dementierte den Abschuss.

Pentagon: Al-Qaida kann nicht mehr frei operieren

US-Präsident George W. Bush hat unterdessen die Entschlossenheit der USA bekräftigt, den Kampf gegen den Terror bis "bis zur Ausrottung" fortzusetzen. In einer über Satellit übertragenen Ansprache an eine Anti-Terror-Konferenz von 17 ost- und mitteleuropäischen Staaten in Warschau rief Bush zugleich die Welt auf, an der Seite der USA gegen das "Böse" zu streiten. Bushs Rede war die erste von drei Ansprachen an die amerikanische und internationale Öffentlichkeit, die der Präsident für diese Woche plant.

Die Terroristenorganisation al-Qaida kann sich nach Angaben des Pentagons wegen der unablässigen US-Angriffe nicht mehr frei in Afghanistan bewegen. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Organisation in Afghanistan noch aktiv sei, sagte US-Admiral John Stufflebeem. "Sie haben nicht die Freiheit zu operieren, weil wir unsere Angriffe ständig fortsetzen", sagte Stufflebeem. Deshalb würden die USA die Militäraktion während des islamischen Fastenmonats Ramadan auch nicht unterbrechen. Im Augenblick komme es der al-Qaida darauf an, zu überleben. "Sie ist ganz zufrieden damit, die Taliban für sie arbeiten zu lassen."

 

Turbulente Geschichte der Firma al-Taqwa

Yussef Nada - vom Zementhändler zum Bankier

Die islamisch orientierte Gesellschaft al-Taqwa in Lugano wird von verschiedenen Seiten der Verbindungen zu bin Ladin bezichtigt. Ägyptische Beobachter bezeichnen das als unwahrscheinlich, bestätigen aber die engen Beziehungen des Hauptaktionärs Yussef Nada zu Ägyptens Muslimbrüdern und saudischen Regierungskreisen.

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Bericht: Durchsuchungen bei der Finanzgesellschaft al-Taqwa
Punktlinie

ber. Kairo, Anfang November

Die Gesellschaft al-Taqwa beziehungsweise Nada Management Organization in Lugano ist in den vergangenen Wochen in den Ruf geraten, als verkappte Bank islamistischer Organisationen zu operieren. Laut Handelsregister handelt es sich um eine Dienstleistungs- und Handelsgesellschaft, die vor allem Beratungen bei Handels- und Finanzgeschäften mit arabischen Banken und in der Vermögensverwaltung anbietet. Die Eidgenössische Bankenkommission hatte bereits im vergangenen Jahr geprüft, ob es sich um eine Bank handle - mit negativem Ergebnis. Auch Hauptaktionär Yussef Nada betont, dass durch die Luganeser Firma nie Mittelströme geflossen seien. Dann richtete in Zusammenhang mit den Anschlägen in den USA die Geldwäscherei-Kontrollstelle ein Auskunftsbegehren an die Nada Management Organization. Ende Oktober erklärte die Bundesanwaltschaft, dass Verbindungen zwischen al-Taqwa und dem Terroristen Usama bin Ladin nicht ausgeschlossen werden könnten.

Ablehnende Muslimbruderschaft

Weiter wird Nada verdächtigt, bis heute Beziehungen zur ägyptischen Muslimbruderschaft zu pflegen. Diese 1928 gegründete und verbotene islamistische Organisation gilt zwar heute nicht mehr als extremistisch, doch sind aus ihr die radikalen Gruppen Jamaa al-islamiya und Jihad hervorgegangen. Tatsächlich führen viele Spuren der Taqwa nach Ägypten und zur Muslimbruderschaft. So sind der italienische Staatsbürger Nada und der Schweizer Verwaltungsratspräsident der Firma, Mohammed Mansur, gebürtige Ägypter. Der italienische Partner Nadas, Ghalib Himmat, ist dagegen gebürtiger Syrer. Gemäss Berichten ägyptischer Geheimdienste soll Himmat auch einen Ableger der Muslimbruderschaft in München namens Islamische Gemeinschaft geleitet haben. Während diese sich nach aussen gemässigt gibt, haben laut dem deutschen Staatsschutz Mitglieder wiederholt zum heiligen Krieg aufgerufen und dafür auch Geld gesammelt. Himmat wird seit längerer Zeit vom deutschen Verfassungsschutz beobachtet.

In Ägypten reagieren Mitglieder der Muslimbruderschaft ablehnend, werden sie auf Yussef Nada und seine Bank angesprochen. Der Stellvertreter ihres geistlichen Führers, Maamun al- Hodeibi, betont, keinerlei geschäftliche oder finanzielle Beziehungen zu Nada zu haben. Abgesehen davon verfüge die Muslimbruderschaft über keinerlei Kapital und besitze deshalb auch keine Bankkonten. Ein Interview mit dem offiziellen Sprecher der Muslimbruderschaft führt zu einem ähnlichen Ergebnis: Essam Erean behauptet, die Bank nur dem Namen nach aus der Presse zu kennen. Erst ein drittes Gespräch bestätigt den Verdacht, dass Mitglieder der Muslimbruderschaft Konten bei der Taqwa-Bank besassen. Der Muslimbruder Mahdi Akif bestätigt, bei al-Taqwa Geld angelegt zu haben, als auf den Bahamas noch ein Bankinstitut dieses Namens und unter der Kontrolle Nadas existiert habe. Im vergangenen Frühling habe Nada den Investoren mitgeteilt, dass die Taqwa-Bank bankrott sei. Akif habe sein Geld nicht zurückerhalten. Eine eventuelle Verbindung Nadas zu bin Ladin hält er allerdings für unwahrscheinlich.

Was Akif nicht weiss oder verschweigt, ist, dass die Taqwa-Bank ihre Lizenz in diesem Frühling auf den Bahamas verloren hat und liquidiert wurde. In einem vom ZDF ausgestrahlten Interview nannte der Innenminister des Inselstaats als Grund für die Schliessung die von französischen und amerikanischen Geheimdienstberichten geäusserten Vermutungen, hinter der Firma stecke eventuell eine Geldschleuse von bin Ladin. Nada durfte die Tochtergesellschaft in Lugano behalten, musste aber auf Geheiss der Eidgenössischen Bankenkommission ihren Namen ändern. So wurde aus al-Taqwa die Nada Management Organization.

In Ägypten verfolgt und verurteilt

Ein von der Muslimbruderschaft ausgeschiedenes Mitglied und früherer Freund Nadas kann sich sehr gut an dessen Werdegang erinnern: «Nada begann seine Karriere in Libyen unter dem tief religiösen Sanusi-König Idris. Dorthin war er 1954 geflohen, nachdem die erstarkte Muslimbruderschaft in Ägypten zunächst verboten und ihre Mitglieder kurz danach wegen eines Anschlags auf Nasser verfolgt, verhaftet und zum Teil zum Tode verurteilt worden waren.» Bereits in Tripolis habe der junge Nada sein kaufmännisches Talent bewiesen und sich rasch zum wichtigsten Importeur für Zement hochgearbeitet. 1965 bezichtigte Kairo die Muslimbrüder, eine neue religiöse Organisation mit Umsturzabsichten gründen zu wollen; Nada wurde in Abwesenheit zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Mit der Machtübernahme Ghadhafis (1969) wendete sich das Blatt in Libyen, und Nada drohte nun die Auslieferung. Er setzte sich nach Österreich ab. Das Glück winkte ihm erneut, und innert weniger Jahre wurde er dort zu einem der wichtigsten Grosshändler in Baumaterialien. In Österreich knüpfte er auch zum ersten Mal Beziehungen zu einer Bank. Laut Nadas früherem Freund offerierte ihm der CA-Bankverein in Wien eine eigene Büroflucht; Nada verwaltete im Gegenzug Finanzen für den CA-Bankverein streng nach dem islamischen Gesetz. Damit sei zum ersten Mal in Europa Kapital gemäss der Scharia investiert worden.

1970 streckte Nada seine Fühler nach Saudiarabien aus. Mit Hilfe ägyptischer Muslimbrüder und dank hervorragenden Beziehungen zu Mitgliedern der saudischen Königsfamilie und Geschäftswelt gründete er bald einen Ableger seiner österreichischen Importfirma und ein grosses Bauunternehmen in Riad. 1975 begann der Milliardär aus steuerlichen Gründen eine Verlegung der österreichischen Firma nach Campione am Luganersee zu erwägen. Er erhielt die italienische Staatsbürgerschaft und übersiedelte Ende der siebziger Jahre nach Campione. Doch blieb Nada auch im arabischen Raum aktiv und half das erste islamische Finanzinstitut in Ägypten, die Faisal- Bank, gründen.

Alte Beziehungen weiter gepflegt

Seine früheren Weggefährten aus der Muslimbruderschaft vergass Nada nicht. Noch 1991, aus Anlass der Hochzeit seiner Tochter, habe er alle wichtigen Persönlichkeiten der islamistischen Szene Ägyptens und anderer Länder ins Tessin eingeladen, erklärt Abulela Madi, der damals zu den «Junioren» der Muslimbruderschaft gehörte. Viele der alten Genossen seien Nada jedoch auch in anderer Hinsicht verbunden gewesen, meint sein früherer Freund. Nada habe nämlich 1983 seine islamische Bank al-Taqwa auf den Bahamas gegründet, wo man ihm wegen weitgehender Steuerfreiheit und vorteilhafter Bankgesetze ein günstiges Angebot gemacht hatte. Ganzseitige Anzeigen seien damals in den grossen ägyptischen Tageszeitungen erschienen, in denen Nada aufrief, bei ihm Geld nach der Scharia anzulegen. Als Referenz habe er darin die 500 bekanntesten Namen aus der internationalen islamistischen Szene aufgeführt, die bereits ein Konto bei al-Taqwa eröffnet hätten.

In Ägypten lagen damals die islamischen Finanzinstitute dank der stärkeren religiösen Ausrichtung der Bevölkerung im Trend. Während nur eine kleine Minderheit ihr Geld bei al-Taqwa deponierte, hielten sich rund drei Millionen Ägypter an die einheimischen islamischen Holdings ar- Rayyan, ash-Sherif, al-Hoda und as-Saad. Hier wie dort war es nicht nur die angebliche Übereinstimmung mit der Scharia, die Gross- und Kleininvestoren anzog, sondern auch das Versprechen von der Ausschüttung hoher Gewinnanteile. Während die regulären Banken damals wegen der Geldentwertung nicht mehr als 12 Prozent Zinsen gewähren durften, zahlten die islamischen Holdings regelmässig 20 bis 25 Prozent aus.

1988 kam der grosse Knall. Die islamischen Holdings verloren beim internationalen Börsenkrach 1,5 Milliarden Dollar. Weiter mussten sie nach einem neuen Gesetz in Aktiengesellschaften umgewandelt werden; Spekulation im Ausland mit Edelmetallen und Aktivitäten auf dem einheimischen Devisen-Schwarzmarkt, welche die hohen Ausschüttungen erst ermöglicht hatten, wurden streng verboten. Nada war von den Veränderungen nicht betroffen; er hatte die Taqwa-Bank schliesslich im steuergünstigen Finanzplatz Nassau gegründet. Dort, sagt sein früherer Freund, habe er im Namen des Islam und mit dem Kapital von Muslimbrüdern und anderen Islamisten weiter ein gut gehendes Bankgeschäft betrieben, das - wie alle islamischen Banken - sowohl mit westlichen als auch mit arabischen Finanzinstitutionen engstens verknüpft gewesen sei.

Gewinnbeteiligung statt Zins

ber. Die islamischen Banken und Holdings funktionieren nach dem Prinzip der Gewinnbeteiligung. Dadurch umgehen sie das Verbot der «riba». Mit «riba» wird im Koran die Erlangung von Gewinn ohne echte Leistung, also nach islamischem Verständnis Zins und Wucher, bezeichnet. Die Gewinnbeteiligung basiert auf der altislamischen «mudaraba», gemäss der Kapitalgeber ihr Geld Produzenten zur Verfügung stellen, welche damit Gewinne erwirtschaften sollen. Der Gewinn wird geteilt. Der Prophet Mohammed soll in seiner Jugend als Händler mit seiner späteren Frau Khadija in einem Mudaraba-Verhältnis gestanden sein. Bei Kreditvergabe wird die Zinsfreiheit mit der Erhebung von Gebühren ermöglicht.

Durchsuchungen bei der Finanzgesellschaft al-Taqwa

Verdacht auf Finanzierung von al-Kaida

Lugano 7. Nov. (sda) Gegen die Tessiner Finanzgesellschaft al-Taqwa ist am Mittwoch eine internationale Polizeiaktion eingeleitet worden. Bei Hausdurchsuchungen in Muri (Bern), Lugano, Campione d'Italia und Vaduz beschlagnahmten die Behörden zahlreiche Akten.

In Lugano wurde der Ägypter Youssef Mustafa Nada, Präsident der Nada Management Organisation SA, kurzzeitig festgenommen und verhört. Die Gesellschaft führte bis vor den Attentaten in den USA noch den Zusatz «al-Taqwa» in ihrem Namen und stand wiederholt im Verdacht, Verbindungen mit dem Terroristen Usama bin Ladin und dessen Netzwerk al-Kaida zu haben. Freiwillig bei der Polizei gemeldet hat sich der Ägypter Ali Ghaleb Himmat, der Vizepräsident der Nada Management Organisation SA. Sein Haus in Campione d'Italia am Luganersee wurde von den Carabinieri und der Guardia di Finanza aus Como ebenso durchsucht wie die Villa von Nada.

Laut den italienischen Behörden hatte ein Rechtshilfegesuch der Schweiz die Polizeiaktion ausgelöst. Hansjürg Mark Wiedmer, Sprecher der Bundesanwaltschaft, wollte gegenüber der SDA nur bestätigen, dass in Muri, Lugano, Campione d'Italia und Vaduz Hausdurchsuchungen vorgenommen und Personen befragt worden seien. Verhaftungen habe es keine gegeben.

Die Schweiz, Italien, Liechtenstein und die Bahamas sind am Mittwoch ferner von den USA aufgefordert worden, die Vermögenswerte der Taqwa-Gruppe zu blockieren. Dies gaben amerikanische Beamte in Washington bekannt. Die USA verdächtigen al-Taqwa der Finanzierung von bin Ladins Terroristengruppen. Wiedmer wollte dies nicht kommentieren und verwies auf eine Medienkonferenz vom Donnerstag.

NZZ,8. November 2001, 07:25

Leaders in Kunduz linked to massacres

War on Terrorism: Warlords

By Justin Huggler in Taloqan, Afghanistan
The Independent (UK)
22 November 2001

The desperate men holding out inside the besieged Taliban stronghold of Kunduz in northern Afghanistan are no strangers to murder and massacre – the two most senior Taliban commanders in the city have both been linked to one of the worst massacres that took place in Afghanistan under the Taliban, in which a 16-year-old boy was skinned alive.

And a close ally of Osama bin Laden, a Chechen warlord with a reputation for cutting the throats of Russian prisoners-of-war in public, is the leader of the 2,000 al-Qa'ida fighters also holed up inside Kunduz vowing to fight to the death.

There are growing and well-founded fears of a potential bloodbath in the city. As many as 20,000 Taliban fighters are trapped inside, according to the Northern Alliance, whose forces are besieging Kunduz. The Alliance is desperately trying to negotiate a surrender, but says that more than 10,000 foreign Taliban volunteers, including some 2,000 al-Qa'ida fighters, are vowing to fight to the death.

The United States has harmed hopes of a peaceful surrender. The Defence Secretary, Donald Rumsfeld, said he would rather the al-Qa'ida fighters were killed or imprisoned than allowed safe passage to a third country, as the Taliban have been asking.

And the United Nations, which the Taliban was calling on to guarantee a safe passage for the foreigners, has said it does not have the means to organise one.

If more blood is spilled in Kunduz, the leaders of those trapped inside are men already steeped in it.

The man in charge of Mr bin Laden's men inside Kunduz has been named by the Northern Alliance as Omar al-Khatab. He is known to be an associate of Mr bin Laden, who has had links with him since the eighties, according to Russian intelligence. He fought as a warlord in Chechnya, and the Russians have accused him of triggering the 1999 war in Chechnya by invading the neighbouring Russian republic of Dagestan. He is an ethnic Arab of mixed Saudi and Jordanian descent, and is known for using car bombs.

The Northern Alliance has claimed that most Afghan Taliban are prepared to surrender, and that it is the foreigners alone who are preventing them – all over Afghanistan, the foreigners are becoming the scapegoats for all the crimes of the Taliban.

The two most senior Taliban commanders in Kunduz, Mullah Mohammed Fazil, and Mullah Dadullah, recently travelled to Mazar-i-Sharif to meet the Uzbek warlord, General Rashid Dostum, and negotiate the city's surrender, according to General Dostum's people.

But Mullah Fazil and Mullah Dadullah are far from blameless – and the ruins of an Afghan town called Yakaolang is a testament to why. In January this year, in one of the worst massacres known to have taken place under the Taliban, at least 178 people were tortured and killed by Taliban forces in Yakaolang, a district of Bamiyan province, according to a confidential 55-page report, including eye-witness accounts, prepared by the UN. One of the victims was a 16-year-old boy skinned alive "from head to chest". His body was dumped behind the offices of the British charity Oxfam.

Witnesses interviewed by the Revolutionary Association of the Women of Afghanistan describe unarmed civilians being lined up, their hands tied with their turbans, and then shot in the back. Many were apparently killed by foreign fighters – possibly members of al-Qa'ida. Arab fighters carried long knives used for slitting throats and skinning victims, the witnesses said.

But the man in command of the massacre is named in the UN report as Mullah Fazil. He is the head of the Taliban's army corps, and the most senior Taliban leader believed to be in Kunduz. The report also says that Mullah Mohammed Omar, the Taliban's supreme leader, was in constant contact by radio with Taliban forces in Yakaolang while the massacres were being carried out.

Mullah Dadullah, the next most senior Taliban leader in Kunduz, has also been accused of involvement in the atrocities at Yakaolang in January. And, while Human Rights Watch says it has no evidence that he was in Yakaolang in January, he is known to have been in command of Taliban troops who committed a second "mopping-up operation" in the same town only six months later, in June this year.

Then, Taliban forces returned to the town and burnt it to the ground. Few people were still living in the town, but Mullah Dadullah's men killed many of those that were. His forces then went on the rampage through Bamiyan province, burning the tents of refugees who had fled into the mountains, and killing even the elderly who had stayed behind in the towns.

Mullah Dadullah – a former mujahedin leader who fought against the Soviets and is known to Afghans as Dadullah the lame – is a notorious killer, accused of taking part in massacres all over the country.

The Taliban claimed the motive for its operation in Yakaolang was to send a clear signal to opposition forces allied to the Northern Alliance, for whom it said the town was a base. But a more likely motive was ethnic cleansing. The majority of the victims were ethnic Hazara, who are Shia Muslims. The Hazara have been consistently persecuted for their religious beliefs – and the Taliban, who are Sunni Muslims, took it to new depths.

These are the men in whose hands the fate of Kunduz lies. Yesterday the Northern Alliance said it was distributing ammunition to its soldiers on the front lines around the city.

The accused

Omar al-Khatab

A Saudi-Jordanian warlord who brought his fierce brand of Islam to the Chechen conflict. Named by Russia's secret services as a source of money and logistical help for Islamist brigades who aided Chechen rebels against Russians. He unleashed the last war in Chechnya by leading a disastrous invasion of Dagestan in 1999. Notorious for car bombs and slitting the throats of Russian prisoners-of-war in public.

Mullah Dadullah

Known as Dadullah the lame, he is a senior Taliban commander in Afghanistan's northern zone and in some Taliban government lists is named as the Minister of Construction. He is a notoriously brutal man linked to the most serious atrocities of recent years – the massacre of Hazara civilians this year.

Mullah Fazil

Head of the Taliban Army Corps and a hardline member of the six-man Taliban ruling council. Responsible for numerous human rights abuses and a key link between the Taliban and al-Qa'ida fighters, including the massacre of Uzbeks in Mazar-i-Sharif.


Taliban to surrender in Kunduz today: Oppn

via The Times of India
November 22, 2001

KABUL: Nearly all the Taliban fighters in the northern Afghan city of Kunduz have agreed to surrender, a Northern Alliance commander said Thursday, ahead of an alliance-imposed deadline to give up or face military action.

"About 97 per cent of the Taliban are to surrender. And we are going to fight those who refuse to lay down their arms," said Makhmoud Safdar, deputy to Northern Alliance General Nazir Mahmad.

"One way or another, we are entering the city of Kunduz today," he said.

Meanwhile, the US military stepped up efforts to cut off possible escape routes for top terror suspect Osama bin Laden, with naval patrols conducting stop and search missions aboard merchant vessels leaving Pakistan.

Bin Laden and members of his al-Qaeda network of terror operatives are suspected of being behind the September 11 attacks in the United States that left some 4,000 people dead, according to a revised toll released Wednesday.

Several hundred US commandos are searching for Bin Laden in Afghanistan, and US aircraft continued to bomb caves suspected of being Taliban and al-Qaeda hideouts, amid reports that the Saudi-born militant has told followers to kill him before he is captured by US troops or Afghan opposition forces.

On the front lines, Northern Alliance troops backed by US bombers have surrounded the city of Kunduz, the Taliban's last northern stronghold, threatening to overrun it for the past week.

They had imposed a Thursday morning deadline for the Taliban fighters to surrender or face a military offensive.

Local sources say 3,000 to 9,000 fighters, including Pakistanis, Arabs and Chechens linked to al-Qaeda, are trapped in Kunduz.

The Northern Alliance has put their number at nearly 30,000, but the sources say this probably includes a sizeable Pashtun civilian community living in the area.

Libyan leader Moamer Khadafi on Wednesday proposed that the holdout Arab fighters for the Taliban in Kunduz be repatriated, in an effort to avert an all-out bloodbath.

The apparent breakthrough in Kunduz comes after rival anti-Taliban factions agreed Tuesday to a UN-sponsored meeting in Bonn, Germany, to forge a new, broad-based administration for the war-torn country.

But in an interview published in the wake of the agreement, Northern Alliance leader Burhanuddin Rabbani, Afghanistan's UN-recognized president, said he saw the upcoming talks as "insignificant."

The conference, scheduled for Monday, "is important, but does not touch the most prominent problems," Rabbani told the Russian daily Vremya Novosti.

But even with the Taliban regime in tatters, US President George W. Bush cautioned against excessive optimism.

"The most difficult steps in this mission still lie ahead, where enemies hide in sophisticated cave complexes located in some of the most mountainous and rugged territory," Bush told US troops at a military base in North Carolina.

The US president said Washington would persevere, finding and destroying bin Laden's network "piece by piece."

The Pentagon backed Bush's promise by launching its search operation off the Pakistani coast to cut off bin Laden's potential escape by sea.

"It's not as if we're stopping every ship, but if we have reason to suspect that they're helping the senior al-Qaeda leadership, then we have put out notice that we will board those ships and inspect them," Pentagon spokesman Lieutenant Colonel David Lapan said of the operation, which began Tuesday.

A Saudi newspaper reported Wednesday that Bin Laden had told his aides to kill him if his capture becomes inevitable.

"Bin Laden has informed a number of people close and dedicated to him that he is living his last weeks or days," Al-Watan wrote, quoting "US and European diplomatic sources."

"He refuses to allow Americans, or members of the Northern Alliance, to kill him, and also refuses to be taken prisoner by them because that will be a major defeat for him," the daily said.

Washington ridiculed statements from the Taliban suggesting they had lost contact with the Saudi-born suspect and no longer know his whereabouts.

"This statement by the Taliban that they don't know where he is -- it's kind of late in the movie for Bonnie to say she doesn't know where Clyde is," State Department spokesman Richard Boucher said.

He referred to the 1967 film "Bonnie and Clyde" in which Faye Dunaway and Warren Beatty portrayed the notorious real-life hoodlums Bonnie Parker and Clyde Barrow who terrorized the American Midwest during the 1930s before being killed in a hail of gunfire.

Younis Qanooni, the Alliance's interior minister, told AFP that bin Laden is still in southern Afghanistan, but sometimes travels to secret hideouts in Pakistan -- a claim swiftly and angrily rejected by the Islamabad authorities.

Meanwhile in the Uzbek capital Tashkent, General Tommy Franks, head of the US military campaign in Afghanistan, said the United States could deploy more ground troops in Afghanistan to reinforce special forces already there.

On Tuesday, the Pentagon said some 2,300 US Marines were awaiting orders to back up other US forces operating in Afghanistan.

The Northern Alliance, however, has opposed any further foreign troop deployments. British Foreign Secretary Jack Straw, who will visit Tehran and Islamabad on Thursday, said London would not deploy troops in anti-Taliban areas without first consulting the Northern Alliance.

Around 100 Royal Marine commandos flew into Bagram air base near the capital Kabul on November 15 to prepare the ground for several thousand more British troops to help protect aid supplies -- a move received coolly by the Alliance.

A French advance party of 58 marines sent to secure the airport in the strategic northern city of Mazar-i-Sharif to ensure aid distribution has been blocked since last week at Uzbekistan's Khanabad air base and is still negotiating entry into Afghanistan with Northern Alliance commanders.

As Washington and its allies bolstered its presence in the region, a Taliban spokesman vowed to fight on, arguing the militia had sufficient power to defend its other remaining stronghold, the southern city of Kandahar.

"At present, our forces in Kandahar and surrounding provinces ... are enough to defend our present controlled areas," Taliban spokesman Syed Tayyad Agha told a news conference in Spin Boldak, near the Pakistani border.

In New York, the UN Security Council described as "indispensable" the Bonn conference, which was agreed on Tuesday in Kabul after three days of talks between UN and Northern Alliance officials.

Meanwhile, Japanese special representative Sadako Ogata said in Washington the cost of rebuilding Afghanistan has been tentatively estimated at $10 billion. ( AFP )


Taliban Say Will Surrender Kunduz, Fight in South

By Sayed Salahuddin and Nikolai Pavlov
Wednesday November 21 10:37 PM ET

KABUL/MAZAR-I-SHARIF (Reuters) - Afghanistan's Taliban agreed on Thursday to surrender in the besieged northern enclave of Kunduz, but the fundamentalist militia has vowed to defend to the death their remaining southern strongholds.

Kunduz Taliban commander Mullah Faizal told reporters after talks with Northern Alliance warlord General Abdul Rashid Dostum that the thousands of Afghan Taliban and foreign al Qaeda fighters in Kunduz were ready to lay down their arms.

``There will be peace,'' he said.

But talks in the city of Mazar-i-Sharif, seized by the anti-Taliban Northern Alliance earlier this month in their first major victory against the militia, were still going on to discuss details of the surrender, Dostum told reporters.

Capturing Kunduz would allow the Northern Alliance to open up strategic routes into neighboring Tajikistan.

But the city's strategic value was not the main factor in the Taliban's bitter defense of Kunduz. Instead, the besieged forces were simply fighting for their lives.

The Northern Alliance says Afghan Taliban troops in the city have been ready to surrender for days, but their Pakistani, Arab and Chechen comrades, linked to the al Qaeda network of Osama bin Laden, were fighting to the death, knowing Northern Alliance forces would show them little mercy if they surrendered.

Faizal said all Taliban forces in the city -- Afghan and foreign -- were under his control and would surrender.

EXECUTIONS

But it was not clear whether he could persuade the foreign fighters to give in -- Northern Alliance commanders and Taliban defectors have said al Qaeda fighters in Kunduz were refusing to take orders from Afghans and executing Afghan Taliban troops who wanted to surrender after days of pounding by U.S. bombs.

Many refugees were fleeing the area.

``We left because of the bombing,'' one refugee, Abdullah, told Reuters. ``On the street next to ours, 14 members of the same family were killed when a bomb fell on their house. Only the father and a little daughter survived. So we decided to leave.''

Surrender in Kunduz would leave the Taliban in control only of their southern bastion of Kandahar, home of their supreme leader Mullah Mohammad Omar, and nearby provinces.

Despite 47 days of U.S. bombing to punish them for harboring bin Laden, suspected mastermind of the September 11 hijacked plane attacks on the World Trade Center and Pentagon, the Taliban say they will defend their southern strongholds to the death.

On Wednesday a spokesman for Mullah Omar broke weeks of silence to demand an end to U.S. bombing.

At a news conference in the Afghan border town of Spin Boldak, 25-year-old spokesman Tayab Agha said the Taliban ``hope mighty Allah will break America.''

``You should forget the September 11 attacks because now there is new fighting against Islam,'' Agha said, wearing a black turban and flanked by Taliban fighters armed with Kalashnikov rifles.

He said the September 11 attacks were ``not something connected with Afghanistan'' and ``not our problem.''

HUNT FOR BIN LADEN

Asked whether the Taliban were still in contact with bin Laden, believed by the United States to be hiding somewhere in the rugged hills of southern Afghanistan, Agha said: ``There is no relation right now, there is no communication.''

He said the Taliban did not know where bin Laden was.

``We have no idea where he is because our areas are limited now to three or four provinces, so we do not know where he is.''

The Taliban had special secret channels to contact the fugitive millionaire but for the moment had no need to stay in touch, he said. ``We do not need to see him,'' Agha said.

The United States has been relentlessly bombing Kandahar, spiritual home of the Taliban and still firmly under their control, according to Afghans arriving at the Pakistani border.

But bin Laden and the reclusive Mullah Omar remain at large.

U.S.-led forces have been scouring southern Afghanistan for the militant Saudi-born millionaire, using forces on the ground and unmanned Predator planes which have fired Hellfire anti-tank missiles at locations where he is suspected of hiding.

The U.S. military is broadcasting radio messages into Afghanistan offering rewards of up to $25 million for information leading to the capture of bin Laden and his top lieutenants.

But capturing bin Laden -- and driving the Taliban out of Kandahar -- will be a challenge for the U.S.-led coalition.

Tribal leaders in south Afghanistan, ethnic Pashtuns like most of the Taliban, say they are trying to negotiate a peaceful settlement and warned the Northern Alliance not to march on Kandahar.

ETHNIC TENSIONS

The capture of Kabul on November 13 by the Alliance, dominated by minority Tajiks and Uzbeks, has worried Pashtuns, who are the largest Afghan ethnic group.

They fear the Alliance might seek to cling to power rather than build an inclusive government that represents all of Afghanistan's myriad ethnic groups and political factions.

Afghans well remember the vicious civil war of the 1990s, when mujahideen leaders who now make up the Northern Alliance turned on each other in a bitter power struggle that unleashed almost daily rocket attacks on Kabul and killed some 50,000 of the capital's residents in five years.

Trying to avoid a rerun of that bloody chapter, the United Nations has persuaded rival factions to attend round-table political talks in a castle outside Bonn next Monday.

The Northern Alliance said its delegation would be led by Interior Minister Yunus Qanuni. Former King Zahir Shah, 87, in exile in Rome, will also be represented.

The U.N. says all ethnic groups, including the Pashtuns, will have a voice at the talks. But the Taliban will not be invited.

The talks will try to build a provisional council that will pave the way for a traditional Loya Jirga -- a grand assembly of faction chiefs and tribal elders -- to select a transitional government until a constitution is adopted and elections held.

But cobbling together a coherent administration out of Afghanistan's mosaic of antagonistic factions and ethnic groups, divided by centuries of mistrust, will be a daunting task.

``We are hoping to accomplish as much as the Afghan participants are willing to accomplish,'' said Francesc Vendrell, U.N. special envoy to Afghanistan.


Govt can't save Pakistanis in Kunduz: FO

By Mariana Baabar
The News: Jang (Pakistan)
November 22, 2001

ISLAMABAD: The Foreign Office on Wednesday made it apparent that there was little that Islamabad could do about the fate of the non-Afghans, including Pakistanis, fighting for their lives in Kunduz.

The US had already announced that these fighters should be killed and given no amnesty. The spokesman said: "Yesterday President Pervez Musharraf called the British Prime Minister Tony Blair and asked him to prevail upon a situation which should receive a humanitarian response for the people siding with the Taliban."

"According to the UN security resolution 1378, all Afghan forces have to prevent the violation of human rights. Pakistan has requested the UN to take cognizance of this threat and prevent massacres, which were seen in Herat and Mazar-i-Sharif. We understand that the Taliban delegation in Kunduz was meeting the Northern Alliance to work out terms of conditions of surrender. But there is little Islamabad can do about it," spokesman Aziz Khan said at the regular briefing.

The UN Special Envoy on Afghanistan, Lakhdar Brahimi, has already confessed that "the United Nations cannot, (as it) has no means, (and) is not present on the ground, unfortunately, accede to this request". As Pakistan is trying to save their desperate citizens in Kunduz, its neighbours are moving fast to open diplomatic missions in Kabul, while treating former president Rabbani as the de facto head of state. Iran, India, Russia and even France are said to be opening up their missions soon. Indian diplomats are already in Kabul to explore opening of their mission and the embassy. Khan responded: "Diplomatic accreditation will be given by the transitional government in Afghanistan. Some countries have had relations with Professor Rabbani. If some countries open missions, this does not mean that they recognize the present group in Kabul," he said.

There appears confusion on remarks made by Inter-Services Public Relations (ISPR) chief Maj-Gen Rashid Qureshi, who said that all those Afghans who had proper documents could come into Pakistan. When asked who would ink these documents (visas for both countries) since the Taliban missions were not functioning in Pakistan, and Islamabad had withdrawn its missions from Afghanistan, Aziz Khan came to his rescue to say: "Well, some Afghan refugees have passes, which they could use and certain journalists have valid visas."

When Aziz Khan was asked about the remarks of a spokesman of the Coalition Information Service, who had said that no Taliban moderate or otherwise would have any place in any future Afghan set-up, he replied: "Paksitan's position is that all Afghans should participate in the meeting in Germany next week. Representatives from all the ethnic groups have been invited. Our expectations are that there should be progress so that an interim government is formed, which will bring peace. The UN and the international community is supporting this." In this regard, he said even the Northern Alliance would participate where there would be an exchange of ideas."

Earlier, Khan announced that some foreign dignitaries would be visiting Islamabad in coming days. He said minister for state for foreign affairs of Portugal meet the Pakistan foreign secretary on Wednesday and discussed bilateral relations and the situation in the region, especially Afghanistan.

The Japanese Foreign Minister, Matiko Tanaka, will arrive on November 23 for a three-day visit and is expected to visit a refugee camp in Peshawar. She will also meet President General Pervez Musharraf. The Vice Foreign Minister of China, Wang Yi, will arrive on November 26 for a two-day visit and will discuss arrangements for President Musharraf's visit to Beijing. British Foreign Minister Jack Straw arrives on Thursday (today).

Qureshi said that security had been beefed up at the Pak-Afghan borders so that no unauthorised person could enter. He repeated the steps that Pakistan had taken in this regard including reinforcement of Pakistani troops.

APP adds: Maj-Gen Qureshi also denied reports of any clashes on the Pakistan-Afghan border. About tension on the Line of Control (LoC), Qureshi said of late, during the last four, five days there has not been any escalation. He, however, said that there had been a substantial increase in the acts of repression in the held Kashmir.

When asked to comment on the statement of ousted Afghan president Rabbani that the Berlin meeting is of "symbolic significance", Aziz Khan said: "This may be his personal viewpoint." He added that the Northern Alliance had agreed to participate in the proposed meeting for the formation of an interim set-up and subsequently a broad-based, multi-ethnic government in Afghanistan. He said the meeting is taking place to devise ways and means for the transitional set-up and there is no question about that.


Indonesian Volunteers in Afghanistan Flee to Pakistan

JAKARTA, Nov 22, 2001 (Xinhua) -- Of 300 Indonesian volunteers who went to assist the Taliban in Afghanistan to oppose United States military actions, 150 have reportedly survived by fleeing to Pakistan after the fall of Kabul, the Antara News Agency reported Thursday.

Antara quoted Chairman of the Islamic Youth Movement(GPI) Suaib Didu as saying that he had received reports that 150 of the volunteers had left Kandahar and entered Pakistani territory.

"The volunteers now are divided into five groups. From our latest contacts, I learned that 150 volunteers have entered Pakistan safely, 50 others are trying to enter the border areas and the rest continues to fight along side the Taliban inside Afghanistan," Suaib said.

He said that the 100 diehard volunteers would neither surrender to the opposition Northern Alliance nor return home.

"They are waiting for the arrival of a United Nations peacekeeping force. The volunteers will monitor whether the force really carries out its mission neutrally," he added.

Meanwhile, Foreign Affairs Ministry spokesman Wahid Supriyadi said the ministry knew nothing about the presence of Indonesian volunteer combatants in Afghanistan. It only knew about a humanitarian mission being performed by five doctors grouped in the Rescue Emergency Medical Team.

He said the government had also monitored the fate of some 200 Indonesian citizens living in Pakistan. None of them had travelled to Afghanistan.

Separately, Minister of Foreign Affairs Hassan Wirayuda Wednesday said Indonesia would only be interested in joining a U.N.-led peacekeeping force in Afghanistan and not one organized by a coalition of willing nations.

Coordinating Minister for Political and Security Affairs Susilo Bambang Yudhoyono said that Indonesia would wait for a comprehensive solution to the Afghanistan conflict before committing itself to any peacekeeping force.


Tribal leaders say Omar's men
will make deal to leave Kandahar

War on Terrorism: Kandahar

By Terri Judd
The Independent (UK)
22 November 2001

Tribal leaders did not appear to lend much credibility to the Taliban's vows to fight to the death on Wednesday, insisting they would eventually reach a peace deal.

As Mullah Mohammed Omar's people spoke of a defiant stand, the Taliban's foothold in southern Afghanistan's Pashtun tribal belt was said to be shrinking beneath their feet.

Local chiefs said they had been urging the Taliban to surrender their stronghold of Kandahar. The Popalzai tribal nobleman Hamid Karzai, a supporter of the former kingZahir Shah, said some tribes in the western province of Helmand had rebelled, while almost all of central Oruzgan province was in opposition hands. "More districts have fallen to popular uprisings in Helmand and almost all the districts in Oruzgan have gone," Mr Karzai said.

Whatever the signs of defiance, Pashtun leaders said tribal allegiance is likely to win through, and a deal will be struck between opposition and Taliban Pashtun commanders.

Tribal chiefs said negotiations were continuing with Taliban commanders in Kandahar for a peaceful surrender of the ancient walled city. The talks, aimed at winning agreement for the establishment of a loya jirga, or grand council, to be presided over by Zahir Shah, have not resulted in any agreements.

They insisted that they wanted to end the stand-off in Kandahar – an area which has changed hands countless times and seen constant feuds since the days of Alexander the Great – without further blood shed.

"The result [of negotiations] is not clear right now," said Abdul Khaliq, a member of the influential Noorsai clan. "He [Mullah Omar] is still in charge."

Yet news emerging from Kandahar offered conflicting reports. Travellers insisted the Taliban had imposed a curfew and beefed up positions at Spin Boldak. Some say their forces are moving towards Arghastan, where the former Kandahar mujahedin commander Gul Agha is operating with a small army of 1,000 anti-Taliban fighters.

But Mohammed Yusaf Pashtun, a spokesman for Gul Agha, said: "Everybody knows the morale of the Taliban has broken down."

Stories of Taliban military manoeuvres seem to back up reports that Mullah Omar remains determined to regroup. The Baluchistan Times newspaper of Quetta reported that he had named Mullah Akhtar Usmani, the military commander of five southern provinces, as his successor should he die. But even in his sleep it seems he remains determined to fight to his last breath. He has, it was claimed, had a prophetic dream in which he ruled Kandahar for as long as he lived.


Mullah Omar's top aide pledges a fight to the death

Jonathan Steele in Spin Boldak
Thursday November 22, 2001
The Guardian (UK)

Mullah Mohammed Omar's closest aide yesterday delivered a direct message to the world's press, claiming that the intense bombing of the Taliban's last stronghold had failed to dent their spiritual leader's morale, and vowing that they would never surrender but would fight the US-led coalition to the death. In a 45-minute press conference at a foreign ministry compound that has been converted into a media camp, 60 miles south-east of Kandahar, Tayyeb Agha, the 28-year-old protege of Mullah Omar, painted a picture of the Taliban as a movement unbowed by 46 days of US bombing.

The UN had lost its authority by allowing the US and Britain to attack Afghanistan, he said. Foreigners had never brought peace and stability to the country. The war was a war on Islam. Islamic governments might be part of the US-led coalition, but the people of the "umma", the Islamic world community, were with Afghanistan.

Taliban forces had retreated from Kabul and the north in good order and were ready to defend their heartland, he said. They were "well-disciplined and enough", numbering in the "thousands". Although the movement only controlled three or four provinces, the time would come when it would retake the rest.

"This is not new. At the time of the prophet, he suffered defeats and his supporters were killed and they retreated. But in the end they were victorious", he went on.

There was no bombast when he said that the Taliban would not surrender. "The people of Kandahar and the surrounding provinces are with us, they have promised to fight for us. We cannot surrender because they have given so many sacrifices for Islam. They are ready for any kind of sacrifice to serve our nation."

Although the Taliban had withdrawn from Mazar-i-Sharif, Kabul, Herat and several other cities to protect people from the bombing, they would not do so in Kandahar. This was because people had seen the looting and killing that had happened in those cities and they did not want it repeated in Kandahar.

The reason for meeting the media, Mr Agha said, was primarily to reject recent reports that Pashtun leaders were negotiating with the Taliban about the surrender of Kandahar city. "You may have heard reports of contacts. We can say this is also a kind of fighting by our enemies against us by means of propaganda," he said. "No elders have contacted us about transferring power. These elders were with us, are with us and will be with us. They have made a lot of sacrifices to defend us."

Although he repeatedly described the US-led air strikes as a war on innocent civilians, he did not produce absurdly high figures for dead and injured. "Around 2,000" civilians were casualties of the bombing, a figure which most independent analysts would accept as probable after seven weeks of attacks. He would not give a figure of Taliban deaths, but said there had been "many".

Mr Agha began the conference with a potted history of how the Taliban movement had started in Kandahar as a disappointed reaction to the way the mojahedin factions had begun shelling each other after the communist regime collapsed in 1992. "This caused anarchy in the country, looting, killing, and the robbery of innocent people. It was a time for Muslims to do something for people's security. The Taliban movement, based in Kandahar, had a programme to help. With the help of almighty Allah and the support of the nation, the Taliban got control of Kandahar and the surrounding provinces. When peace and security was achieved, people in other provinces requested the Taliban forces to enter their provinces and take control," he said. "Step by step our forces took control of 95% of Afghanistan and implemented Islamic sharia law. We created the Islamic Emirate of Afghanistan, not to get power, but to bring Islamic law."

Now they had to resist being driven back because it was their Islamic duty, he said. "We want to satisfy our nation and the Islamic world community and try our best to defend our nation and our religion as long as we are alive. The responsibility remains on our shoulders. It is not by choice, but by compulsion from Allah to save our people."

Mullah Omar was in a Taliban-controlled area and would never leave or surrender, Mr Agha said.

He spoke of the US more in sorrow than anger. "Our Islamic system and sharia law caused differences between our government and the United States. Gradually these differences, which were initially on paper, developed until they reached as far as a military attack on the Muslims of Afghanistan. It became an attack on us in the name of a strike on terrorism."

Where was the UN when this attack started, he asked. "The UN works under US instructions. We cannot say the UN rules. America rules the UN."

Kandahar has come under fierce American bombardment in the past two weeks, but Mr Agha said he had left the city yesterday morning to make the 60-mile drive to the border town of Spin Boldak, where several dozen journalists have been allowed to come in."The situation is very calm and normal," he claimed.

He promised to take journalists to Kandahar to see for themselves, but declined to say when.


Bin Laden tells aides to kill him if trapped

BY MICHAEL THEODOULOU
THE TIMES (UK)
NOVEMBER 22, 2001

OSAMA BIN LADEN has ordered his aides to shoot him dead if American forces trap him in his mountain lair, according to reports circulating Saudi Arabia yesterday. One of his sons was among those he had asked to reward him with a “martyr’s death” to spare him the shame of being captured by “infidel” forces.

The world’s most-wanted man was also said to have videotaped a will, in which he will call on his supporters to continue attacking America.

Bin Laden’s melodramatic death wish was revealed to CIA agents in Afghanistan by Taleban turncoats. It was said to have convinced the Bush Administration, which has put a $25 million (£17.5 million) bounty on his head.

“Bin Laden has given precise instruction to his closest aides, who will remain by his side until the end, to shoot him if he becomes surrounded by US troops and cannot escape,” al-Watan, the Saudi daily, reported. He had confided to aides that he realises that he is “living his final days and months”.

Citing American and European diplomats, al-Watan said that the Saudi fugitive was in a fortified mountain hideout, which he had built near the southern Taleban stronghold of Kandahar.

With the flow of intelligence improving, the US has intensified the hunt for bin Laden. Several hundred US special forces are combing areas where he could be hiding and the CIA has been using unmanned Predator aircraft to scour the mountains. Washington is doubling to 1,600 the number of US Marines on ships near Afghanistan to help to track down bin Laden and al-Qaeda members.

Taleban defectors have told US agents that they believe that bin Laden is now constantly on the move with his four wives and children, protected by loyal members of al-Qaeda. Al-Watan said that since the fall of Kabul he had been on the run with 200 al-Qaeda fighters.


US sends new spy plane to find Bin Laden

Nicholas Watt, Ewen MacAskill
and Jonathan Steele in Kandahar province

Thursday November 22, 2001
The Guardian (UK)

America and her allies are rushing new military hardware to Afghanistan and the Indian Ocean as the west intensifies the hunt for Osama bin Laden and his al-Qaida network. Washington, which said yesterday it hoped Bin Laden would be killed, is to send a reconnaissance drone to track the al-Qaida leader from an altitude of 20,000 metres (65,000ft). The Global Hawk flies faster and higher than the Predator drone which has already been deployed successfully over Afghanistan.

The French prime minister, Lionel Jospin, announced that France would send its only aircraft carrier, the nuclear-powered Charles de Gaulle, to the Indian ocean to prevent the al-Qaida leadership escaping from the region by sea.

The US Navy served notice on Tuesday that it would step up its efforts to prevent a maritime escape by stopping and boarding merchant shipping off the coast of Pakistan.

The new deployments show that the allies are not taking any chances over Bin Laden.

The Pentagon said yesterday that its warplanes were targeting "Taliban on the run" and "fleeing al-Qaida terrorists in tunnels and caves around Kandahar".

The US defence secretary Donald Rumsfeld gave a glimpse of Washington's thinking in private when he was asked on the CBS 60 Minutes II programme whether he wanted to see Bin Laden killed. "Oh, my goodness gracious, yes, after what he's done," Mr Rumsfeld said. "You bet your life."

His remarks came as a Saudi newspaper said Bin Laden had ordered his aides to kill him if he was in danger of falling into the hands of US forces.

General Richard Myers, head of the US joint chiefs of staff, said Bin Laden was "on the run" inside Afghanistan, constantly changing his hiding places.

Speaking at Nato headquarters in Brussels, Gen Myers said it was hard to get "an accurate fix" on the terrorist leader because he kept moving from place to place.


'Osama has hideouts in Pakistan'

The News: Jang (Pakistan)
November 22, 2001

KABUL: Osama Bin Laden is still in southern Afghanistan but also travels to secret hideouts in Pakistan, a senior Northern Alliance official said on Wednesday. "Osama is still in southern Afghanistan," alliance interior minister Younis Qanooni told AFP. "He sometimes travels to Pakistan where he also has secret places," Qanooni said. The claim prompted a swift and angry denial from Islamabad. "There is absolutely no truth in this. Osama bin Laden has never been to Pakistan," said government spokesman Anwar Mahmood.


Bush warns of bloody war ahead

By Ben Fenton in Washington
The Telegraph (UK)
November 22, 2001

PRESIDENT BUSH steeled America yesterday for a bloodier stage of the war in Afghanistan as US ground troops prepared to join the conflict.

With the Taliban warning the world not to write them off, Mr Bush cautioned Americans against premature triumphalism. "The most difficult steps in this mission still lie ahead."

As more than 1,500 marines were making ready to enter the arena this week, Mr Bush chose the eve of Thanksgiving Day to issue his solemn warning.

He told an audience of airborne soldiers at Fort Campbell in Kentucky that America was achieving what it had set out to do: destroying al-Qa'eda terrorists and their Taliban hosts.

"We are seeking them, we are finding them and one by one we are bringing them to justice," he said. "We have made a good start in Afghanistan, yet there is still a lot to be done."

The president made it clear that finding Osama bin Laden could take a heavy toll in American blood.

Despite the rout of the Taliban so far, there were still heavily fortified cave systems in difficult mountainous terrain, defended by fanatics. The mission would require "sacrifices by our men and women in uniform".

As the Americans launched their heaviest bombing raids of the war despite the Muslim holy month of Ramadan, bin Laden was said to have vowed not to be taken alive.

Saudi Arabia's al-Watan newspaper said that Taliban defectors had told CIA agents that "bin Laden has given instructions to his closest aides to shoot him if he is surrounded and cannot escape. The US administration knows this and believes it will not catch him alive."

The White House has become concerned that it could face demands from the Arab world and western governments for a ceasefire if the Taliban surrender in their last strongholds of Kunduz and Kandahar.

So the most senior messengers of the White House and the Pentagon were sent out to try to counter perceptions that peace was about to descend on Afghan territory.

Gen Richard Myers, the Americans' most senior officer, told a Nato audience in Brussels that his orders were to prosecute a war well beyond the killing or catching of bin Laden.

"If bin Laden were to show up today, or to be pronounced dead or in captivity today, that would not end this particular part of the war," the chairman of the joint chiefs of staff said.

"We are after also the al-Qa'eda leadership, in which there are several tens of leadership personnel that we need to bring to justice. Bin Laden is just one of those."

At the first press conference inside Taliban-controlled Afghanistan since the fall of Kabul last week, a spokesman for Mullah Mohammed Omar, the movement's leader, said that communication with bin Laden had been lost since bombing began.

Tayab Agha said he thought that bin Laden was outside the southern areas still under Taliban control. He derided as "baseless propaganda" reports that Mullah Omar was negotiating to hand over power to southern Pathan tribal leaders.

During a speech to soldiers at Fort Bragg in North Carolina, Donald Rumsfeld, the American defence secretary, read a letter from a special forces soldier in Afghanistan.

It said that at one point in the campaign an American unit had been close to being overrun by a Taliban attack. It was saved by the intervention of aircraft.

Speaking on television later, Mr Rumsfeld said he would rather see bin Laden dead than alive. The Taliban remained "a potent and dangerous force".


Short sneers at US 'jam and crackers' aid

BY MELISSA KITE, POLITICAL CORRESPONDENT
THE TIMES (UK)
NOVEMBER 22, 2001

TONY BLAIR struggled yesterday to maintain a united front with America as Clare Short accused the Americans of hampering the aid effort in Afghanistan. Ms Short, the Internation- al Development Secretary, attacked the US contribution to the humanitarian mission, mocking the country’s food parcels as “jam and crackers and peanut butter”.

It was the second time this week that Ms Short, who is a key member of the War Cabinet, has highlighted tensions between the Americans and the British.

Six thousand British troops are on standby for the peace mission in Afghanistan, but they are now likely to be kept waiting until after next week’s planned talks between the United Nations and Afghan tribal factions about the nature of the new broad-based government, defence sources say.

Mr Blair and Jack Straw, the Foreign Secretary, insisted yesterday that there has been no delay and that troops were on 48-hour standby, but, according to Ms Short, a serious hold-up was now hampering the aid effort.

During an interview with BBC Radio 4’s World at One, Ms Short said: “As everyone knows, we and the French were ready to go, and others to be there briefly while order is established and the new government is established, and there has been a delay and that is regrettable.

“We haven’t got a crisis yet, but if there was a big delay and a lot of disorder then we could get a terrible amount of humanitarian suffering.”

Ms Short agreed that there were hawks in the US Administration who took a different view to the British and wanted the fall of the Taleban and the capture of bin Laden but not necessarily the rebuilding of Afghanistan.

During questions in the Commons, she showed thinly veiled contempt for the American humanitarian effort. She mocked air-dropped US food parcels, which she called “the hearts and minds parcels” and described as containing just “jam and crackers and peanut butter”.

In response to one MP’s concern that some of the parcels were damaging houses, she said: “I don’t think they were heavy enough to smash houses.”

She added: “We need troops on the ground to have order so that the new government can take over and so that the humanitarian effort can go on.”

Moments later in the Commons Mr Blair came under pressure from Iain Duncan Smith, the Tory leader, who asked for an assurance that the coalition was holding together and shared the same objectives.

Mr Blair replied: “I am happy to confirm that. There is complete agreement, both on the military objectives of removing the Taleban regime, which I am pleased to say is largely now achieved, on making sure we pursue and hunt down the terrorist network of al-Qaeda, which we have made considerable progress on, and on making sure that we get the humanitarian aid into Afghanistan, which is absolutely vital, and also on the political and diplomatic front.”

Troops were on 48-hour standby to use “as and when” it was appropriate. “How and when and where we deploy them — that is a matter we can decide day by day and we should retain the flexibility to do so.”

Any decision to send more British troops to Afghanistan would be made with full consultation with the US Government.

Mr Blair said that predictions that the Northern Alliance would run amok had been proved wrong and he praised their attitude.

The talks between different Afghan factions in Bonn next week were a huge step forward.

When Mr Blair’s official spokesman was asked whether Ms Short was correct to say that troops had been delayed by the Americans, he replied: “No.” He added: “We understand Clare Short’s desire that we get to a situation where aid is able to go in as quickly as possible and of course we all want it to happen as quickly as possible.”


US asks Pakistan to close Taliban embassy

The News: Jang (Pakistan)
November 22, 2001

WASHINGTON: The United States said on Wednesday it had asked Pakistan to close the Taliban embassy in Islamabad and expel the diplomats because their presence was no longer "useful".

State Department spokesman Richard Boucher said the request had been made after eight Western aid workers, including two Americans, detained by the Taliban in Kabul were freed and then rescued by the US troops last week. "While we still had two American detainees and other foreigners detained in Afghanistan, we felt it was useful for (the Taliban) office to be there, to be open to offer the possibility of communication on the subject of our detainees should that be necessary," he told reporters.

"Given the developments of the past week -- the fact that the detainees are out -- at this point we don't really see any particular reason for that so-called embassy to stay open," Boucher said. "We've been talking to the Pakistan government about that (but) the decision in the end is for them to make and we'll leave it to them."

Asked whether Washington wanted Taliban diplomats expelled from Pakistan as well, a senior State Department official replied: "Closing the embassy is the same as kicking out the people."

Boucher praised Pakistan's decision on Tuesday to close the two remaining Taliban consulates in its territory calling it a "welcome" move. In doing so, though, the Pakistani government postponed a decision on the Taliban embassy in Islamabad.


Afghan Hazaras Hope for Political Voice at Last

Wednesday, November 21, 2001 11:19 PM EST

Rosalind Russell

KABUL (Reuters) - Behind the rubble of destroyed, mine-infested buildings in a corner of Afghanistan's capital Kabul live the Hazaras, descendants of the armies of Ghengis Khan and a community struggling for a political voice.

Crowded into bullet-scarred houses that line the main street in the southwest of the city and climb a rocky hill, members of this minority ethnic group have faced discrimination by every regime that has come and gone in Afghanistan.

Next week a delegation of Hazaras will join U.N.-brokered talks in Germany aimed at drawing up a framework for a new ethnically mixed government to replace the Taliban.

Mending their bicycles on the roadside or sitting at their market stalls, the Hazaras of the battered Kabul suburb of Deh-Mazang are allowing themselves the luxury of hope.

``Any move toward peace is good news for us,'' said Ali Mohammad, who like all Hazaras is easily distinguishable from other Afghans by his oriental features.

``Our leaders have said that they will go to this meeting and I am hopeful about that. I am hopeful we can get a government that is fair to all of us.''

The Hazaras' centuries-long history of persecution comes right up to the present day.

The Taliban targeted the Hazaras for their Shia beliefs, which the fundamentalist militia's Sunni Muslim leaders dismissed as not true Islam.

Thousands fled their homes on the central plains of Bamiyan and came as refugees to Kabul when Taliban forces supported by hostile Pakistani and Arab soldiers closed in.

``ARMY OF A THOUSAND''

In fighting for control of the northern town of Mazar-i-Sharif, Hazara prisoners were said to have been dumped into shipping containers, locked up and left to suffocate.

Hazaras, whose name means ``army of a thousand,'' are known as resilient fighters, but have usually come out on the losing side.

In Kabul in the early 1990s, when mujahideen factions divided the city, the Hazara's Hizb-e-Wahadat army found itself up against the superior firepower of the fighters of legendary commander Ahmad Shah Masood.

Today, most Hazaras in Kabul still live among the ruins of those four years of battle, in houses without running water or electricity.

``Our people are poor, many of them can't afford to eat. All their houses are destroyed. Our problems never change,'' said Hussein Sabari, an aide to Hazara leader Karim Khalili.

The Hazaras make up an estimated 15 percent of Afghanistan's population, although they say they are more.

Their army of around 5,000 is loosely affiliated to the anti-Taliban Tajik and Uzbek dominated Northern Alliance.

But it is not their forces who have patrolled the streets of Deh-Mazang since Alliance forces took control of Kabul last week.

``The Taliban used to have control of this area and now the Tajiks are here,'' said Sabari.

``But the Taliban people were mostly foreigners, the Tajiks are our brothers. We hope they will give us the chance to rule this country with them.''


New abode to mitigate woes of Jallozai inmates

By Abdullah Jan
The News: Jang (Pakistan)
November 22, 2001

PESHAWAR: Woes and miseries of thousands of Afghan refugees, who managed to dare unimaginable wretched living conditions in the makeshift Jallozai camp near Peshawar, are about to end with their shifting to another encampment with a little improved amenities.

"I don't think the Hell could be any worse than this," was how Sharif Bhezan, an Afghan Uzbek refugee, had remarked during the burial of his nine children, who died of disease and hot weather on one day in the makeshift Jallozai camp in May last.

Many old people and women have fallen victim to the worst conditions at the makeshift camp, established in September 2000 to accommodate tens of thousands of victims of war in north and the drought-stricken in south and southeastern parts of Afghanistan.

Stories appearing in international media about the camp attracted world attention, with many international leaders and philanthropists visiting to take a look of the squalid conditions faced by more than 30,000 population of the camp.

"The situation here is really deplorable and the world should come up to help the poor people in Jallozai," the UN High Commissioner for Refugees Ruud Lubbers had said at the end of a visit to the Jallozai camp early this year.

Initial days at the makeshift Jallozai camp were the worst, with inmates living under plastic sheets in a temperature not less than 40 degrees Celsius in the Peshawar's severe summer. Subsequently the monsoon rains caused havoc to the refugees, many of who lost whatever belongings they had managed to bring with them from the war-ravaged motherland. Malnourished infants, feeble and pale-looking women and frail sick elderly men and women inside the tents, and tatter-wearing children queued with water tankers presented shocking scenes for visitors to the camp.

More miseries and hardships await inmates of the makeshift Jallozai camp during the upcoming severe winter and rainy season. Following an agreement with Pakistani authorities, the UN Agency for Refugees - United Nations High Commission for Refugees (UNHCR) - initiated relocating volunteer inmates of the makeshift Jallozai camp to the newly established settlement in Kotkai, Bajaur Agency.

Having shifted 752 people to Kotkai during the last two days, the UNHCR authorities plan to relocate at least 20,000 refugees to the new settlement, situated 10 kilometres from the Pakistan-Afghanistan border. "Conditions at Kotkai are much better than Jallozai," claimed the UNHCR emergency coordinator Jaques Franquin, adding that proper tents, regular food rations, water supply system and better sanitation system are being ensured at Kotkai camp.

UNHCR prefers taking Pashtun refugees to Kotkai, keeping back Afghans of smaller ethnic groups at an "unofficial" part of the Jallozai camp, where Pakistani authorities are strict not to allow the establishment of another refugee camp.

"A camp is a camp and I don't attach high hopes with our new abode," said Said Agha, one of the 400 refugees at the departure point in the makeshift Jallozai camp, minutes before boarding seven trucks for their three-hour journey to Bajaur Agency Tuesday.

Many at the Jallozai camp are still confused to leave for Kotkai as they fear losing whatever meagre facilities available to them at the present place of living. Of the more than 600 signing to leave Jallozai only 382 turned up Tuesday, indicating that many are still having problems deciding whether or not to move away from the proximity of a large city to an isolated tribal area. "You don't know what we'll get there," said a Pashtun widow Tajun Nisa, who opted to stay back at Jallozai, fearing even worse conditions in Kotkai camp.

The UN Agency for Refugees also plans to shift urban refugees from different towns in NWFP to Kotkai and at least nine other under construction camps in the tribal belt. The new camps planned with the idea to accommodate those fleeing the US-led air strikes on Afghanistan.

"Urban refugees are a point of great concern for us," said Jaques Franquin, who plans to turn attention towards Afghan refugees living outside the camps by sometime next week.

Though Kotkai camp happens to be another refugee camp, one can hope that those having seen the worst conditions at Jallozai would take a sigh of relief, even with minimum facilities at their new abode in tribal agency. At least the most horrible experience of their lives would come to an end, though not completely.


Death toll from New York attack reduced to 3,900

War on Terrorism: September 11 attacks

By Leyla Linton
The Independent (UK)
22 November 2001

Authorities in New York have conceded that the numbers of dead and missing from the World Trade Centre attacks have fallen way below initial estimates and may continue to come down as initial duplications and errors are corrected.

The city's official count stood at 3,899 yesterday, of which 624 people have been identified, with the rest – 3,275 names – remaining on the missing persons list. Some media organisations suggest, however, that the final tally of those who perished in New York on 11 September will be no higher than 2,950.

While the scale of human loss on that Tuesday remains overwhelming, the discrepancies between the deaths tolls then and now are striking. The numbers issued by the city peaked on 24 September, when officials said they believed that as many as 6,275 people had perished in the attacks on the twin towers.

That those high figures were unlikely to be borne out by history has been evident for some time. The New York Times, the Associated Press and USA Today all reported several weeks ago that their own surveys suggested tallies just below 3,000. Even so, those early death tolls became lodged in people's minds and have been consistently used ever since in public debate and political discourse.

Even Colin Powell, the Secretary of State, has continued to cite the loss of 5,000 Americans on 11 September in recent policy speeches. And in everyday conversations still, whether on the bus or over dinner, that same figure tends to be the one that is used.

The older numbers also appear regularly in newspaper columns and on television and radio talk shows. Don Imus, who hosts an irreverent morning talk show on radio and television in New York, even suggested last Saturday that 6,000 people had died at the World Trade Centre.

Officials show no sign of embarrassment over the changes in the mathematics, however, saying that the numbers were inflated at first because of many understandable reasons. They said that lots of people were simply reported missing several times over and it took time to correct duplications. Some women were reported using their married and maiden names.

But the process of whittling down the final numbers is not over. Foreign consulates tended to overestimate the numbers of nationals they lost in the tragedy and are now reporting more conservative numbers.

"Thank God so many of these people are alive and well," Charles Campisi, the chief of the New York Police Department's Internal Affairs Bureau, told The New York Times.

The Associated Press tally of people confirmed dead and those reported dead or missing at the World Trade Centre stood at 2,772 yesterday. The deaths in the crashes at the Pentagon and in Pennsylvania bring the toll to 2,996.


Freed Christian Aid Worker
Admits They Were Guilty of Proselytizing

Source: TheRationalRadical.Com
November 20, 2001

In the midst of celebrating the rescue of the eight Christian aid workers imprisoned in Afghanistan, not much mention was made of the fact that one of them -- American Dana Curry -- has now admitted that they were guilty as charged.

"Eighty percent of the charges against us were false," Ms. Curry said, acknowledging that some accusations were correct.

She said they had gone into an Afghan home and that she had given one Afghan family a photocopy of a book of stories about Jesus in Persian and English. She also said Afghans had been shown a film about Jesus.

I certainly believe that the Taliban law against teaching any religion other than Islam is unjust, violating the fundamental human right of freedom of religion.

That being acknowledged, one would hope that the happy ending to this episode will not encourage similarly reckless behavior by other religious aid workers or missionaries.

The eight foreigners, including two Americans, probably felt a bit protected by their Western status in Afghanistan and assumed they would not face any severe punishment if caught.

The problem is that their illegal preaching endangered their indigenous co-workers and those whom they were proselytizing. Sixteen Afghans who worked with them at Shelter Now, a German-based Christian organization, were arrested along with the eight foreigners. Many observers felt that the sixteen Afghans would likely receive the death penalty after being found guilty.

Their illegal proselytizing endangered not only the lives of their co-workers, but countless others: the aid workers were there are part of an international effort to feed starving Afghans, and the Taliban could well have halted the entire aid effort in retaliation.

This is not just my supposition, it is the conclusion of their fellow aid workers:

"These laws were well-known to everyone," said Fayaz Shah, head of the United Nations World Food Program in Kabul. "It's like walking in a minefield, and when one blows, you yell, 'Why did this happen?' But you should know. You were in a minefield."

...The potential of more arrests has left the aid agencies in fear. People say the Shelter Now episode could eventually lead to a huge withdrawal — or expulsion — of the agencies. That would be catastrophic for the needy.

That dreadful prospect complicates the moral judgments of aid workers who would ordinarily ache with sympathy for their jailed colleagues. As it is, commiseration often is coupled with anger. Many people here presume that the arrested foreigners were guilty of reckless proselytizing; however well-intentioned the preaching, that forbidden endeavor to save a few dozen souls has imperiled thousands of lives.

"Why did they break the law, especially this law?" asked an American who insisted on anonymity. "Worse yet, they dragged their Afghan workers into this. After some political games, the foreigners will probably be kicked out of the country as their punishment. But the Afghans, I am afraid they are going to be killed."

Happily, the 16 arrested Afghans also escaped.

It is interesting to note that the same law against proselytizing that is so properly condemned when instituted by the Taliban, is also enforced by our great ally, Saudi Arabia. But that's a whole other story.

In any event, one can both be glad the eight foreign aid workers and their 16 Afghan co-workers are free, and still trust that the next time, they -- as well as others in similar circumstances -- will consider the consequences more carefully before they start proselytizing where it's forbidden.

 



 

Hijackers were from wealthy Saudi families

 

 

Put all jumpdown links/dropdown menus/picture codes/headings and other information in here! -->start main body text-->MOST of the hijackers in the terrorist attacks on America were recruited from wealthy Saudi families and were bound by family ties, the first detailed account of their background has revealed.

Rather than being hired "muscle" or terrorists posing as Saudis with false identities, as previously thought, an investigation has revealed a close-knit group that had links stretching back many years.

Fifteen of the 19 hijackers are now known to be Saudis, including the brother of a police commander, the son of a tribal chief, two teachers and three law graduates.

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Blood brothers: Nawaf al-Hamzi, Majed Moqed, Wail al-Shehri and Satam al-Suqami

Well-educated, intelligent and in their mid-twenties, most were joined in the attack by at least one close male relative. Many of them had a history of making trips both to America and Afghanistan.

As the focus of the worldwide inquiry shifts to Saudi Arabia, with security sweeps across the country launched in collaboration with the FBI, the discovery of the hijackers' backgrounds is causing consternation in the kingdom.

More than 80 people have been detained by the Saudi security police for alleged links to Osama Bin Laden and hundreds more have been questioned.

Until now the world's understanding of the hijackers and their motives has been based on information released publicly about three hijackers who lived in Hamburg, and led by Mohammed Atta, an Egyptian.

But information obtained from within Saudi Arabia has provided a detailed profile of the fundamentalist Muslims prepared to die to inflict massive casualties on the United States.

Predominantly from the western provinces of the kingdom, they were also all adherents to the Salafist school of Islam, which believes in following literally the doctrines and practices of the earliest disciples of the Prophet Mohammed.

"The recruits, whatever you may think of what they did, were talented people," said Saad al-Fagih, a leading moderate Saudi dissident in London last week. "They were not only credible, but had good communication skills."

Al-Fagih, the leader of the London-based Movement for Islamic Reform in Arabia, said contact with dozens of local sources confirmed visits by at least 11 of the hijackers to training camps of Bin Laden's Al-Qaeda.

One hijacker now identified as a ringleader on September 11 is Nawaf al-Hamzi, who sat in seat 5F of American Airlines flight 77, which crashed into the Pentagon. Al-Hamzi, according to local sources, is the brother of a police chief from the coastal town of Jizan, in southwest Saudi Arabia.

He was the earliest hijacker to make an appearance in the United States when he turned up on records of an apartment complex in San Diego, California, in November 1999.

Al-Hamzi had already aroused the suspicion of the CIA before September 11 when he was spotted with Khalid al-Midhar, another Saudi, at a meeting with suspected Al-Qaeda members in Malaysia in January 2000. Shortly afterwards, al-Hamzi and al-Midhar began flying lessons together in San Diego. Al-Midhar was in seat 12B on the flight. Another al-Hamzi brother, Salem, was on the same plane, in seat 5E.

Hani Hanjour, a trained commercial airline pilot and the son of a wealthy businessman from Ti'af, 50 miles east of Mecca, was also on the flight, as was Majed Moqed, a law student at the King Saud University in Riyadh. He is the son of ahead of the Baniauf tribe and from Annakhil, a village near Medina.

Friends have said that he was known for his desire to join a jihad and was a relative of an extremist leader who took part in the 1979 storming of Mecca's Grand Mosque, Islam's most holy shrine.

A former college room-mate of Moqed was Satam al-Suqami, a hijacker on American Airlines flight 11, which crashed into the north tower of the World Trade Center. Also a law student at the King Saud University, he was from a northern Saudi province.

Brothers Waleed and Wail al-Shehri, also on the same flight, came from Khamis Mushayt, east of Abha. Described by friends as "peaceful and devout", Wail had graduated from an institute of teachers.

Last week, the brothers' father, Muhammad Ali al-Shehri, said Wail had started working as a teacher but left his job because of mental illness and never returned. Waleed, who was still a student teacher, left with his brother nine months ago to consult a Muslim holy man about Wail's illness. Their whereabouts were unknown to their family until the hijackings.

Ahmed al-Nami, a hijacker on board United Airlines flight 93, which crashed in Pennsylvania, was identified last week as another law student, trained at the King Khaled University Islamic law school in Abha.

The Saudi ruling family has been so disturbed at the scale of the involvement of some of its citizens that it has given a team of FBI agents unprecedented access to interviews with suspected detainees and they have been allowed to collect statements from relatives and acquaintances of the hijackers.

http://www.sunday-times.co.uk/news/pages/sti/2001/10/28/stiusausa02023.html

 



Family ties: Osama's father, Mohammed, who had
57 children before his death in an air crash.
Relatives now deny claims by Carmen, right,
that they support Osama
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start main headline-->main headline-->DISSENT IN THE DYNASTY: Bin Laden's sister implicates Arab royals end main headline-->

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Put all jumpdown links/dropdown menus/picture codes/headings and other information in here! -->start main body text-->THE sister-in-law of Osama Bin Laden has outraged members of the family after claiming that they and sections of the Saudi royal family gave financial backing to the terrorist leader.

In the first interview by a member of the publicity-shy clan, Carmen Bin Laden, who is involved in a protracted divorce battle with one of Osama's brothers, turned on her relatives, who in turn strongly denied her allegations.

Asked if members of the family had helped finance the Al-Qaeda leader, she said: "My opinion is yes . . . I think they would say, 'Okay, this is for Islam.' They would give. For Islam, they would give."

She added: "What I have heard is he has the backing of some of the royal family. They think the same way. Not all of them, but some of them. You have to understand, I think in Saudi Arabia Osama Bin Laden has a little following. And in my opinion, this is what makes him dangerous. Because he has . . . the backing of a lot of people there."

The frank airing of family affairs was sparked by a televised interview on ABC News with Carmen, who is married to Osama's brother Yeslam, one of the most senior members of the Bin Laden family.

Now living in Geneva, Carmen, of Swiss-Iranian parents, is estranged from Yeslam, who has extensive business interests in Switzerland, where he runs the Saudi Investment Corporation. The couple, who have two children, split up 11 years ago and she has had little contact with the family in Saudi Arabia.

In the interview, Carmen describes her first meeting with Osama: "I knew he was religious because he was the only brother who would refuse to see me [because she was not a traditional Saudi woman]. This was how Osama was at that time."

However, she said she did not hate her former husband's brother. "I don't like him [but] I cannot hate somebody. Hate, for me, it's a terrible thing. He hates people and look what he has become."

Osama, she said, became a hero after he returned from Afghanistan at the end of the 1980s. "In the family, in everybody in Saudi Arabia, the society, everybody, he was considered as a hero. He was the religious one. There are others who are religious, too, not to the extent of him. Osama has become more radical to the West. But I think there are some of his brothers who were religious, who would think the way Osama is saying."

Yesterday her version of events was challenged by a close friend of Yeslam Bin Laden. Speaking from France, the friend, who wishes to remain anonymous, said Carmen was motivated by her desire to achieve a divorce settlement. "Carmen, who I have known for many years, is in the middle of a divorce with Yeslam. I think this explains what she is saying."

He said Carmen's mother had originally rented a house from Yeslam and that was how he had met her. Her father came from the Dufour family of Geneva. "She is trying to put pressure on the family and take advantage of the present situation.

"There is no truth at all in what she was saying about the family supporting Osama. The Bin Laden family is very close to the USA. In Saudi Arabia and Africa it owns the franchise for Hard Rock Cafe and Yeslam himself is a major investor in Carlyle Corporation, which is a big defence contractor."

Further detail about the family also emerged this week in a book, The Fighter from Mecca, by Khaled Khalil Asaad, a Saudi writer. It says Bin Laden's mother was not Syrian, as many believe, but came from the same village in south Yemen as his father, Mohammed. His paternal influence, however, was short-lived. Mohammed died in an air crash when Osama was 13.

King Saud then realised the family company, the Bin Laden Organisation, needed special protection. He issued a decree to create a council of guardians to manage the organisation, take care of the 57 sons and daughters, and protect and invest their wealth. end main body text-->

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#$next-->Next page: What do we do now?

WHAT DO WE DO NOW? end main headline-->

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Put all jumpdown links/dropdown menus/picture codes/headings and other information in here! -->start main body text-->The Pentagon last week called for new solutions in the war on terrorism. It is 'open to ideas from just about anybody' on how to deal with the threat posed by Osama Bin Laden and other fanatics. Here are some expert suggestions:

Arthur C Clarke, scientist and author
The only long-term solution to terrorism is to have compulsory psychological probing to detect crazies, which would make Big Brother look like Santa Claus. The technology does not exist yet but I can imagine a time will come - like the 'brain cap' I describe in some of my books, which could measure thoughts and emotions.

Paul Davies, professor of physics
Regarding hijackings, there is a simple solution. Aircraft are perfectly capable of being landed safely entirely by computer. It would be an easy matter to pre-programme airliners with default instructions to fly to a designated airport in event of an on-board emergency. These instructions could be made irreversible from within the aircraft and deactivated only by a coded instruction from air traffic control.

Sir Martin Rees, astronomer royal
The US and western Europe should offer resources to accelerate programmes to monitor and dismantle the world's 20,000 nuclear weapons and to safeguard fissile material. A devastating amount may already have gone astray but this effort surely deserves far more urgent priority from the US government than missile defences.

Mark Galeotti, senior history lecturer, Keele university
The Soviets were quite successful at targeting individual guerrilla leaders [though they did not win the war]. The KGB would use spies to get a location, and infiltrate small teams of spetsnaz special forces into the area. They would hide on high ground and sometimes wait for a week. When the target came through they would hit him, calling in air power to help.

Trevor Bayliss, wind-up radio inventor
Somebody has made a hybrid version of my radio and it is being dropped in Afghanistan by the US government. They have made it a fixed-frequency machine so you can only hear one message and that comes from the Pentagon. They should do more. I think propaganda is one of the most effective tools you can use. end main body text-->

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Pentagon präsentiert Bin-Laden-Video
 
Video   Washington - Das US-Verteidigungsministerium hat am Donnerstag das mit Spannung erwartete Amateurvideo veröffentlicht, in dem sich Osama bin Laden mit den Terroranschlägen vom 11. September brüstet. Bin Laden zeigt sich bei einem Treffen mit einem nicht identifizierten gelähmten Scheich und anderen Gästen über den Erfolg der Anschläge auf das World Trade Center äußerst zufrieden.
 
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Der Scheich deutet bei dem Treffen weitere Anschläge vor Ende des Ramadan an. Die US-Regierung sieht in dem Videoband den letzten Beweis für die Schuld Bin Ladens.

Er habe nicht mit dem Einsturz der Türme gerechnet sondern nur damit, dass die Stockwerke oberhalb der Einschlagstelle kollabieren, erklärte Bin Laden nach der vom Pentagon gelieferten englischen Übersetzung. "Wir hatten errechnet, dass höchstens drei bis vier Stockwerke getroffen werden."

Bin Laden schildert weiter, wie er am Tag der Anschläge zusammen mit Anhängern im Radio die Ereignisse verfolgte. In Anspielung auf seine begeisterten Anhänger sagte er: "Sie waren außer sich vor Freude, als das erste Flugzeug das Gebäude traf. Ich sagte ihnen: "Seid geduldig"." Er deutete damit an, dass er von den weiteren Anschlägen wusste, die kurz darauf folgten.

Zugleich bestätigte Bin Laden, was die Ermittler schon lange vermutet hatten, dass Mohammed Atta der Anführer der Terroristen war. "Mohammed Atta von der ägyptischen Familie (gemeint ist der ägyptische Zweig der El-Kaida-Organisation) leitete die Gruppe", erklärte der meist gesuchte Terrorist.

Er betont, dass die meisten Hijacker im Unklaren über die eigentliche Operation waren. Auch hätten sich die Hijacker unter einander nicht alle gekannt, erklärte Bin Laden weiter. So hätten die als Piloten ausgebildeten Entführer, die Hilfskräfte nicht gekannt. Und auch die verschiedenen Gruppen hätten sich unter einander nicht gekannt. Die Entführer hätten lediglich gewusst, dass es sich Märtyrermission handele.

Der offenbar gelähmter Scheich spricht an einer Stelle davon, dass Allah den Gläubigen einen großen Sieg beschert habe und vor Ende des Ramadan neue Siege zu erwarten seien. Dem ersten Schlag würden weitere folgen.

Das Band ist von äußerst schlechter Ton- und Bildqualität. Nach Angaben des Pentagon wurde das etwa 40 Minuten lange Video vermutlich in einem Gästehaus in Kandahar aufgenommen.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Ari Fleischer, erklärte, das Band spreche für sich selbst. Präsident Bush, der das Video bereits am 30. November gesehen habe, sei schon immer überzeugt gewesen, dass bin Laden die Anschläge zu verantworten habe. Mehrere Sprecher der arabischen Gemeinde in den USA bezeichneten die von vier unabhängigen Übersetzern im Auftrag des Pentagon angefertigte englische Fassung als authentisch.

 

 

 


Bin Ladin wusste von den Terroranschlägen
Terroristenchef angeblich in Tora Bora gesichtet

14.12.2001 FAZ

Einen Tag nach der Veröffentlichung eines Videos, in dem Terroristenführer Usama bin Ladin genaue Kenntnisse über die Terroranschläge auf das World Trade Center und das Pentagon offenbart, herrscht in den USA helle Empörung. Nach Medienberichten zweifelt in der amerikanischen Öffentlichkeit nun kaum noch jemand daran, dass Bin Ladin für die Attacken des 11. September verantwortlich ist. Der Ruf nach einer Festnahme Bin Ladins wird immer lauter. US-Militärs betonten im Nachrichtensender CNN ihre Einschätzung, dass er sich in der Felsenfestung Tora Bora in Afghanistan aufhalte und dort von Anti-Taliban- sowie US-Truppen eingeschlossen sei.

Das angebliche Geständnis des Usama Bin Ladin

Zuvor hatte der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld erneut betont, man gehe auf Grund von

Geheimdienstinformationen davon aus, dass sich Bin Ladin weiterhin in Afghanistan aufhalte. Daran änderten auch anders lautende Berichte in amerikanischen Zeitungen nichts. Angeblich soll der Terroristenführer zudem von der afghanischen Miliz in den Tälern Agamir und Wasir gesichtet worden sein. Die US-Luftwaffe verstärkte am Freitag ihre Flächenbombardements in der Region. Zudem starteten Anti-Taliban-, US- und britische Truppen eine Bodenoffensive. Amerikanische Soldaten besetzten zudem am Freitagmorgen den internationalen Flughafen von Kandahar. Das pakistanische Militär versucht an den Grenzen zu Afghanistan, eine Flucht Bin Ladins zu verhindern.

"Sie waren außer sich vor Freude"

Am Donnerstag hatten die USA - wie seit Tagen erwartet - das Aufsehen erregende Bin-Ladin-Video veröffentlicht. Darin erklärt er seinen Gästen, dass er nicht mit einem solchen gewaltigen Schaden in New York gerechnet habe. Er sei davon ausgegangen, dass nur die Stockwerke oberhalb des Einschlags einstürzen würden, sagte Bin Ladin. „Wir hatten errechnet, dass höchstens drei bis vier Stockwerke getroffen werden. Dies war von allen (Berechnungen) die optimistische.“

Bin Ladin schildert weiter, wie er am Tag der Anschläge zusammen mit Anhängern im Radio die Ereignisse verfolgte. In Anspielung auf seine begeisterten Anhänger sagte er: „Sie waren außer sich vor Freude, als das erste Flugzeug das Gebäude traf. Ich sagte ihnen: "Seid geduldig".“ Er deutete damit an, dass er von den weiteren Anschlägen wusste, die kurz darauf folgten.

Nicht alle Flugzeugentführer waren eingeweiht

Er betont, dass die meisten Flugzeugentführer im Unklaren über die eigentliche Operation waren. „Aber sie sind gut trainiert worden, und wir haben ihnen nichts über die Operation gesagt, bis sie da waren und dabei waren, das Flugzeug zu besteigen.“

Auch hätten sich die Flugzeugentführer unter einander nicht alle gekannt, erklärte Bin Ladin weiter. So hätten die als Piloten ausgebildeten Entführer, die Hilfskräfte nicht gekannt. Und auch die verschiedenen Gruppen hätten sich unter einander nicht gekannt. Die Entführer hätten lediglich gewusst, dass es sich um eine Märtyrermission handele.

Aufnahme aus Kandahar?

Das Band ist von äußerst schlechter Ton- und Bildqualität. Zu Beginn ist Bin Ladin mit mehreren Gästen zu sehen, darunter ein offenbar gelähmter Scheich. Zunächst geht es in den Gesprächen immer um Träume, die von Angriffen auf die USA handeln. Auch über konkrete Träume von einem Anschlag mit zwei Flugzeuge wird berichtet.

Nach Angaben des Pentagon ist das gesamte Video etwa eine Stunde lang und wurde vermutlich in einem Gästehaus in Kandahar aufgenommen. In späteren Teilen des Bandes sind Taliban- und Al-Qaida-Mitglieder bei der Absturzstelle eines US-Hubschraubers zu sehen. Das Band wurde in einer verkehrten Reihenfolge ausgestrahlt. Zunächst wird das Ende des Treffens gezeigt, dann folgt der Teil mit dem abgestürzten Hubschrauber und dann folgt der Beginn des Treffens. In dieser Reihenfolge war es auf dem in Afghanistan entdeckten Band zu sehen.


Glaubwürdig, aber kein Freipas

14.12.2001 Neue Luzerner Zeitung

N och sind die Umstände, unter denen dieses Video zu Stande kam und anschliessend in die Hände der Amerikaner fiel, nicht klar. Doch gibt es keinen Grund, an der Authentizität des Films zu zweifeln: Der Streifen ist ein eminent wichtiger Baustein in der Anti-Terror-Strategie von George Bush. Das Risiko der Entdeckung einer Manipulation wäre für die Bush-Regierung viel zu verheerend, als dass eine Fälschung wahrscheinlich scheint.

Mit der Veröffentlichung haben die USA zwei Zielgruppen im Visier: Innenpolitisch dürfte das Video, dessen fast frivoler Ton das US-Publikum zu Recht zutiefst schockte, die Kritiker der Bush-Strategie zum Schweigen bringen. Vor allem die Bedenken gegen die Massnahmen, mit denen Bush fundamentale Bürgerrechte ausser Kraft setzte, um den Terror besser bekämpfen zu können.

Aussenpolitisch dürfte die Anti-Terror-Allianz, die wegen des US-Alleingangs etwas gelitten hat, angesichts der vorgelegten Bilder wieder zusammengeschweisst werden. Die Veröffentlichung richtet sich aber vor allem an die arabischen Länder: In den meisten von ihnen waren die Anschläge in den USA verurteilt worden. Die Stimmung kippte aber mit den zunehmenden Zahlen ziviler Opfer, welche die US-Angriffe auf Afghanistan forderten. Ob sich die arabischen Massen nun angesichts des zynischen Tons von Bin Laden vom Terroristenchef abwenden werden, muss allerdings offen bleiben.
Obwohl gemäss Experten das Video vor einem Gericht nicht unbedingt als Beweismittel für die Verantwortung Bin Ladens an den Attentaten vom 11. September ausreichen würde, zeigt es deutlich, dass Bin Laden im Voraus genau Bescheid wusste über die Anschläge und legitimiert gemäss US-Regierung den US-Feldzug gegen den Terroristenchef. Doch so glaubwürdig und eindrücklich das Video auch ist, es stellt Bush keinen Freipass für den Kampf gegen den Terrorismus aus.

 

 

 

 

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